Unser Fazit

Wir werden ja nun bestimmt gefragt, wo es uns am besten gefallen hat, was die schönsten Erlebnisse waren und welche Ausrüstung vielleicht überflüssig war. Daher fassen wir alle Punkte einfach hier zusammen und hoffen, nichts Wesentliches vergessen zu haben.

 

Tierwelt:

 

Der erste Besuch einer munteren Delfinschule vor der bretonischen Küste war herzergreifend schön. Auch alle weiteren Delfinbesuche haben uns jedes Mal fasziniert. Besonders in Erinnerung geblieben sind der nächtliche Besuch einer Delfintruppe, die in tiefschwarzer Nacht mit ihren Flossen fluorisierende Muster in unsere Bugwelle „gezeichnet“ haben. Auch die 4-6 Delfine – unserer Vermutung nach jugendliche Ausreißer – die uns bei ziemlich langsamer Segelei und geringer Bugwelle über zwei Stunden lang auf unserem Weg zu den Isles de Glenan begleitet haben, verursacht auch im nachhinein ein dickes Grinsen in unseren Gesichtern.

 

Äußerst spektakulär und Segler’s Traum war der Besuch des schätzungsweise 20 Meter langen Pottwales an unserer Backbordseite in max. 50 Meter Nähe. Den Besuch hatten wir am dritten Abend auf See von den Azoren nach England. Das „Puffffph“ seines Blas verursachte ungläubiges Staunen bei mir. Zum Glück war der Wal wohl nur etwas neugierig und hat sich artig wenige Minuten später zurückfallen lassen und drehte ab. Es war absolut magisch…

Und zu guter Letzt haben wir ja unseren Traum wahrgemacht, einmal mit den Seehunden oder Kegelrobben, die in den Gewässern rund um die Düne von Helgoland beheimatet sind, zu schnorcheln. Auch dieser Tag wird sich für ewig in unser Gedächtnis prägen. Respekt und Neugier hielten sich bei der Begegnung die Waage und das war auch gut so.

Die schönsten Inseln (Reihenfolge ohne Wertung):

  • Die Belle Ile
  • Die Islands of Scilly
  • Die Isle of Wight
  • Die Kanalinsel Sark
  • Die holländische Insel Vlieland

Die schönsten (geplanten) Reiseziele:

In der lange vorab geplanten Reiseroute bilden sich bekanntlich die ersten Erwartungen – so auch bei uns. Einige wenige Ziele erweisen sich in der Realität denn manchmal und rein subjektiv aus minderschön. Wenn jedoch die Erwartungen mit der Realität übereinstimmen oder  sogar noch übertroffen werden, dann fühlt man sich wie im 7. Reisehimmel. Dieses traf für folgende Destinationen zu:

  • Bretagne (L’Aber Wrac'h war überraschend schön)
  • Die Rias in Nordspanien
  • Die Azoren, insbesondere die Inseln Santa Maria und Terceira


Städte

Frankreich:

  • Dieppe war eine echte Überraschung,

Spanien:

  • Vilagarcia in der Ria Arousa gefiel durch sein schöne Uferpromenade und dem historischen Pfad, dem man auch ohne Fahrrad gut folgen kann
  • Baiona atmete ebenfalls Geschichte und die Innenstadt war in alter Form erhalten bzw. sehr gut restauriert. Leider waren wir hier nur einen Abend und es ruft nach Wiederkehr. 

Portugal:

  • Porto am Douro war schön,
  • Funchal auf Madeira hatte sehr schön gepflasterte Straßen

Azoren

  • Angro do Heroismo auf Terceira – ebenfalls Weltkulturerbe – ist nun erdbebensicher wieder aufgebaut und sehr schön, wenn auch etwas „künstlich“ - eben ein Postkartenstädtchen

England:

  • Falmouth mit seiner langen, geschichtsträchtigen Hafenstraße fand unser Gefallen.
  • Weymouth beeindruckte durch seine schöne Strandpromenade.
  • Cowes war für uns sowieso ein Highlight auf unserer Reise
  • Dartmouth am River Dart ebenso wie Salcombe und Fowey. Alle drei historischen Städt(chen) waren fast schon etwas kitschig mit ihren engen Gassen und Fachwerkhäusern bzw. Cottages

 

Aber die mit Abstand beeindruckenste Stadt war …. Brügge. Ist ja auch nicht umsonst Weltkulturerbe!

