Winter unter Schrumpffolie

Im Winter sollen die GEBO Decksluken getauscht, neue Fundamente für die Winschen und Kettenstopper entstehen und dann der Aufbau und das Cockpit neu lackiert werden. Nebenbei natürlich noch die üblichen kleineren Wartungseinheiten...

Dazu wird über dem ganzen Schiff ein Zelt aus Schrumpffolie gebaut, damit wir im Winter fleißig werkeln können, ohne das alles zu feucht wird. Ende Oktober haben wir nach dem Segel abschlagen und Ausräumen unseren tollen Liegeplatz zwischen den Schlengeln gebaut, die sonst im Außenhafen liegen und anschließend das Gerüst für das Zelt aufgestellt, dass dann Anfang Dezember montiert wurde

 

Die neuen Winschenfundamente werden aus Blechronden von 8 bzw. 10mm Dicke geschweißt, der dickwandige Kegelmantel entsteht aus Rohrreduzierungen damit das gleichmäßig wird. Nach Zuschweißen der alten Befestigungslöcher und Anpassen an die Decksschräge und erforderlichen Einlaufwinkel der Schoten werden die Fundamente aufgeschweißt und die Winden mittels Gewindelöchern wie zuvor befestigt. Dazu müssen natürlich die Deckenverkleidungen unter den Winschen ausgeschnitten und die Isolierung entfernt werden, um gefahrlos schweißen zu können.

Eine Freude ist die Reinigung der großen Winschen (Barbarossa 57.2). Wo andere Winschen zwei Sperrklinken haben, sind vier montiert. Alle Zwischenwellen nadelgelagert, in der Alutrommel Edelstahl-Laufflächen eingepresst und der große Zahnkranz aus Bronze. Dazu rund 20 Gewindelöcher, um den Selftailer perfekt einstellen zu können...sowas gibt es heute nicht mehr. Da haben die Kaufleute total gepennt...mag deswegen Barbarossa in Harken aufgegenagen sein?

Eine vergleichbare Prozedur ist für das Fundament des Kettenstoppers vorn erforderlich, nur dass dieser über dem Kettenkasten liegt und damit der aufwendige Aus- und Einbau von Decken und Isolierungen entfällt. Anschließend dann nur noch alles wieder einbauen, das Metall sandstrahlen, beschichten, spachteln und hübsch lackieren. Da die Decken in der Steuerbord-Achterkammer eh raus sind, kann auch endlich eine Deckenlampe nachgerüstet werden und wir brauchen nicht mehr die untergeklebte Batterieleuchte, um schnell etwas aus der Kammer zu holen, die bei uns vornehmlich als Lager für Ölzeug und diverse Ausrüstung dient.

Parallel zur Fertigstellung der Winschenfundamente werden die alten Luken ausgebaut und neue eingepasst. Dazu wird der Holzrahmen darunter etwas tiefer gefräst, um eine 4-5mm breite braune Sikafuge zwischen Holz und Lukenrahmen auszubilden, damit Schwitzwasser keine Chance mehr hat, zwischen Luke und Holz die Stahlkanten zu finden. Alle Fehlstellen werden gesandstrahlt, die Stahlkanten dick mit Epoxidfarbe versiegelt und alles gespachtelt. Rund die Hälfte der Schraubenlöcher der alten Luken passen auch zu der neuen GEBO-Generation, der Rest wird angesenkt und mit Epoxidfarbe und Spachtel verschlossen, später werden für die Befestigung neue Gewindelöcher gebohrt.

Die Pilzlüfter unter den VETUS Lüfterhutzen auf dem Vordeck werden nicht wieder direkt aufs Deck geschraubt, sondern auf Niro-Vorschweißbördeln befestigt, die mit Sikaflex eingeklebt sind. Das spart zum einen Roststellen und zum anderen findet überkommende See schwieriger seinen Weg ins Schiff, da Wasser nicht mehr direkt durch die Ablauflöcher der Lüfterhutzen unten in die Pilzlüfter schießen kann.

