Winter 2017 - 2018: Neubeschichtung Wassertank

Wer sein Schiff liebt der schiebt .... den Arbeitszettel nicht so weit weg! Besonders für ein Stahlschiff gilt: permanente Rostkontrollen, ausbessern und versiegeln. "Ein Schiff aus diesem Material rostet von innen nach außen", sagt mein Skipper. Und so wird in jedem Winter eine umfangreiche Bilgenkontrolle durchgeführt. Macht ja auch Sinn, dann kann man endlich mal überall saubermachen *haha*. Bislang gab es immer nur sehr kleine, quasi kosmetische Mängel, die schnell behoben waren. Doch wie sieht es eigentlich in unserem Wassertank aus? Das Schiff ist nun 26 Jahre alt und keiner hat bisher freiwillig die 6 (oder waren es 7) Deckel abgeschraubt und nachgeschaut. Wir hatten im Refit nur eines der 7 Bilgenfächer, geöffnet und gesehen, dass soweit alles in Ordnung war. 

Nun denn, es wurde Zeit. Die Kunst bestand zunächst darin, an die Deckel überhaupt heran zu kommen, da sich der Tank quasi unter dem gesamten Boden im Salon verteilt. Manfred hat zum Glück lange genug darüber nachgedacht und wir mussten keine Sitzgruppe oder etwa den Tisch auseinandernehmen. 

Auf dem ersten Blick war alles recht gut erhalten. Etwas braune Ablagerungen und kleinere Roststellen, die nicht tief waren. Wer sich jedoch die Mühe macht, mit dem Kopf unter die Querstreben der einzelnen Fächer zu schauen (Spiegel hilft!), konnte dann doch einen ziemlichen Rostbefall entdecken.

 

Und somit gab es keine Ausrede mehr: mit Nadelentroster, Dreieckschleifer und Schmirgelpapier rückten wir Bilgenfach für Bilgenfach dem Feind zu Leibe. Puuuh, es war sehr anstrengend. Um in alle Ecken zu kommen, entfalteten wir unsere Yoga-Fähigkeiten. Der anschließende Muskelkater belegte unseren vollen Einsatz. 

ABER wir hatten unerwartete und tatkräftige Hilfe: unsere meistens stinkefaule Crew war aufgrund ihrer Größe prädestiniert für diese verzwickte Arbeit: 

Jungs, wir sind echt stolz auf Euch! Und selbst die See-BG hatte dieses Mal nix zu meckern: die Arbeitsschutz-Vorschriften wurden voll eingehalten. Wir sind natürlich gespannt, ob es sich nur um ein einmaliges Engagement handelte oder ob wir weiterhin mit gelegentlicher tatkräftiger und nicht nur verbaler Unterstützung rechnen dürfen...

Endergebnis Wassertank

Nach dem Schleifen und Reinigen kam dann das Malen. Hier musste der Skipper selber Hand resp. Pinsel anlegen, da wir nur eine richtige Atemmaske haben. Hat doch gut gemacht oder?

Jetzt warten wir noch auf unseren Haus- und Hofschweißer, der eine neue Zulaufleitung aus Edelstahl einschweißen soll. Bislang galt ein ominöser Schlauch als Zuleitung, was natürlich ein ziemliches Risiko war. 

Weitere Arbeiten folgen in diesem Winter: Der Motor bekommt wieder frisches Öl, die Skipperin bekommt einen erhellten Spiegel (LED-Lichtband!), damit sie das Grausen besser sehen kann. 

Ach ja, und nicht zu vergessen die unansehnlichen Stellen direkt unter der Schanz (die bei uns leider noch aus Holz ist), die Manfred bei gutem Wetter auch schon mit Sand bestrahlt und sogleich wieder mit Grundierung gesichert hat. 

Winter 2019 - 2019: Sandstrahlen des Unterwasser-Rumpfes

4 Jahre ist es nun her, dass das Unterwasserschiff gegen Bewuchs behandelt wurde. Seitdem reinigen und kratzen wir unterwegs immer ein bisschen rum und ersetzen die eine oder andere Opferanode.

Aber mit dieser "Rumschlamperei" ist jetzt Schluß: das Unterwasserschiff muss komplett überholt werden.

Nachdem wir uns für die Yachtwerft Glückstadt als kompetenten Partner für das anstehende Sandstrahlen entschieden haben, geht es am 8.11. mit dem 50 Tonnen Lift raus aus dem Wasser.

Wie immer ist das ein spannender Moment! Aber alles läuft (auch wie immer) glatt - die Jungs von der Yachtwerft verstehen ihren Job!