Dämlichkeiten:

 

Schon auf der Rücktour – 20 sm hoch gegenan von der Ilha Deserta zurück nach Madeira war uns beiden klar, dass dieser „Tagesausflug“ auf die Liste unserer Dämlichkeiten ganz nach oben gehört. Wir hätten wissen müssen, als wir morgens bei einer echt wilden Welle und zunehmenden Wind von 4-5 Windstärken den Rückweg "genießen" würden. Auch die unter Naturschutz stehende Insel mit seinen hohen Steilküsten kann gern Naturschutz für die Flora und Fauna bleiben – ungestört durch uns.

 

Die 2. Dämlichkeit ist uns auch auf Madeira passiert: der Abend der Abreise zu den Azoren war bis zum Sonnenuntergang malerisch. Querab vom Leuchtturm Ponta do Pargo erwischte uns der plötzlich einsetzende Kap-Effekt: von 3 kn Wind innerhalb von 5 Minuten auf über 30 kn Wind. Der Schreck war groß und die Erste der folgenden vier Nächte auf der Passage zu den Azoren somit sehr anstrengend. Wie gesagt, wir hätten es wissen und darauf vorbereitet sein müssen. Beruhigend für mein Seemannsgewissen war es, dass auch die erfahrene, dreiköpfige Mannschaft der TIOGA, die wir auf Santa Maria kennen gelernt haben, genau denselben „Effekt“ erleben durfte und das sogar unter vollen Segeln…. wir sind also nicht die einzigen „Blöden“. 

Kleinkram & Segelalltag

 

Duschen / Sanitär:

Grundsätzlich hat sich in den letzten Jahrzehnten insbesondere in Frankreich einiges getan in Sachen Duschen und Toiletten. Auch in Spanien, Portugal und auf den Azoren waren alle sanitären Anlagen relativ modern, sauber und zumeist im Hafengeld inbegriffen. Herausragend waren die luxuriösen Duschen in Quinta da Lorde, auch wenn es einen Reparaturstau gab. Überraschend komfortabel waren die Einzelduschen in Torquay.   

 

Preisniveau

Wenig überraschend: das Preisniveau war in Portugal am niedrigsten. Als Maßstab haben wir immer den Preis für einen Kaffee genommen, der auf dem Festland, ebenso wie auf Madeira und den Azoren zwischen 70 Cent und 1,20 Euro lag. Alle weiteren Lebensmittel waren im Vergleich zu Deutschland dort ebenfalls recht günstig. Hiervon ausgenommen sind hochprozentiger Alkohol oder internationale Marken, wie z.B. Nutella, die denn doch erheblich teurer waren als zu Hause.

Teuer ist ein gutes Stichwort: England ist mit Abstand das geldintensivste Revier. Insbesondere die Liegegebühren auch an den Mooring-Tonnen haben ein empfindliches Loch in die Reisekasse geschlagen. Dafür erhält man jedoch einen sehr guten Service vom Hafenmeister, Schleusenwärter und Marina-Angestellten.

 

Lebensmittelqualität

Na klar, zu Hause in Deutschland schmeckt es grundsätzlich am besten. Rechnet man den Faktor „gewohnter Genuss“ raus, hat es uns in Portugal und auf den Azoren am besten gefallen. Auf letzteren konnte man jedoch nicht immer davon ausgehen, frisches Obst und Gemüse zu erwerben. Viele frischen Sachen müssen wohl importiert werden und haben somit lange Wege inkl. teilweiser Tiefkühlung hinter sich - die Garantie für schnelles Verderben von Obst und Gemüse.

