Endlich ist es soweit: unser 3wöchiger Jahresurlaub steht an. Neugierig steckten wir mit Auriga Kurs Nord. Sie durfte zum ersten Mal in der Segelanlage des Amrumer Yachtclubs festmachen und sie fühlte sich gleich wohl!

 

der Kneipenhimmel der Blauen Maus
der Kneipenhimmel der Blauen Maus

Selbstverständlich stand ein Besuch in der der "Blauen Maus" gar nicht erst zu Debatte! In dieser genialen Kneipe gibt es die erstaunlichste Wiskey-Sammlung, immer nette gesprächige Gäste und einen Gastraum, der von der Sammelwut ungewöhnlicher Dinge des Wirtes und seiner Gäste zeugt. Mit dem Wirt der Blauen Maus lässt sich auch immer sehr nett und interessant plauschen, wenn nicht zu viel los ist. Wir freuen uns jedes Mal schon Stunden vor der Ankunft auf diese einmalige Lokalität.

Früh am nächsten Morgen verlassen wir Amrum, setzen die Segel und genießen die Nordsee im Sonnenschein und halben Wind aus Ost... es sollte die ganze Woche lang aus der Richtung wehen. Wie sagt der Seemann: "Schauen wir mal!"

Der Danebrog wird gesetzt
Der Danebrog wird gesetzt

Wir schippern am nächsten Tag bei herrlichstem Wetter und Ostwind nach Fanö. Gegen 20.30 Uhr kommen wir in das Fahrwasser rein und bestaunen einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Auf Fanö kommen wir mit Auriga längseits zur Pier fest. Der Yachthafen weiter südlich gelegen ist definitiv zu flach und auch zu klein.

Am nächsten Morgen wieder herrlicher Sonnenschein. Beim Blick aus dem "Badezimmerfenster" bleibt mir die Zahnpasta im Mund kleben: 7 Seehunde in ca. 30 m Entfernung lassen sich in der Morgensonne das Fell trocknen. Whauw.... wie toll ist das denn! Kein 5* Hotel kann solche Ausblicke bieten!

 

Unsere Nachbarn auf Fanö!
Unsere Nachbarn auf Fanö!
Weiter Himmel und Strand: Fanööööööööö
Weiter Himmel und Strand: Fanööööööööö

Fanö ist eine echte Offenbarung: Wir radeln in den Süden der Insel und bewundern die alten und liebevoll restaurierten Fischerhäuschen. Mit Rückenwind geht es auf dem festen Sandstrand zurück. Das kann man getrost Urlaub nennen.

 

Irgendwann sind werden wir diese Nordseeinsel auf jeden Fall wieder besuchen.

Aber wir müssen weiter: je nach Wetterlage möchten wir hoch nach Südnorwegen oder zumindest rund Skagen. Schauen wir mal, was Rasmus und Neptun für uns so vorgesehen haben.

Wieder geht es auf die Nordsee ... Horns Rev bleibt dieses mal Backbord und wir erinnern uns mit Freude an unsere Segeltour 2010, wo diese Punkt auf der Seekarte für uns eine besondere Bedeutung bekam!

Abends kommen wir in Hvide Sande an und machen direkt im Fischereihafen fest. Uns empfängt echtes Nordseefeeling mit Möwen, toten Krebsen und emsigen Fischtrawlern. Abends können wir zusammen mit einer noch größeren Yacht unsere Wasserschläuche zusammenstecken und Wasser bunkern.

Hvide Sande selbst ist ein altbekannter Surfer-Hotspot am Ringköbing Fjord und wir nutzen die letzten Minuten Öffnungszeit zum kleinen Einkaufsbummel.

Auch am darauffolgenden Morgen weht der Ostwind  wieder - perfekt für unsere Reise gen Norden. Wir nennen es ab nun "Auriga-Reisen". Der Autopilot steuert, wir liegen oder lümmeln irgendwo an Bord rum. Alle halbe Stunde geht der Blick rundum: nee, immer noch kein anderes Schiff in Sicht. O-Ton Manni: "Der Fischer ist heute schon durch"!

Im Vergleich zur Ostsee ist das Navigieren und Segeln auf der Nordsee bei Ostwind ein fantastisches Vergnügen und sehr enspannend. Die Nordseeküste Dänemarks bietet wenig optische Abwechslung - dafür bekommt man Sehnsucht nach Westen eingeimpft - zumindest solange diese ausgesprochen freundliche Sommerostwindlage besteht....

Und schon am frühen Nachmittag laufen wir in Thyboron ein. Schnell wird die Badehose ausgepackt und wir erfrischen die rund 17° kalte Nordsee .... oder war es umgekehrt? Na egal, wir sind endgültig im Urlaubsmodus angekommen.

