Die englische Riviera, der Solent und berühmt (berüchtigte) Seebäder

Ziel Torquay: Am Mittwoch (nachdem wir gecheckt haben, ob wieder Luft im Dieselfilter war – alles bestens – warum auch immer…) lassen wir die Mooring-Tonne los und motoren wehmütig weiter. Heute ist kein Wind zu erwarten. Somit werden die heutigen 22 sm motort. Wir müssen endlich auch mal wieder unseren Dieselbestand auffüllen – dies machen wir an einer „Fuel Barge“ in Brixham. Wie man uns versichert, hat der Treibstoff keinen Bio-Anteil. Nach dieser Unterbrechung motoren wir an der „englischen Riviera“ entlang nach Torquay. In der riesigen Marina finden wir nach Funkansage des Hafenmeisters schnell den zuvor telefonisch reservierten Platz. Flugs sind wir dann auch auf dem Weg zum Hafenmeister und zur Laundry. Da es in Falmouth letzte Woche so geweht und geregnet hat, ist der Berg Wäsche schon wieder stark gewachsen. Diese Marina hat tolle Waschmaschinen und was noch viel wichtiger ist: tolle Trockner! Die „W“-Wartezeit überbrücken wir mit einem Kaffee und wie soll es anders sein … bummeln durch die belebte Einkaufsmeile. Hier reihen sich ein Billigladen und Fish & Chips / Burgerimbiss an den nächsten. Trotzdem des Rummels und der vielen (dicken) Touristen bekommt man das Flair eines alten englischen Seebades durchaus mit. Es gibt verschnörkelten Pavillons und beeindruckende Hotelfassaden zu bewundern, man muss nur den Blick nach oben oder in die Ferne richten.  Wir lassen es momentan bewusst mal etwas relaxter angehen  und genießen die  Urlaubsatmosphäre. Vor  uns liegen ja noch rund 600 sm, die wir in längeren Tagestörns bewältigen müssen.

 

Torquay Hotel
Torquay Hotel

Landausflug nach Dartmouth mit der guten alten Eisenbahn

Eine Zugfahrt gefällig?!
Eine Zugfahrt gefällig?!

Die Eindrücke stapeln sich momentan in unseren Köpfen. Englands Südostküste hat so viel Unterschiedliches zu bieten, so dass wir momentan wirklich nur „sammeln“. Sortieren im Kopf und im Bilderordner muss später erfolgen. Aber fangen wir doch mit der Fortführung hier im Blog an:

Am Donnerstag, den 25.8. machen wir einen Ausflug per Bus und Dampflokomotive von Torquay nach Dartmouth, wo in diesen Tagen eine Ruderregatta stattfindet. Das war auch der Grund, warum wir diesen malerischen Flusslauf, den Dart, einfach ausgelassen hatten.

 

Wir erwerben morgens 2  Tickets, die die Busfahrt nach Paignton und ab dort die Dampflok nach Kingswear und die Fähre nach Dartmouth beinhalten. Die vorbeziehende, sogenannte englische Riviera ist dicht gepflastert mit Vergnügungsparks. Aus dem Zugfenster bewundern wir die Wetterresistenz der englischen Urlauber. Es ist nieselig und diesig, trotzdem werden am Strand die Badesachen ausgepackt. Die Kinder stecken zumeist im Neoprenanzug. Damit lässt es sich auch bei diesen Konditionen hervorragend im Sand buddeln und baden. Die Eltern holen derweil ihre Sandwiches, Pasties und Süßgetränke raus und lassen sich den Tag nicht von ein paar Wolken vermiesen – bewundernswert.

 

Die Zugfahrt selbst mit allem Gerüttel, Gerüchen und Geräuschen ist ein tolles Erlebnis – Bahnfahren mit allen Sinnen sozusagen. In Kingswear auf dem ebenfalls nostalgisch angehauchten Bahnhof angekommen, setzen wir zügig mit der Fähre nach Dartmouth über. Auch dieser Ort ist eine Hochburg des englischen Segel- und Rudersports. Der Fluss Dart ist voll mit Anker- und Mooringliegern. Mitten zwischendrin finden die Ruderregatten statt. Wir bummeln durch die pittoreske Innenstadt, schnödern in den Geschäften und schönen Galerien, bis es Zeit für einen Tee und Imbiss wird. Dann geht der Bummel weiter.  In einem weiträumigen Park lauschen wir einer Coverband namens „Wiskey Falls“.  Alle sind in Sommerlaune – wir auch! Zurück mit Fähre, Zug und Bus genehmigen wir uns abends in Torquay an der Hafenpromenade wieder eine leckere „Schweinerei“, auch wenn der Blick auf die vielen übergewichtigen Menschen uns durchaus zu denken gibt.