Nach Fertigstellung der groben Arbeiten wird das gesamte Deck, Aufbau und Cockpit mit 220er Schleifpapier mattgeschliffen als Vorbereitung zur Lackierung. Auch das Laufdeck wird angeschliffen und wird später einen neuen rutschfesten Lack bekommen, wenn die übrigen Arbeiten an Deck und außen der Wassergraben fertig sind.

Alle Fehlstellen werden nach dem Spachteln noch einmal dick mit Epoxid HB-Coat beschichten und mit PU-Grundierung für die Lackierung vorbereitet, ehe alles komplett mit zwei Lagen PU-Lack lackiert wird.

Nach einem letzten Feinschliff kommt zum Schluss eine Lage PU-Klarlack, damit wird die Lackierung beständiger wird und nimmt deutlich weniger Schmutz an bzw. lässt sich besser sauber halten.

Ein weiteres "Projekt" war ein neuer Regenschutz für die Fenster. Für die größeren GEBO-Fenster gibt es Plexiglasabdeckungen zum aufklipsen, für unsere kleinen Fenster nicht. Wir hatten uns bisher mit kleinen eingeklebten Plexiglasscheiben beholfen, allerdings mit 1. begrenztem Erfolg, 2. verkleinertem Lüftungsquerschnitt und 3. fielen die gern mal ab, weil die Klebung schwierig war.

Also habe ich eine Tiefziehform für jeweils zwei Abdeckungen gebaut und konnte dann gegossene 3mm starke Plexiglasplatten mit Heißluftfön und Staubsauger gefühlvoll in die richtige Form bringen. Anschließend wurde das Ergebnis mittig geteilt und in Form geschnitten. Rückseitig ist die Klebefläche mit Acrylfarbe gemalt, damit das sauber aussieht und das Sikaflex vor UV geschützt ist. Mit tatkräftiger Unterstützung wurden die Fenster wieder montiert und anschließend eine kleine Versiegelung mit grauem Sikaflex als Abschluss zum Aufbau ausgeführt.

Jetzt warten wir auf den ersten Regen im Sommer und wissen dann, ob der Aufwand sich gelohnt hat...

Im Februar zwingt der Frost zu einer kleinen Pause an Deck und ich nutze die Gelegenheit, um mich um "Utes" Bad zu kümmern. Das ursprüngliche Klo hatte der Voreigner zugunsten eine großen Dusche entfernt und beim Refit vor acht Jahren hatten wir zwar die alte direkte Außenbords-Entleerung zuschweißen lassen, aber mangels Zeit das Klo "mal eben" einbauen lassen. Der Sockel war dabei leider viel zu hoch geraten und die gesamte Ausführung eher ein Provisorium.

Nun habe ich alle alten Einbauten wieder entfernt und mich an der ursprünglichen Lösung orientiert. Dazu musste insbesondere der Platz zur Außenhaut hin optimal genutzt werden, also möglichst dicht an Isolierung, Wasser- und Heizungsleitungen und mit dünnerem Material (5mm Schichtstoff) statt beschichtetem Sperrholz gearbeitet werden. Eine Woche lang habe ich mich mit dem Bau von Modellen und dem Zuschneiden von dünnen Schichtstoff zum nachträglichen Bekleben von Sperrholzfundament und teilweise alten Schotten rumgeärgert. Nachdem ich alles mit Sikaflex ein- und aufgeklebt hatte, konnte das Klo mit versetzter Spülpumpe wieder eingebaut werden. Die bereits laminierte Duschwanne wird noch einmal an den Rändern nachlaminiert und etwas Spachtel verbessert das Gefälle. Um die Wanne sauber halten zu können und gleichzeitig rutschfest bei Nässe zu bekommen, werden ca. 3mm hohe Flächen als kleines Muster auf den Fußboden gespachtelt, bevor die Wanne zusammen mit dem Wassergraben an Deck fertig lackiert wird.