 

Abends wird Manfred jedoch noch in Mast gewinscht, weil der Topwirbel der Genua nach Ölung schreit.

Noch weiß er nicht, dass es in Hirtshals keinen Hot Dog für ihn gibt!
Noch weiß er nicht, dass es in Hirtshals keinen Hot Dog für ihn gibt!

Früh am nächsten Morgen bereiten wir uns auf den langen Schlag quer über die Jammerbucht nach Hirtshals vor. Das Sommerwetter verabschiedet sich für diesen Tag und wir müssen gelegentlich die Maschine mitlaufen lassen, um noch am Abend in Hirtshals anzukommen. Unterwegs treffen wir einen weiteren Segler, der es sich in seinem Deckshaus gemütlich macht. Manfred hält stundenlang Wache unter dem Sprayhood, während ich es mir im "Salon" gemütlich mache.

 

Hirtshal selbst hat sich den Charme eines Hochseefischerortes zur Gänze bewahren können. Zwar gibt es eine Marina, in der wir "einparken, aber beim obligatorischen Landgang können wir nicht mal einen Hot dog Laden finden. So langsam nämlich ist unser Heißhunger auf diese dänische Spezialität (von der wir glauben, dass sie mittlerweile fast nur noch von Touristen genoßen wird) riesengroß geworden. Wir müssen uns mit einer asiatischen Frittenbude zufrieden geben. Ein Absackerbier in der einzig passablen Kneipe oberhalb des Hafens und damit ist dieser Tag endlich abgehakt. Fotos gibt es diesmal....keine.

Auslaufend Hirtshals: platt vor'm Laken
Auslaufend Hirtshals: platt vor'm Laken
Skagen schon in Sicht?
Skagen schon in Sicht?
ja, da is es! Wir müssen nur noch um die Spitze rum... und zwar weitläufig, wie der Skipper meint
ja, da is es! Wir müssen nur noch um die Spitze rum... und zwar weitläufig, wie der Skipper meint
zuviel Party?
zuviel Party?

Es dauert und dauert und dauert ... das nördlichste Ende von Dänemark will mit Respekt und gehörigem Abstand umsegelt werden. Auch bei ruhigem Wetter sind die Wellenbilder, die Nord- und Ostsee machen, deutlich zu sehen. Es fehlt nur wenig Phantasie wie es hier aussehen mag, wenn es wirklich weht.

Aber irgendwann wird auch meine Ungeduld, zu der ich angeblich neige, beendet. Wir laufen Skagen ein.

 

Für uns ist es noch ungewöhnlich, dass wir uns keine kleine Ecke im Hafenbecken aussuchen können, sondern nunmehr wie alle anderen auch einen regulären Liegeplatz einnehmen zu müssen. In Skagen ist es üblich, mit dem Bug- oder Heckanker mitten im Hafenbecken das Schiff zu "fixieren". Leider hält unser Anker in dem Modder schlecht bis gar nicht. Und so müssen wir am nächsten Tag nach einigen vergeblichen Versuchen, den Anker mittels Dhingi noch besser zu plazieren, uns doch an die Mole verholen. Davon abgesehen genießen wir das Flair dieses Ortes - zumindest abends, wenn in diversen Kneipen Live-Musik gespielt wird. Tagsüber sind wir lieber mit dem Rad unterwegs. Und hier ist einer meiner Lieblingsorte in Dänemark: Vester-Skagen, der eigentliche Fischerort aus vergangenen Zeiten an der Westküste gelegen. Die ganze Dramatik und Historie, wie es zur Verlegung des Fischereiortes kam, kann man vor Ort oder auch unter wikipedia nachlesen.

 

Vesterö-havn: Vännina
Vesterö-havn: Vännina

Nach anderthalb Tagen Skagen reichts uns mit dem Rummel. Auch das Wetter meldet sich mit schlechteren Prognosen, so dass wir doch langsam an den Rückweg durch das Kattegat und den Belt denken müssen. Zunächst geht es nach Laeso genauer gesagt in den kleinen Hafen Vesterö. Hier verbringen wir den letzten wirklichen Sommernachmittag am Strand. Abends treffen wir zufällig auf die Eltern unserer Nachbarin aus Brunsbüttel: die Vännina (zu Deutsch "Freundin").

Schon am nächsten Morgen machen wir uns auf nach Hals. Auch hier kommen wir gegen MIttag an. Wir verschätzen uns momentan noch mit der Reisegeschwindigkeit, die ein großes Boot mit sich bringt, aber schaden tut's nicht :-)

Tolle Landschaft - tolle Wolken - toller Tag!
Tolle Landschaft - tolle Wolken - toller Tag!