Nächstes Highlight: Weymouth

Am Freitag, den 26.8. klingelt der Wecker um 5 Uhr, weil das Portland Bill mit seinen Races zur rechten Tidenzeit passiert werden will. Nachdem der Morgen noch frisch war, können wir bald schon in kurzer Hose die Segel setzen und mit leichtem Nordwestwind das Portland Bill in der inneren Passage (nur rund 500 m von der Felsenspitze entfernt) passieren. Weiter draußen sind die Wellen erkennbar wilder. Wir biegen um die Ecke und segeln am ehemaligen Militär- und Olympiahafen Portland vorbei. „Hafen“ ist übrigens leicht untertrieben für die ca. 5 sm weite, mit Molen eingefasste Bucht. Wir bevorzugen denn lieber den klassischen Ort und Hafen Weymouth und kommen im kanalförmigen Hafen längsseits an einer Jeanneau fest - auch hier namenhafte Segelclubs, Sommerflair und schicke Pubs.

Da es erst früher Nachmittag ist, machen wir uns mit Badehandtuch und Strandmatte auf zum riesig langen Strand. Dieser ist äußerst gut besucht und mitten im Trubel gibt es ein traditionelles Puppentheater „ Mr. Punch und Judy“, dem wir einige Zeit zuschauen. Herrlich! Mitten im Trubel finden wir ein Stück Sand und Manfred schafft es aufgrund der frühen Uhrzeit heute Morgen, ohne Probleme seinen Mittagsschlaf zu halten. Ich betreibe eine meiner Lieblingsbeschäftigungen: beobachten!

Anschließend geht der Weg zurück mit einem kurzen Zwischenstopp an einem der hafenseitigen Pubs, wo wir uns wie viele anderen einen Sundowner gönnen. Schnell ist man hier im Gespräch und wenn jemand mitbekommt, dass wir aus Deutschland sind, ist man auch schon mittendrin in der Brexit- und Flüchtlingsdiskussion. Es bleibt spannend, nicht nur für die Engländer…

Weymouth ist so schön, dass wir auch am Samstag hier bleiben wollen. Manfred baut die Kraftstoff-Förderpumpe aus, weil wir immer noch Luftblasen in den Vorfiltern haben. Sie wird inspiziert und sorgfältig wieder zusammengebaut in der Hoffnung, dass wir das belastende Luftproblem endlich gelöst bekommen (sollte leider nicht ganz der Fall sein, wie nachfolgende morgendliche Kontrollen erweisen).  Ebenso nutzen wir die neue Position als Innenlieger, um unser Deck mal wieder sauber zu machen. Das hätten wir uns jedoch schenken können, da am Nachmittag 3 Yachten als Päckchenlieger bei uns festmachen und alle natürlich über unser Deck laufen müssen.

Nun denn, mittlerweile ist der kleine Regenschauer mittags durch, wir holen die Klappräder raus und wollen zum Olympiahafen radeln. Es soll eine schöne Strecke auf einer stillgelegten Eisenbahntrasse geben. Nach einigem Suchen und diversen unnötigen Hügeln finden wir sogar den „Einstieg“ und die Strecke ist wirklich schön. Die jetzige Marina Portland erweist sich als absolut modern. Wie haben jedoch den Eindruck, dass hier, wie auch bei anderen ambitionierten Projekten, eine künstliche Welt geschaffen wurde, die nicht recht Anklang findet. Zwar finden in der riesigen „Bucht“ noch diverse Jollenklassen ein hervorragendes Trainings- und Regattarevier vor, landschaftlich ist es aber recht eintönig. So freuen wir uns, abends zurück in Weymouth in einem gehobenen italienischen Restaurant („Did you booked? No? Okay, then you will have to wait for half an hour til you will be seated”) unsere Fahrradkalorienverluste wieder ausgleichen zu können.

Fahrradpause im Ex-Olympiahafen Portland
Fahrradpause im Ex-Olympiahafen Portland

Der Solent ruft

Am Sonntag, den 28.8. herrscht graues windiges Wetter. Wir wollen trotzdem weiter und erfahren so nebenbei, dass immer am letzten Montag im August „Bankers holiday“ zelebriert wird. An diesem Tag nehmen sich nicht nur die Banker sondern einfach mal so alle frei. Party allendhalben und wir?