Zur "Belohnung" dürfen sie denn auch mal mit ihrem 500-Bar Druckreiniger mit Dreckfräser spielen: es geht der Seepocken-Metropole an den Kragen.

Gefühlt 100 kg landen fachgerecht entsorgt in der Reinigungsanlage und Abfalltonne. Zusammen mit dem lebenden Biotop fällt unter dem Hochdruckreiniger auch plackenweise die alte Beschichtung ab. Es wird wirklich Zeit für eine Generalüberholung.

 

Nur ein zaghafter Versuch, das U-Schiff manuell zu reinigen
Nur ein zaghafter Versuch, das U-Schiff manuell zu reinigen
Aber nun geht's zur Sache!
Aber nun geht's zur Sache!

Nach gut 2 1/2 Stunden sind sie fertig und wir reinigen mit vereinten Kräften den Platz.

Und dann sind wir dran: das komplette Deck und der Rumpf sind mit blauem Antifouling verdreckt: Großreinemachen, bevor das Zeug antrocknet. Davon gibt es leider keine Bilder, weil wir noch vor dem Dunkelwerden fertig werden wollten.

Am nächsten Tag macht Manfred erste Kratzversuche mit dem elektischen Beitel, den er sich zum Geburtstag gewünscht hatte. Das Ergebnis ist frustrierend...

Wie man gut erkennen kann, hat die Bauwerft Folmers in Holland damals wirklich liebevoll gearbeitet. Der Rumpf wurde unterhalb der Wasserlinie auch ca. 0,5 m tief angespachelt. Darauf befinden sich einige Schichten Primer und wie es Ende der 90iger noch üblich war, gehörte auch eine Schicht Teer (-Epoxid?) darauf. Und das genau ist der Grund, warum wir vor dem Sandstrahlen den Rumpf zumindest auf der gespachtelten Fläche manuell reinigen müssen. Denn mit dem Sandstrahlen geht die bis zu 5mm dicke Spachtelmasse kaum ab.

Somit wissen wir, was wir die nächsten (Adents-) Wochenenden machen ;-) Weitere anstehende Arbeiten ergänzen diese kräfteraubende Arbeit: Echolotgeber versetzen (altes Loch zu schweißen, neues Loch weiter vorn Steuerbord reinbohren), Wellenlager tauschen und noch einiges an Kleinkram mehr).

Das Ergebnis von 3 Tagen ... uff
Das Ergebnis von 3 Tagen ... uff

Dafür funktioniert das Abziehen des Propellers, um das Lager zu erneuern, mit der extra gebauten Abziehvorrichtung ganz hervorragend!

Es macht laut "Knack" und ab ist der Propellerkern vom Drehflügelpropeller.

Mit dem Heißluftfön erwärmen wir anschließend das Lagergehäuse und Manni kann es mit liebevoll ausgeführten Hammerschlägen lösen: hurra!

Gleiches geschieht mit dem Bugstrahlpropeller. Auch hierfür hatte Manfred bei JIM Anlagen- und Maschinenbau aus Elmshorn genau passende Stahlplatten anfertigen lassen. Den Laden lieben wir mittlerweile, auch, weil sie uns diverse nicht mehr käufliche (Ersatz-) Teile bauen können. Die Arbeiten sind immer sehr präzise ausgeführt und die Preise sind fair kalkuliert.

 

Die Erkenntnis des ersten Arbeitswochenendes: nur mit dem kleinen süßen Stechbeitel wird das nix. Teilweise ist der Spachtel 5mm dick drauf und ist natürlich äußerst hartnäckig. Daher haben wir uns einen Bohrhammer mit passenden Meißeln angeschafft und zumindest Manfred kann die besonders dicken Lagen damit runtermeißeln. Gehörschutz, Brille und zum Teil auch die Staubmaske gehören selbstverständlich zur Arbeitsausstattung. Selbst Manfred spart sich seine früher üblichen Widerreden und setzt klaglos die Micky-Mäuse und die schicke Brille auf.

Ich kann den Bohrhammer gar nicht halten und darf mit dem kleinen Gerät ein wenig unterstützen.

So hoffen wir, dass uns das Wetter noch bis Weihnachten wohlgesonnen bleibt und wir diese dämliche Arbeit bis zu den Feiertagen abschließen können. Zwischenzeitlich will die Werft ein passendes Wetterfenster abwarten und einen ersten Strahlversuch unternehmen. Wichtig dabei ist, dass unmittelbar nach dem Strahlen die erste Primerschicht wieder aufgetragen wird - Stahl rostet schon beim Angucken! Wir sind gespannt...