Dieser Sommer wird heissssss!

Samstag, 21.7.2018: Vlieland, wir kommen!

Und das meinen wir ernst! Die Wettervorhersage gibt uns ein knapp 2-tägiges Wetterfenster mit Wind aus Nord, Nordost, Nordwest bis West, um direkt von Glückstadt nach Vlieland durch zu kommen. Und genau das machen wir.

 

Bis zur Elbmündung Höhe Neuwerk bleibt zunächst schwachwindig. Puh, und es wird heiß an Deck: kaum Wind, die Sonne sticht. Erste Segelversuche ab Cuxhaven werden schnell beendet. Aber 2 Stunden später mit zunehmender Bewölkung gibt es einen netten Nordost 3. Wir duschen zwischenzeitlich auf dem Achtercockpit und gegen Abend stärken wir uns mit vorbereitetem Chili con Carne. Wir passieren ohne großartige Ausweichmanöver die Fahrwasser von Weser und Jade, somit kann Manfred sich endlich um 20 Uhr in die Koje legen. Der Wind frischt zwischenzeitlich auf 5 Beaufort auf, lässt aber schnell wieder nach. 

Mit zunehmender Dunkelheit offenbart sich mir, dass die Nordsee zu einem Industriepark mutiert ist. An der Küste wie auch weiter draußen außerhalb der Hauptschifffahrtswege blinkt es rot und gelb, dass es eine wahre "Pracht" ist. Auch die Großschifffahrt ist wieder flott undzahlreich unterwegs (bestimmt mit jeder Menge Plastikschrott aus China...öhm).

 

Zum Trost für das optische Debakel scheint mir ein halber Mond ins Cockpit, der sich später jedoch hinter Wolken verzieht. Gegen Mitternacht übernimmt Manfred. Er muss um 4 Uhr - querab vom Riffgatt Borkum den Motor anmachen. Eine Stunde später kann ich die Maschine wieder durch segeln ersetzen. 

Abgesehen davon, dass der Wind langsam auf West dreht und uns einige Segelyachten entgegen kommen, gibt es keine besonders erwähnenswerten Ereignisse. Bis Ameland können wir noch knapp anliegen, dann wird der Motor wieder zu Hilfe genommen für restlichen 34 sm bis Vlieland.

 

Gegen 18 Uhr laufen wir ein und erhalten direkt ein Päckchen-Liegerplatz vom Hafenmeister. Das kommt einem 6ser im Hafenlotto gleich! Wir sind happy und beschließen den Abend mit einem hervorragendem Mahl im schicken Restaurant "Dining". 

 

Vier ganze Hafentage auf Vlieland!

Gleich am ersten Morgen bauen wir unser Sonnensegel auf - wir brauchen Schatten im Hafen. Dan geht's los: am Strand entlang bis das Wasser zu sehr lockt und wir uns ausgiebig erfrischen. Nachmittags finden wir ein nettes Cafe an der quirligen "Hauptstraße" im Dorf. Wir lieben den holländischen Kaffee sehr. 

Zum abendlichen Salz/Sandabduschen nehmen wir übrigens unser Dingi und ersparen uns somit den langen Fußweg um das Hafenbecken herum. Das Wetter ist mehr als warm und wir genießen am Abend die laue Sommerluft. 

Wir verbringen die 4 Tage mit Radfahren, baden, chillen im Inselwald und lecker Essen. Abends rudern wir zumeist mit dem Dingi rüber zur Dusche. Im Hafen wird gebadet und diverse SUP's mit Hunden, Kindern durch die Wassergassen gepaddelt. Abends kühlt es nur unmerklich ab, zum Glück bleiben uns jedoch Mücken erspart.

Auf gehts nach Terschelling

Am Freitag, 27.7. nach einem ersten nächtlichen Gewitter legen wir ab und segeln nur unter Yankee bis zum Slenk, eine berüchtigte Eng- und Flachstelle zwischen Vlieland und Terschelling. Die Flachstelle selbst passieren wir unter Motor. Um 9.30 Uhr fällt unser Anker an der Kante einer Sandbank gegenüber Terschelling. Da gerade Stauwasser ist, gehen wir gleich ins Wasser und inspizieren unser Schiff von unten. Es sieht alles recht gut aus, sogar die Opferanoden haben bislang gut gehalten. 

Nach einer ausgedehnten Mittagspause - bei erneut einsetzender Hitze und zunehmend starkem östlichen Wind - finden wir unseren Weg in den Hafen. Die Boxen und Hafengassen sind voll, die Hafenmeister im Rib jedoch sehr bemüht, alle ankommenden Schiffe gut unterzubringen. Bei annähernd 6-7 Beaufort schafft Manfred es, auch Auriga ohne Schaden längsseits zu legen. Wir werden schnell eingekesselt, da wir einige Tage bleiben wollen, stört es uns nicht.