Wir können nicht nach Cowes, Yarmouth, Poole oder Lymington. Alles voll. Sämtliche Telefonate mit den Hafenmeistern wurden negativ beschieden. Trotzdem legen wir nach einiger Verzögerung (einer der Päckchenlieger war extern Frühstücken und nicht zu vereinbarten Uhrzeit zurück) ab, rollen nur den Yankee aus und lassen uns von 5-6 Windstärken aus Südwest zum nächsten seglerischen Highlight ziehen: St Albans Head. Auch hier gilt es, mit der Tide (und möglichst mit Wind aus derselben Richtung) anzukommen.

 

Da mit uns viele englische Yachten dasselbe Ziel haben, können wir uns zumindest darauf verlassen, dass auch hier die Lösung in der landnahen Passage liegt. Heute empfangen wir etliche PAN PAN und Mayday Rufe von Yachten, deren Motor ausgeht, keinen Diesel mehr haben usw. Alle sind jedoch nicht in Schlagdistanz, um sich von Auriga retten zu lassen. Somit kommen wir ohne Probleme in der Studland Bay (Teil der Poole Bay) an und lassen unseren Anker auf nur 3 m Wasser fallen. Diese Bucht ist heute die einzige Möglichkeit, geschützt außerhalb eines Hafens den immer noch kräftig wehenden Südwestwind zu „ertragen“. Und wir sind angenehm überrascht von dieser (ebenfalls gut besuchten) Ankerbucht. Ein toller Rundumblick zeigt uns erste Kreidefelsen und den Blick auf Poole. Übrigens: auch am heutigen, windig-kühlen Tag vergnügen sich viele Engländer am schmalen Sandstrand dieser Bucht – unglaublich!

Wir können diesen Break ganz gut gebrauchen, in dem wir uns nur auf das Bordleben für den heutigen Abend konzentrieren. Manfred bäckt ein leckeres Brot und abends werden die letzten Folgen von „House of Cards“ angeschaut (ich muss unbedingt die weiteren Folgen sehen!).

Bankers Holiday glatt ausgesessen... Cowes hat wieder Platz für uns!

Na, was mag das wohl sein? (Preisfrage!)
Na, was mag das wohl sein? (Preisfrage!)

Am „Bankers Holiday“, Montag den 29.8. scheint wieder die Sonne und der Spätsommer ist zurück. Wir rudern mit unserer „Daisy“ zum Strand, gehen etwas im Hinterland spazieren und legen uns dann ebenfalls für eine Stunde in die Sonne. Mittags soll es weitergehen: endlich nach Cowes. Da auch der Needles Channel mit einlaufender Flut besegelt werden sollte, heben wir erst mittags gegen 13 Uhr den Anker aus dem Sand. Auch der am Vormittag gänzlich eingeschlafene Wind regt sich wieder und es geht sprichwörtlich mit Rauschewelle über die Poole Bay zum Needles Channel. Wir halsen rechtzeitig rein und mit Vorwindkurs segeln wir an den Shingles und diversen Kardinaltonnen in das schmale Fahrwasser rein. Gut, dass Manni hier schon gesegelt ist und sich auskennt. Ich war doch etwas bange, ob wir alles richtig machen.

Mit der Abendsonne kommen wir im Solent an – zum Glück mussten wir kaum einer der vielen Yachten ausweichen, da diese ebenfalls wie wir ostwärts (nach Hause?) strebten. Um halb sechs binden wir dann unsere Auriga in der Cowes Marina an. Jeap, das ist schon ein tolle Gefühl, die lange bestehenden Segelziele endlich live zu erleben. Der erste Gang (nach dem Hafenmeisterbüro und zur Waschmaschine *haha*) in die nahegelegene Innenstadt bringt meine Augen zum Leuchten: sämtliche Marken, die für den Segelsport relevant sind, haben hier ihre Verkaufsräume. Und das Beste: es ist SOMMERSCHLUSSVERKAUF! Morgen wird die Kreditkarte glühen, so viel steht fest.

 

Zudem gilt es, für Manfred die seit Jahren angestrebte rote Cowes-Hose zu erwerben, auch wenn er jetzt von seiner langjährigen Schwärmerei nichts mehr wissen will. Er wird zwangs-beshopped sozusagen (neue Wortfindung meinerseits).