Hals ist immer ein Besuch wert - besonders in der Endsaison. Wir genießen einen schönen Strandspaziergung und finden uns genial, dass wir mit dem Bus zurückfahren können. Und so reiht sich ein Urlaubstag an den nächsten. Auf dem Weg nach Grenaa erleben wir echt gruselige Wolkenformationen - passieren tut jedoch: nix.

Grenaa selbst zählt nicht zu meinen Lieblingshäfen und so fällt uns die rechtzeitige Weiterreise früh am nächsten Morgen auch nicht schwer.

 

Der Wind frischt immer mehr auf und kommt uns aus Südwest "auf die Nase". In der Meerenge zwischen Hjelm und dem Festlandzipfel von Ebeltoft steht zudem eine äußerst unangenehme Welle. Wir rollen immer mehr Segel ein und prüfen wieder, ob und wieviel Wasser durch die noch undichten Lüfter unter Deck landet. Zum Glück keine Mengen, die sich nicht per Handtuch aufnehmen lassen.

Ich steuere Auriga noch wie Seewauwi: also vor der Böe abfallen und dann reinluven. Das funktioniert mit der dicken Eisenlady aber nicht so gut: sie schaufelt Wagenladungen voll Wasser über ihr Deck und ich kriege leichte Panik, ob die alten Wanten und Segel überhaupt halten. Manfred wird an Deck gerufen und übernimmt das Steuer.

Querab von Samsö sehen wir dann eine andere kleine Yacht - ähnlich wie Seewauwi - tapfer mit uns zur Ansteuerungstonne von Langör stapfen. Wie sich nachher herausstellt, handelt es sich um eine Bianca 27, die von 2 äußerst netten Menschen - Oona und Guido - gesegelt wird. Wir lernen die beiden beim Anlegemanöver in Langör kennen und laden sie spontan zum Kaffee und Keksen ein.

Der Abend verläuft sich mit der seit einigen Tagen auftretenden Problemsuche der verstopften Entlüftung des Fäkalientanks. Das ist nicht wirklich angenehm, aber wenn wir unsere Bordtoiletten weiterhin nutzen wollen, das kleinere Übel. So, und da morgen auch noch ein Tag ist, und zwar ein besonderer, gehen wir zeitig in die Koje...

Tataaaah! Manni hat Geburtstag! Passend zum anstehenden Refit bekommt er als Geburtstagsgeschenk einen Nadelentroster. Oh, was wird er das Gerät noch lieben lernen!

Nachdem alle Geschenke ausgepackt und ein gutes Geburtstagsfrühstück genossen wurde, packen wir unseren Rucksack zum Wandern. Es geht am Noor entlang durch kleine Dörfer auf Samsö und mit dem Bus zurück. Abends grillen wir mit Oona und Guido. Toll, so möchte ich auch mal meinen Geburtstag feiern, die Chancen dafür stehen jedoch schlecht, wenn dieser Tag im März anfällt...

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von den Beiden. Dank der freundlichen Leihgabe von Anke und Christoph "Ankern in Dänemark" finden wir eine schöne geschichtsträchtige Bucht oberhalb von Aarhus.

Am nächsten Tag hat sich das Wetter verschlechtert und wir verholen uns zwecks Proviantiertung zur großen Stadt. Hier genießen wir mal wieder das quirlige Stadtleben. Abends gehts zum Italiener und so macht es auch nichts, dass es immer mal wieder kräftig regnet.

 

Ankern in der Knebel Vig
Ankern in der Knebel Vig

Nach einem frühmorgendlichen Gewitter legen wir erst um 9.50 Uhr ab und steuern Tunö an. Auch unterwegs erwischen uns deftige Regengüsse. Auf Tunö ankommen, trocknen wir uns ausgiebig und warten auf Wetterbesserung. Am späten Nachmittag können wir eine Inselumrundung im Abendlicht wagen. Herrlich diese Fernsicht, wenn die Luft sauber gewaschen ist!

Torö-Anlegestelle
Torö-Anlegestelle

Mit 7-8 Kn Fahrt "rasen" wir mit gerefften Segeln über die Flachs in den kleinen Belt. Es weht mit 6 Beaufort aus West. Im Laufe des Tages lässt der Wind wie angekündigt nach und wir suchen einenn weiteren - für uns neuen Ankerplatz vor Torö, einem Minidorf bei Assens. Es ist zwar an vielen Stellen flach, aber mit etwas Geduld finden wir eine gute Ankerstelle zwischen zwei Mooring-Tonnen. Selbstverständlich steht noch ein Landgang an. Unser geniales kleines Dingi bringt uns an Land und wir erkunden wieder einmal ein neues Dorf.

