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Auf nach Holland

Tschüs Belgien!
Tschüs Belgien!

Freitag, den 9.9. geht der Motor um 5.40 Uhr an und wir legen ab Richtung Texel. Auch heute Vormittag ist zunächst der Motor unser Vortrieb. Um 10 Uhr setzt der Wind ein und wir können erneut den Yankee ausbaumen. Heute ist es nicht so böig wie gestern und wir kommen gegen 13 Uhr im Schulpengatt an. Die Welle ist mit 5 Windstärken aus Südwest trotz etwas Flutstrom unangenehm (Letztes Jahr hatten wir uns bei 7-8 Beaufort aus West nicht getraut, hier einzulaufen und wir finden, dass wir daran gut getan haben…). Um 14.30 Uhr binden wir Auriga im Yachthafen von Oudeschild/Texel an. Wir sind zwar vom frühen Aufstehen etwas müde um die Nase, aber unsere Neugier ist wie immer stärker. Zunächst gibt es die superleckeren holländischen Pommes spezial (Pommes mit Ketchup, Mayonnaise und frischen Zwiebeln) und Bitterballen. So gestärkt erkunden wir den kleinen Hafenort. Es ist ein wenig Postkarten-Holland und wir freuen uns schon auf die morgen geplante Radtour zur Nordseeseite.

 

Am 10.9. ist auch immer noch schönes Wetter. So macht das Aufstehen Spaß. Manfred hat wie immer die Fahrräder schnell rausgeholt und ausgestattet mit Wasser, Stranddecke, Handtuch, Bikini und zur Sicherheit einem Pullover radeln wir flott (dank des Rückenwindes) zur „Hauptstadt“ von Texel: Den Burg. Hier reiht sich auch wieder ein Geschäft an das nächste. Wir wundern uns, wie viele Urlauber hier noch unterwegs sind. Es ist brechend voll. Manfred streikt nach einer Stunde und will weiter – ich kann ihn ja verstehen, auch wenn ich es nicht zugeben will. So radeln wir durch das landwirtschaftlich geprägte, flache Binnenland weiter nach“ De Koog“. Schnell zum Strand heißt hier aber die Devise, um ja keinen Sonnenstrahl zu verpassen. Leider hat sich der Himmel mit Schleierwolken bezogen, es ist jedoch noch warm genug, um mich in die Nordseewellen zu rufen. Ausgestattet mit einem Windschutz machen wir eine schöne Nachmittagspause. Die Nordseestrände haben auch was, finden wir!

 

Um dem starken Gegenwind zu entgehen, fahren wir die westlich gelegenen Dünen entlang durch einen langen Wald. Es ist eine schöne Fahrradstrecke und wir müssen uns nicht allzu sehr in die Pedalen stemmen.  In der Ortschaft „Den Hoorn“ radeln wir an einer Kneipe vorbei. Manfred ruft: „Stopp! Davon habe ich schon gehört. Das hier soll die 2. Whiskey-Kneipe nach „der blauen Maus“ an der Nordseeküste sein!“ Stimmt, jetzt wo er das sagt, fallen mir auch die lobenden Worte des Amrum-Wirtes der „blauen Maus“ ein. Wir gucken eigentlich nur kurz rein und wollen dann weiter. Da haben wir aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wir werden vehement reingewunken und werden zu einem kleinen „Whiskey-Tasting“ genötigt. Es handelt sich um einen, hier auf Texel hergestellten ganz jungen Whiskey. Wir erzählen natürlich, woher unsere Neugier kommt. Schnell werden wir mit weiteren Informationen versorgt: auch auf Norderney gibt es eine unter Whiskey-Kennern hoch gelobte Kneipe, die wir unbedingt besuchen sollen. Das ist doch mal ein guter Tipp.

 

Trotzdem, wir müssen jetzt mal weiter *hicks*- 8 km können ganz schön lang sein. In Oudeschild müssen wir unbedingt noch mal die leckeren Pommes essen, bevor es die letzten Meter zum Schiff zurückgeht. Mittlerweile hat sich der Hafen gut gefüllt – viele Segler aus dem Ijsselmeer nutzen das außergewöhnliche Sommerwetter für eine Wochenendtour.

 

Als wir abends den Wetterbericht checken, machen wir nach diesem schönen Tag jedoch lange Gesichter: in den nächsten Tagen weht uns ein zum Teil strammer Ostwind entgegen und verspricht eine lange Kreuzerei. Ab Donnerstag wird das Wetter unbeständiger: die ersten Herbststürme kündigen sich an. Somit müssen wir Meilen nach Osten machen, solange wir noch etwas Südwind haben. Und das heißt: Vlieland ade! Dabei hatten wir uns so darauf gefreut, 2-3 Tage auf dieser muckeligen Frieseninsel zu genießen. Ein gebührender Abschied unserer 5-monatigen Auszeit sozusagen. Schöner Schiet, daraus wird jetzt nichts. Heute geht es zwar über das Wattfahrwasser nach Vlieland, das wir dann nur für einen Abend genießen dürfen. Montag machen wir entweder den langen Schlag nach Norderney (77 sm) oder sogar die Nacht durch nach Helgoland (130sm) je nach dem, wann wir den Ostwind auf die Nase kriegen.

 

Sonntag, den 11.9. wird aber wie jede Woche erst mal wieder sauber gemacht. Wir können erst ab 12 Uhr los, um zur rechten Zeit das Wattenhoch in der „Oude Vlie“ zu erwischen.  Nun ist aber auch das Gefühl an Bord vorherrschend, zügig nach Hause zu kommen, bevor es auf der Nordsee ungemütlich wird. Regen und Kälte ist nicht der krönende Abschluss, den wir uns wünschen... wir motoren über eine spiegelglatte See durch das Wattenmeer mit seinen engen Fahrwassern. Die Sonne scheint und es wird richtig warm. Kurz vor Vlieland ruft Manni: „Guck‘ mal, da ist die „Stayer“ mit Douwe und Maike!“ Ich fass‘ es nicht: Ende Juli lagen wir zusammen an der Pier von Horta/Faial und nun treffen wir uns hier wieder. Das sich die magischen Momente im Seglerleben. Douwe dreht sofort um, als auch er uns gewahr wird. Nur durch 50 m Wasser getrennt, rufen wir uns unsere Erlebnisse seit deren Ablegen von Horta zu. Dazu wird gehopst und gewinkt, um unserer Freude Ausdruck zu geben. Aber sie genauso wie wir müssen weiter: die Tide wartet nicht.

 

Wir können an diesem Abend zum ersten Mal in Vlieland einen freien Boxenplatz nutzen. Normalerweise ist diese Insel von den Seglern gnadenlos ausgebucht. Wir machen uns schnell landfein und bummeln durch die wirklich malerische Dorfstraße. Dann gönnen wir uns ein leckeres Abendessen auf der Terrasse der „Oude Stoep“. Das hat uns schon im letzten Jahr so gut gefallen, als wir mit unserer lieben Freundin Gaby hier waren.  

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