Ich erspare jetzt allen männlichen Lesern die Details unseres Shopping-Vormittages. Nur so viel: er war erfolgreich, einschließlich der roten Hose:- )

Isle of Wight und der River Medina

Der Nachmittag will bei dem Sonnenschein aber auch noch genutzt werden. Wir bringen unsere Einkäufe an Bord und holen die Fahrräder raus. Es geht am rechtseitigen Ufer des River Medina entlang nach Newport. Da wir gerade bei Niedrigwasser unterwegs sind, meinen wir streckenweise, in der Haseldorfer Nebenelbe unterwegs zu sein. In Newport kommen wir nach einer knappen Stunde an. Viele kleine Stege und Werftbetriebe sind hier angesiedelt.  Ebenso Schiffe, die mindestens verlassen, wenn nicht sogar aufgegeben sind. Der alte Hafen hat einen nostalgisch morbiden Charme. Manfred ist ganz fasziniert und lässt seine Phantasie spielen, was man aus dem einen oder anderen Schiff wieder machen könnte. Ich sag‘ dazu einfach mal nix außer „vergiss‘ es!“ Im sanften Lichte der Spätsommersonne sieht es hier recht romantisch aus.

 

Der linksseitige vorgesehene Uferweg  für Fußgänger und Fahrradfahrer auf unserem Heimweg lässt sich zunächst passabel an, bis wir in der künstlich gebauten Island Harbour Marina ankommen. Hier verlassen uns die guten Fahrradgeister: wir müssen ein Stück lang an der vielbefahrenen Hauptstraße nach East Cowes fahren. Steile Hügel, Null Platz an der linken Fahrbahnseite und ein Auto nach dem nächsten. Wir können von Glück sagen, dass wir das überlebt haben! Apropos Linksverkehr. Oft genug erinnern wir uns gegenseitig daran, dass wir auf der linken Fahrbahn gehen / fahren müssen. Es geht auch linksherum in jeden Kreisel rein. Etwas Übung kommt mit der Zeit, aber es fällt uns enorm schwer. Wie gut, dass wir uns bislang kein Auto gemietet haben, denke ich in den letzten Tagen oft. Mit der Kettenzugfähre geht es letztendlich zurück über den Fluss auf „unsere“ Seite.

Mittwoch den 31.8. nutzen wir das gute Liniennetz der Busse auf der Isle of Wight. Zunächst fahren wir nach Ryde. Ein alter Badeort mit schöner Häuserfassade und der ersten längeren Pier, für die Englands Badeorte berühmt geworden sind. Diese sieht jedoch recht baufällig aus und wir laufen nur wenige Schritte auf ihr hinaus. Spannender ist da schon die Landestelle für die Hovercraft-Fähren, die den Fährdienst nach Portsmouth absolvieren. Diese Technik aus den 60iger Jahren ist nach wie vor beeindruckend…und laut.

 

Weiter geht unsere kurvenreiche Busfahrt im Oberdeck ganz vorne sitzend  durch alleenartige Straßen („klumpergrrrzhh“  Äste, die an mein Dach klopfen) nach Bembridge und Sandown. Hier steigen wir aus und laufen die Uferpromenade ca. 4 km zum nächsten Badeort Shanklin. Die dringend benötigte Erfrischung finden wir oben auf der Steilküste in dem Hotel Cliff Hall mit einem großartigem Ausblick. Hmh, lecker ist das half Pint Ale. Zurück geht es über Ventnor und das Inselinnere. Diese „Rundfahrt“ hat uns begeistert und wieder einmal tolle Eindrücke von Land und Leuten geben können.

Brighton & Beachy Head

Abschied vom Solent: wir wurden nicht unter Beschuss genommen!
Abschied vom Solent: wir wurden nicht unter Beschuss genommen!

Weiter geht unsere Segel!-Reise nach Brighton. Die Donnerstags-Sonne am  1. September  weckt uns um 6.30 Uhr.  Mit Wehmut im Herzen legen wir ab. Vorbei geht es mit Motorkraft an den berühmten Forts „No Mans Land“ und „Horse Sand Fort“, die früher den Solent verteidigt haben. Es bleibt bis 15 Uhr sonnig und bis Mittag auch schwachwindig. Dann kommt die Seaside und die lange Pier von Brighton in Sicht. Der Hafen besticht durch gewaltig hohe und dicke Molen. Die Marina selbst ist umzingelt von hohen Häusern, Appartement-Blöcken und gigantisch großen Restaurants. Wir trullern wieder mit den Fahrrädern los Richtung Pier. Ich stehe staunend davor und wundere mich zum wiederholten Male über den Vergnügungsgeschmack des englischen Volkes. Auf der Pier, die auf vielen rostigen eisernen Streben steht, sind nicht nur ganze Spielhallen, sondern Achterbahnen, Geisterbahnen, Autoscooter und weitere „Karussells“ der modernen Neuzeit aufgebaut. Unser Blick wandert schon das eine oder andere Mal zwischen die Spalten der Holzdielen, um die rostige Trägerkonstruktion abzuschätzen. Aber vielleicht ist das gar keine so gute Idee, wenn man sich einfach nur amüsieren will.

