1250 sm von Horta nach St. Marys / Scilly Islands

 3.8. – 13.8.2016 Atlantik

Am Mittwoch, den 4.8. um 10 Uhr legen wir ab. Auch die Heik’s mit der Flying Fish starten an diesem Tag, aber von einem anderen Hafen die Überfahrt. Wir werden uns per Mail über Iridium bzw. Pactor-Modem unterwegs verständigen.

 

Wir segeln mit Backstagbrise an Sao Jorge (müssen wir irgendwann noch mal besuchen) und Graciosa vorbei, das Ganze bei herrlichem Sonnenschein mit Kurs 35° gen Nordosten. Zwischen diesen Inseln und noch lange danach haben wir eine unruhige Welle, aber dafür machen wir gute Fahrt. Der Wind pendelt zwischen 3 – 5 Beaufort. So geht es eigentlich die nächsten 2 Tage weiter und spült uns mit Etmalen von 142 sm und 120 sm recht schnell nach vorn. Die Heik’s haben nicht ganz so viel Glück mit dem Wind – sie befinden sich ca. 50 sm weiter südöstlich von uns und somit auch von dem Tief, welches uns am Rand diesen Wind bietet. 

Am Freitag, den 5.8. geschieht das, wovon ich schon die ganze Zeit träume: ein Pottwal besucht uns! Circa 30 m an Backbord bläst er aus, lässt sich nach wenigen Minuten zurückfallen und „biegt“ nach Osten ab. Gänsehaut pur war das!

Die nächsten Tage haben wir weiterhin Südwest-Wind, der jedoch so langsam einschläft. So müssen wir 2 Tage motoren, um Strecke zu machen. Unser Iveco hat viele PS aber auch den Nachteil, recht laut zu sein. Das ist auf die Dauer nervig, vor allem, wenn man tief schlafen möchte. Wir machen ca. alle 4-5 Stunden Wachwechsel. Manfred kann wie immer gut schlafen, ich bin in der Disziplin „Schlafen auf See“ zwar besser geworden, komme jedoch nicht so ganz auf meine „Schlafkosten“.  Nacht bekommen wir immer wieder Nachricht, wie es der Flying Fish ergeht. Die sind leider nicht so gut vorwärts gekommen wie wir. Wir drücken ihnen jedoch immer wieder die Daumen, dass ihr Mr. Perkins keine Zicken mehr macht.

 

Montagnacht um 2.30 Uhr werde ich von Manfred mit den Worten geweckt: „Du musst mir helfen, das Großfall ist gebrochen. Wir müssen die Segellatten rausziehen und das Großsegel bergen“. Ausnahmsweise hatte ich tief geschlafen,  der Schock über diese Nachricht war umso tiefer. Schnell angezogen, Rettungsweste an und dann Manfred helfen, die Segellatten aus dem sich aufstauchenden Segel zu ziehen. Zum Glück hat Manfred das Großsegel ausgerollt, als wir noch keinen Wind haben. Trotzdem ist es ein beängstigendes Gefühl,  500 Meilen von jeglicher Küste entfernt mitten in der stockfinsteren Nacht bei Decksbeleuchtung ein 46m² Segel inkl. Latten zu zweit zu bergen. Dabei muss man wissen, dass wir das Großsegel in den Mast einrollen und die Segellatten demnach senkrecht angebracht sind. Also alles nicht so einfach wie bei einem konventionellem Großsegel.

Nach anderthalb Stunden war es aber geschafft und: das Großsegel musste wieder gesetzt werden. Wir haben die Dirk als Großfall genutzt. Unser Dieselvorrat reicht noch nicht aus, um nach England zu motoren und viel Wind sollten wir laut den GRIB-files nicht bekommen, zudem mehr oder weniger von vorn. Wir sind also auf die 46 m² Segelfläche hinter dem Mast angewiesen. Damit haben wir ein digitales Großsegel. 0 = es ist ganz unten, 1 = es ist 100% gesetzt. Einrollen / Reffen is‘ nicht! Wie wir bald vermuten und wie es sich später auch herausstellt, ist jedoch nicht das Großfall selbst gebrochen, sondern am unteren Teil der Wirbelanlage oben innerhalb des Mastes war ein Bügel abgebrochen. So nach und nach kamen wir auch auf die mögliche Ursache: früher hatte Auriga ein Dacron Segel ohne Latten, nun ist das Großsegel jedoch durchgelattet, etwas mehr ausgestellt und aus Laminat. Da wirken natürlich ganz andere Kräfte auf die festen Punkte, an denen das Segel angeschlagen ist, insbesondere, wenn es im Seegang flappt. Wir hoffen, dass das gebrochene Teil in England zu schweißen ist, so dass wir das Groß wieder normal nutzen können. Es sind ab England auch immerhin noch rund 800 sm bis Glückstadt!

Mit dem gesetzten Groß sind wir bis Donnerstagabend, 11.8. , weiter gekommen. Eine Kaltfront erwischte uns noch, brachte glücklicherweise nur 4-5 Windstärken. So konnten wir mit dem voll gesetztem Groß recht gut durchsegeln.

 

Ich war allerdings mit den Nerven ziemlich fertig und habe mir alle möglichen Szenarien ausgedacht. Manfred ist zum Glück aufgrund seiner Erfahrungen gelassener und konnte mich immer wieder beruhigen. Die Nachtwachen alleine im Cockpit waren für mich das schlimmste, aber sobald dann tagsüber die Sonne schien, war die Welt auch wieder in Ordnung.

Von Donnerstagnacht bis Samstagmittag, den 13.8. haben wir noch ein Geschenk von Rasmus bekommen. Nunmehr mit einem gut östlichen Kurs von ca. 80° bekamen wir 4-5 Windstärken aus Südwest. Mit ausgebaumtem Yankee und außen geschoteter Fock machen wir um die 6 kn Fahrt Richtung Islands of Scilly. Zum Glück hatten wir vorher schon das Großsegel in aller Ruhe geborgen und am Baum beigebändselt. Auch die Segellatten wurden sicher und gut gegen Verlust gestaut.

 

Samstagmittag ist es dann endlich soweit: Landfall! Wir segeln im Nieselpiesel mit wenig Sicht auf Bishop Rock zu, machen sicherheitshalber auch das Radar mit an und motoren durch das betonnte Fahrwasser zum Hafen von St. Marys. Hier bunkern wir an der Pier erst mal gegen Ein-Pfund-Stücke ordentlich Wasser (bäh, hat einen ekeligen chlorigen Beigeschmack) und verholen uns an eine der vielen Mooring-Tonnen. Dann endlich das Anlegerbier & Tüte Chips. Endlich wieder „Land unter den Füßen“, auch wenn es noch schwankt.

Alternative zum Bimini: Regenschirm!
Alternative zum Bimini: Regenschirm!
Einer der vielen schönen Sonnenuntergänge auf dem Atlantik
Einer der vielen schönen Sonnenuntergänge auf dem Atlantik