Am nächsten Tag geht es bei frischem SSO weiter zur Genner-Bucht. Hier habe ich vor zig Jahren fast jedes Wochenende mit einem ziemlich alten VW-Bus und ebensolchen Surfbrettern auf dem Dach so manches Wochenende verbracht.

Die Bucht ist immer noch so schön, wie in meiner Erinnerung. Auch hier machen wir wieder einen Landgang und stiefeln quer durch den Buchenwald zu dem oben erwähnten Camping-Platz, um etwas Brot und ein lecker Eis zu erstehen. Zurück an Bord ziehen wir uns unseren Neopren an und nehmen ein sehr erfrischendes Bad mit anschließender warmer Dusche auf dem Achterdeck. Leider versenkt Manfred hierbei auch seine Taucherbrille, die sich nun in ca 12m Tiefe die Fische selber anschauen darf. Nun, denn wissen wir auch, dass Taucherbrillen nicht selbständig schwimmen können...

Genner-Bucht beim Norresskov im Morgenlicht
Genner-Bucht beim Norresskov im Morgenlicht

Im Urlaub wird das Aufstehen immer später... so lichten wir unseren Anker schweren Herzens aus dem Grund dieser malerischen Bucht. Wir werden mit Sonnenschein und munterem Kreuzen durch den Alsensund belohnt.

Die Brücke bei Sonderburg lässt uns nur 20 Minuten warten und so können wir am späten Nachmittag noch durch Horup Hav spazieren. Während des ganzen Urlaubs war ich ja sooooo tapfer und habe die reichliche Auswahl an Bonbons und Lakritzen zum Selbstabfüllen in den vielen Supermärkten übersehen. Aber hier, kurz vor Urlaubsende und sozusagen als Trostpflaster auch für die anstehende Tour durch den NOK habe ich zugeschlagen: für 10 Euro!!! Hmpf, lecker, lecker und es klebt so toll zwischen den Zähnen...

Am Donnerstag, den 30.8.2012 gilt es, noch mal lange auszuschlafen. Dann heißt es allerdings unwiderruflich:  Leinen los und wir motoren bei fast bewölktem Himmel nach Schleimünde. Dieses Mal wollen wir direkt im Minihaften bei der Giftbude anlegen. Wochentags und bei mittäglicher Ankunft klappt das dann auch vorzüglich. Wir haben sozusagen in der "1. Reihe" geparkt. Nach einem kurzen Landgang (spazieren kann man ja nicht, weil alles ringsum aus Naturschutzgründen eingezäunt ist) holen wir die Hängematte raus und genießen bei durchkommenden Sonnenschein den durchlaufenden Schiffsverkehr. Der Beobachtungsposten ist recht beliebt, so dass die Wachabwechlsung hierbei vorzüglich funktioniert. Vielleicht ist das ja noch eine tolle Motivationsidee für Nachtwachen?!

Freitag morgen wird wieder früh aufgestanden. Mit frischem Nordwind segeln wir flott gen Kiel. Vor der Schleuse angekommen, erfahren wir per Funk, dass wir nur eine Viertelstunde Wartezeit haben. Und so können wir um 12.40 Uhr unsere Fahrt zügig mit 7kn fortsetzen. Diese Geschwindigkeit im NOK ist für uns neu und ziemlicher Luxus, da wir mit Seewauwi max. 5,5 kn gefahren sind. Somit kommen wir schon um 17.15 Uhr im Gieselau-Kanal an. Mittlerweile hat Manfred das Dingi gesäubert und ich habe angefangen (!) darüber nachzudenken, was alles von Bord soll... nun ja, Urlaubsende ist immer echt doof.

Zwischen zeitlich hatten wir uns mit einem Reimer und Jürgen - Vereinskameraden aus dem Glückstädter Segelverein, deren Urlaub ebenfalls endet, verabredet. Wir machen Bauernfrühstück und Reimer steuert einen äußerst schmackhaften Möhrensalat bei. So wird der Urlaubsabschied im Salon von Auriga noch zu einem netten Klönabend.

Manfred und Reimer mal wieder im verstärkten Fachsimpelmodus ...
Manfred und Reimer mal wieder im verstärkten Fachsimpelmodus ...

Nachdem wir Reimer beim routinierten Ablegen zugeschaut haben, geht auch für uns die Reise nach Hause weiter. Es herrscht reger Schiffsverkehr im Kanal und Manfred ist so liebenswert und steuert die meiste Zeit, derweil ich denn tatsächlich unter Deck alle Sachen zusammenpacke.


Im September steht nun das große Refit an und wir haben einen festen Zeitplan, den es einzuhalten gilt. Mehr dazu unter der Rubik .... "Refit" (wo auch sonst wa?)