 

Wir radeln weiter in die Innenstadt. Die nächste Attraktion (außer dem Linksverkehr!) ist der Royal Pavillon im Stile eines – man mag es glauben oder nicht – indischen Palastes siehe auch wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Pavilionusg=AFQjCNEwWhoZtdoLKVS8NSGNldZmMCuRKw.

Wir sind jedoch nicht mehr ganz frisch und müssen uns dringend ein wenig stärken. Ein nettes mexikanisches Restaurant bietet zig Variationen Enchiladas, Tortillas, Burritos etc. an – wir testen einige Kleinigkeiten und können uns somit gestärkt wieder in den Linksverkehr zurück zur Marina stürzen.  Mein Fazit: Brighton muss man mal gesehen haben, wer Zeit hat, kann bestimmt viele interessante Bauwerke und Museen aus der royalen Bäderzeit besichtigen, aber uns sieht Brighton wohl nicht so schnell wieder.

 

Immer zum Wochenende wird auch hier in England das Wetter bähbähbäh. Ab Samstag Nachmittag bis einschließlich Sonntag ist Starkwind angesagt. Heute Morgen pfeift es auch schon in den Wanten, Auriga wackelt in den Böen. Aufgrund der hohen Mole fällt es schwer, die wahre Windstärke einzuschätzen. Wir wollen auf jeden Fall weiter nach Eastbourne, der für uns ein potentieller Absprunghafen über den Kanal zurück an das europäische Festland sein kann (oh, der musste sein). Je nach Wetterbericht für Samstag queren wir den Kanal aber von Dover – mal schauen. Um  9.30 Uhr geht heute es raus. Nach den Molenköpfen empfängt uns eine kabbelige See, die erst nach einer halben Stunde erträglich wird. 5 Windstärken treiben uns weiter zum Beachy Head. Das ist doch mal eine Landspitze, die sich toll fotografieren lässt! Wenig später sind wir auch schon in der Schleuse und dann im Binnenhafen von Eastbourne. Ganze 17 sm haben wir heute geschafft. Diese Marina ist ebenfalls von modernen Appartement-Häusern (nur 3-4 stöckig immerhin) umgeben, liegt dafür rund 4 km außerhalb vom Ort selbst. Da es nun zu regnen anfängt, wird auch die Restneugier erstickt. Besser ist es, die hiesige Laundry in Anspruch zu nehmen. Dank des tollen Trockners verläuft dieser Waschnachmittag erfolgreich.

Beachy Head

Absprunghafen Dover

Die Wettervorhersage hat sich seit gestern nicht verändert.  Daher verlassen wir Eastbourne früh am Samstag Morgen durch die halbstündlich öffnende Schleuse. Bis 12 Uhr ist nix los auf dem Parcours. Wir motoren im Sonnenschein bis zur Ecke Dungeness (schon wieder Overfalls in der Seekarte eingetragen), wo wir dann so langsam 2,4 und bis zu 5 Windstärken bekommen. Leider alles direkt von hinten, bis Dover sind es nur noch 18 sm, da lohnt sich das Ausbaumen des Yankees nicht. Ich bin mal wieder Bangbüx und bestehe darauf, weiterhin mit Motorunterstützung zu fahren. So sind wir mit weiter zunehmendem Wind rechtzeitig um 14 Uhr in der Granville Marina in Dover. Die westliche und weiträumige Hafeneinfahrt ist sehr heftig. Gut, dass wir einiges von Cuxhaven gewohnt sind. 3 Knoten Strom machen heftigen Seegang hier – ich sichere unser im Cockpit nach innen liegendes Steuerbordfenster schnell mal mit der Fussmatte ab, falls sich eine Welle an Bord traut (traut sich aber keine!).

 

Dover ist gar nicht so hässlich, wie man meinen möchte. Wir laufen an der recht schönen Seepromenade entlang und dann in die Innenstadt. Zugegeben, das Publikum hier ist ein anderes als in Weymouth oder Cowes, aber das ist nicht verwunderlich. Frisch mit Lebensmitteln versorgt machen wir abends ein leckeres und üppiges Abendessen. Jetzt kann es gerne wehen und pladdern, wir sind satt und zufrieden unter Deck!

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