Erstaunlicherweise hatten wir selten Probleme, frisches Körner- oder manchmal sogar Vollkornbrot zu bekommen. Auch wenn die Konsistenz teils weich und „pappig“ war, konnten wir es gut essen. Trotzdem: gelegentliches Brotbacken hat geholfen.

Wer Fisch und Meeresfrüchte liebt, ist selbstverständlich auf der Gewinnerseite.

Was wir unterwegs gesucht haben:

Rapsöl (gab es erst in England wieder), Kandis und ich mag es kaum zugeben: Maggi-Würze.

Fleisch haben wir möglichst nur in Metzgereien oder an der Frischetheke im Supermarkt gekauft. Abgepacktes Fleisch haben wir, wie auch in Deutschland, weitestgehend gemieden oder bereut.

Was haben wir zuletzt am meisten vermisst?

 

Eigentlich und erstaunlicherweise recht wenig. Nur eines aufrichtig und von ganzem Herzen: eine Waschmaschine möglichst noch einen guten Trockner! Es war teilweise a) sehr teuer, a) schlechte Reinigungsleistung c) zeitraubend und nervig, weil auch andere Segler verständlicherweise ihre Wäsche waschen wollten.

Das Trocknen der Wäsche nahm viel Zeit in Anspruch und war nicht ganz risikoarm: „Regnet es gleich“? „Fliegt die Wäsche in den Bach bei den! Böen“? „Wo können wir noch im Salon das halbtrockene Sweatshirt aufhängen?“ Echt ätzend.

Was war überflüssig an Bord?

 

Tja, ich mag es ungern zugeben, weil es auf mein ausdrückliches Betreiben an Bord geschleppt wurde: das Bügeleisen nebst Tischbügelbrett. Manfred hat einmal bei Regenwetter 2 T-Shirts und Hemden gebügelt. Braucht kein Segler...

 

Was gehört unbedingt mit auf Langfahrt?

 

Ganz klar: Bücher. Jede Menge, gern auch in elektronischer Form. Und als neue Erkenntnis aus meinen Nachtwachen: Hörbücher. Dafür reicht die Konzentration, auch wenn man schon reichlich müde ist.

Ebenso wichtig sind Ohrstöpsel. Sehr praktisch war auch der klappbare „Hackenporsche“ zum Beispiel für den Transport von 3 x 6 Literflaschen Wasser aus dem Supermarkt. Und ohne Sonnensegel, welches zumindest im Hafen das Cockpit vor der direkten Sonneneinstrahlung schützt, würden wir ebenfalls nicht losgefahren sein.

Eine kleine handliche Kamera hat uns weit über 2000 Bilder und circa 80 kleine Videofilmchen geliefert. Wir sind keine Fotografen sondern Knipser. Trotzdem findet sich so manch‘ gelungenes Bild darunter. Und aus den Filmchen müssen wir uns im Winter mal in Ruhe die gelungenen Sequenzen zusammenstellen. Hätten wir eine große Kamera mit gehabt, wäre sie oft an Bord geblieben, weil die Rucksäcke mit Badesachen, Trinkflaschen und Verpflegung gut gefüllt waren.

Ah ja, und ein Tablet ist ebenfalls sehr nützlich: für Gribfiles, als reduntantes Navigationssystem und zum komfortablen Lesen / Schreiben auch wenn es nervt, alle App’s regelmäßig upzudaten.

 

Ein Dampfdruckkochtopf für das energiesparende Vorkochen größerer Mengen gehört unserer Meinung nach ebenfalls an Bord. Mittlerweile gehört zur Küchenausstattung auch ein Pürierstab und ein Kuchenquirl dazu. Die Suppen sind leckerer bzw. der Pfannkuchenteig weitestgehend klumpenfrei.

