Landfall auf St. Marys / Islands of Scilly

Mooringfeld vor St. Marys (Auriga ist nicht zu sehen)
Mooringfeld vor St. Marys (Auriga ist nicht zu sehen)

 

13.8.  – 16.8.2016: Islands of Scillys: St. Marys

Diese kleine Insel ist perfekt für den Landfall nach 10 Tagen – es gibt inseleigenes Obst und Gemüse, von dem wir uns gleich mal für 12 englische Pfund in einem “Farmers Deli” eindecken. Zudem locken viele kleine Geschäfte und Souvenirläden in "Hugh Town“ zum ausgiebigen Bummeln. Auch die Landschaft ist abwechslungsreich und geschichtsträchtig. kurzum: wir sind im Paradies!

Abends genießen wir einen Sundowner am Strand von Port Cressa und hauen uns anschließend den Bauch voll mit fetten Pommes, Steak und Salat, bis wir müde zum Dinghi-Dock (eine schwankende Plattform, an dem alle Mooring-Lieger ihr Beiboot parken) wanken. 

Den Sonntagmorgen verbringen wir ganz fleißig mit Bootspflege. Die wichtigste Aufgabe hat Manni jedoch, in dem er den Topwirbel aus der Rollanlage nach unten holt. Unsere Schadensvermutung war richtig, der u-förmige Bügel ist gebrochen und aufgebogen. Vielleicht finden wir ja hier in St. Marys einen Schweißer, der uns dieses Teil kurzfristig reparieren kann? 

Nachdem wir am Vormittag fleißig waren, kommt jetzt das Vergnügen. Wir fahren Slalom zwischen allen anderen Schiffen zum Dock und parken unsere Daisy dort. In Shorts und T-Shirt erkunden wir die alte Festung („Garrision“) in der mittlerweile ein richtig schönes, altes, englisches Hotel seine Gäste verwöhnt. Dann folgen wir dem Fußpfad rund um die Südwestecke entlang der alten Verteidigungsmauern mit etlichen Geschützstellungen (ist es typisch englischer Humor, wenn eine dieser Kanonenstellungen „Morning Glory“ heißt?!).  Am späten Nachmittag springen wir am Strand von Port Cressa noch mal in die Atlantikfluten, die hier doch um einiges kälter als auf den Azoren sind – wen wundert‘s. 

Am Montag, den 15.8. telefonieren wir mit einem örtlichen Schweißer, der sogar heute noch! unser Teil schweißen würde. Also nix wie hin. Die Wartezeit verbringen wir mit, na ratet mal – genau: shoppen. Heute hat Manfred mehr „Glück“ als ich und es steht ihm ausgezeichnet.

Zurück zum Schweißer und um 30 Pfund leichter, nehmen wir das überaus kostbare Teil mit an Bord, wo Manfred es gleich wieder anbaut. Das Großsegel können wir nicht setzen, da zu viel Wind aufgekommen ist. Weil auch alle anderen Segler aus demselben Grund von den vielfältigen Ankerplätzen in die Bucht von St. Marys kommen, werden die Mooring-Tonnen knapp. Wir bekommen eine große Hallberg-Rassy als Mooringpartner. Die Schiffe werden wie auch an Land üblich gut miteinander vertäut und abgefendert. Die Brigantia-Crew, eine Segelgemeinschaft vom Bodensee, die dieses Schiff betreibt, lädt uns zum Dank zum Essen bei ihnen an Bord ein. Es wird ein netter Abend.

 

Auch am Dienstag weht es weiterhin mit guten 5 Windstärken aus Osten, somit ist unsere Bucht ohne Schwell und perfekt. Morgen sagt der Wetterbericht grauen Himmel und wenig Wind als Vorbote eines kleineren Tiefs voraus und wir planen, die 65 sm nach Falmouth in Angriff zu nehmen. Zum Wochenende hat sich ein ausgewachsenes Sturmtief angekündigt, welches wir denn doch lieber in einem geschützten Hafen „abwettern“ wollen. Zunächst aber genießen wir das herrlich sonnige Wetter und wandern die Nordwestküste entlang. In „Juliets Garden“ gibt es das weltbeste Eis. Und wenig später bestaunen wir eine ausgegrabene Siedlung aus der Eisenzeit: Halangy. Die Hausumrisse und Vorratskammern aus Feldsteinen sind immer noch gut erkennbar und ich bewundere einmal mehr, vor wie langer Zeit die Menschen schon in diesem durchaus rauen Klima ihre Nahrung hier  mühsam dem Meer oder dem Boden abgerungen haben. 

Aber zurück in die Gegenwart:  Wir wandern weiter durch das Inselinnere. Hübsche Straßenschilder weisen uns den Weg zu einer etwas verwilderten Gartenanlage „Garregh Dhu Garden“. Danach kommen wir in einer kleinen Galerie & Potterie mit dem älteren Besitzer und Künstler ins Gespräch. Als er erfährt, dass wir hier mit unserem Schiff sind, bekomme ich sogar ein kleines Bildchen geschenkt, was natürlich zur Folge hat, dass wir ein kleines Porzellandöschen nun unser eigen nennen… 

Der alte Ort, passenderweise „Old Town“ genannt, befindet sich auf der Ostseite von St. Marys. Auch hier gibt es eine kleine, flache Bucht für Fischerboote. Es ist ein sehr entspannter Ort. Überhaupt sind alle Scillonians hier auf St. Marys überaus freundlich und zuvorkommend. Es wird gegrüßt und ungefragt bei der Orientierung geholfen. Wir fühlen uns hier ausgesprochen wohl. 

Ach, und selbstverständlich probieren wir die frisch zubereiteten Pasties (Teigtasche mit Fleisch, Käse und/oder Gemüse gefüllt) und sind abends im Mermaid Inn, eine richtig schöne Kneipe, wo man auch mal mit anderen Mooring-Nachbarn ins Gespräch kommt. 

Auffällig für mich sind etliche Mädchen.  Viele sind „gut im Futter“, tragen aber hautenge Jeans, Shorts, Kleidchen und zeigen viel von ihrer Haut. Ich beglückwünsche sie insgeheim zu ihrem Selbstbewusstsein.  Selbstverständlich gibt es auch hier etliche sehr hübsche Frauen und Männer, aber dieser besondere Kleidungsstil  muss doch mal erwähnt werden. Und das Vorurteil, dass Engländer die Sonne nicht so gut vertragen, kann ich hier auch bestätigen – viele laufen doch arg rothäutig am Hafen lang zu den Ausflugsbooten, die die anderen Inseln der Scilly‘s aufsuchen. Wir sparen uns den Besuch dieser Inseln und weiterer Ankerplätze auf – denn eines ist sicher: wir kommen wieder!

Kein Azoren und trotzdem mediteran: St. Marys
Kein Azoren und trotzdem mediteran: St. Marys