 

Für die Reisesegelei braucht man unbedingt ein handliches, leichtes Dinghi – am besten mit großen Rollen am Heck, so dass man es leicht(er) den Strand oder den Kies hochziehen kann. Wir sind mit unserem vielseitigen leichten Walker Bay, welches in achterlichen Davits hängt und gut festgezurrt wird, sehr glücklich. Lediglich auf der Passage von den Azoren nach England haben wir es sicherheitshalber auf dem Vordeck gelagert. Nichts ist ärgerlicher, als sich bei hohem Seegang mit einem schaukelnden Dinghi abzugeben.

 

Übrigens gute und leicht überdimensionierte Festmacherleinen sollten eine Selbstverständlichkeit sein. In vielen Häfen rollt ein nicht unerheblicher Schwell. Gegen das Durchscheuern helfen alte Feuerwehrschläuche oder zur Not auch mal ein Putzlappen. Es gibt diverse Möglichkeiten, eine „Federung“ gegen das harte Einrucken zu verwenden – überzeugt hat uns keine. Somit sparen wir uns das Geld und die Mühe hierfür und leben halt 2-5 Tage damit. Umfangreiche Versuchsreihen auf Terceira haben gezeigt, dass mit sehr strammen Leinen das geringste Einrucken zu verzeichnen ist - wehe, das Schiff kann erst einmal Schwung holen.

 

Aber als wichtigste und sinnvollste  Ausstattung befürworten wir ein aktives AIS inklusive Plotter. So manche Schiffssichtung – insbesondere dann, wenn man nicht damit rechnet – verliert ihren Schrecken, wenn man mittels der Vektorenpfeile die relative Richtung frühzeitig erkennt und sich genügend Zeit für eventuelle Manöver überlegen kann, statt alles mittels Peilkompass zu analysieren. Und optimal ergänzt ein Radargerät die Navigation, um im vielbefahrenen englischen Kanal auch die Nicht-AIS-Fahrzeuge oder Tonnen auszumachen. Nebel ist gleichauf mit Gewitter eine der unangenehmsten Wettererscheinungen auf See – meinen wir.

STATISTIK

Zum Abschluss ein paar Zahlen für die Freunde der Statistik:

  • Wir sind in den 138 Reisetagen an 54 Tagen im Hafen geblieben, haben 54 Tage nur tagsüber gesegelt und 30 Tage mit Nächten auf See verbracht.
  • Die Gesamtstrecke durchs Wasser betrug 5053sm, davon lief 1622sm (32%) der Motor mit. 3059sm haben wir auf See zugebracht (Motoranteil 21%), 1994sm waren Küstensegelei (49% Motoranteil). Der größere Motoranteil an den Küsten ist den befahrenen Tidengewässern geschuldet, an welchen wir zu bestimmten Zeiten an Kaps oder in Häfen sein wollten / mussten. Die erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit insgesamt betrug ca. 5,5kn.
  • Die Verteilung der gesegelten Strecke pro Windstärke zeigt eine typische Sommerreise mit 8% Flaute und 1Bft., 10% 2Bft., 30% 3Bft.,27% 4Bft., 20% 5Bft. und 5% 6Bft. Wir haben nur für kurze Zeiträume (Kaps u.ä.) auch mal 7Bft. erlebt. Sturm hatten wir keinen.
  • Wir sind ca. 80% der Strecke mit halbem oder achterlichem Wind gesegelt und nur 6% gekreuzt. Es zahlte sich neben Seglers Glück vornehmlich eine gute Reiseplanung und ein ausreichender Zeitpuffer aus. Das ist der größte Unterschied zu typischen 3-4 wöchigen Sommerreisen, auf welchen erheblich mehr gekreuzt werden muss - und dann auch nicht mit Wenden nur alle 5 Stunden...
  • Wir haben 1298 Liter Diesel verbraucht (0,8 Liter / Meile). Lange Strecken motoren wir mit ca. 1100 U/min bei etwas über 6 kn Fahrt, was sich über die Jahre als die ökonomischte Geschwindigkeit herausgestellt hat.
  • Wasser haben wir rund 5800 Liter benötigt, was einem Durchschnitt von ca. 40 Liter / Tag entspricht.

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