Mit leerem Rucksack erkunden wir den Ort West-Terschelling, kaufen einige frische Lebensmittel ein, gönnen uns einen superleckeren Pfannkuchen und finden auf dem Rückweg die geniale Kneipe "Swantje". Hier werden wir wohl noch einmal einkehren:-)

Wir bleiben insgesamt 3 Tage. Das Wetter wird gewittrig schwül, teilweise sehr windig aber genau richtig zum Radfahren. Terschelling ist perfekt dafür! Wir erkunden die Insel, besuchen das Jüttermuseum und kehren selbstverständlich noch mal im Swantje ein. Besonders gefällt uns auch die kleine "Stadt" Midsland, nicht nur, weil man hier besonders gut shoppen kann ...!

Im Laufe der Tage werden wir durch die täglichen Verholaktionen immer weiter nach hinten durchgereicht, bis wir dann am Dienstag, den 31.7.2018 auch endlich mal wieder segeln wollen.

 

 

Das Swantje> noch ist nix los
Das Swantje> noch ist nix los
Huuuh: ein Gewitter zieht auf über Terschelling
Huuuh: ein Gewitter zieht auf über Terschelling

69 sm bis Lauwersoog

Das große Hafenchaos blieb aus, als wir uns aus unserer hinteren Ecke langsam hinaus manövrieren. Dafür gewittert und regnet es heute morgen und die dunklen Wolken im Seegatt verheißen nichts Gutes...

 

Es kommt näher, man sieht deutlich den Böenkragen
Es kommt näher, man sieht deutlich den Böenkragen
Ute Bangbüx... oder habe ich die Gewitterziege vergruselt?!
Ute Bangbüx... oder habe ich die Gewitterziege vergruselt?!

... aber alles geht gut. Vielleicht habe ich mit meinem mauligem Gesicht ja die Gewittergeister vertrieben?!

Es folgt ein langer Tagestörn mit vielen Wechseln zwischen motoren und segeln. Erst gegen Abend, als wir im Seegatt von Lauwersoog eingebogen sind, bekommen wir eine beständige West-Brise von 4-5 Beaufort. Um 20.40 Uhr kommen wir fest im Außenhafen von Lauwersoog. Unser abendlicher Spaziergang führt uns zum Campingplatz vom Lauwersmeer, wo wir uns an Hamburger mit Pommes gütlich tun.

Leider müssen wir morgen um 6 Uhr schon wieder ablegen, um den Nachbarlieger raus zu lassen. So ist das harte Leben an der Nordsee... grrh.

 

Ankern auf dem Lauwersmeer

Am Mittwoch, den 1.8. stehen wir für unseren Nachbarn also rechtzeitig auf, um uns noch für gut eine Stunde wieder an den Steg zu legen. Der Plan heute lautet: Einschleusen und Ankern auf dem Lauwersmeer. 

Und so kommen wir um 8.00 Uhr zügig durch die große Schleuse "Nieuwe Robbengatt" und der Anker fällt auf knapp 3 m Wassertiefe. Nach den wühligen Tagen auf den Inseln genießen wir die Ruhe am Ankerplatz. 

Dann machen wir Daisy für eine Erkundungstour klar. Zunächst motoren wir zusammen mit Teddy das Meer ab, gönnen uns am Campingplatz ein Eis und kehren für eine ausgedehnte Mittagspause in der Hängematte zurück zu Auriga. Als am Nachmittag eine kleine Seebrise aufkommt, bekommt Daisy ihr Segel und ich finde mal wieder größstes Vergnügen beim Einhand-Schippern. Auch Manfred lässt es sich wohl sein, als er mit Daisy seine Kreise auf dem Lauwersmeer zieht. Einzig die Wasserqualität ist ein Trauerspiel: völlig grün und veralgt. Ich stecke nicht mal den großen Zeh rein, während sich Manfred ein kurzes Bad mit anschließender Dusche zutraut. 

Abends schauen wir der Sonne beim Untergehen und den Kühen beim Grasen auf zu und fühlen uns wie zwei Könige in unserem Reich. 

 

Schiermonnikoog mit Fähre

Früh am morgen bringt uns Daisy rüber zum "Festland" und eine Stunde später entern wir die Fähre nach Schiermonnikoog. Diese schöne Insel kann auf eigenem Kiel nur anlaufen, wer sich trockenfallen lassen kann ... wir also nicht.

Von der Fähre machen wir uns zu Fuß (!) bei brüllender Hitze auf zum Ort. Hier müssen wir dringend bei Kuchen und Eis verschnaufen, bevor es weiter zu Fuß zum Strand geht. Wir erfreuen uns an den verwunschenen Häusern, die mittlerweile gut renoviert nichts mehr von den alten harten Zeiten auf der Insel erzählen. Wären bloß auch auf den deutschen Inseln mehr alte Häuser instand gesetzt statt durch schnöde Neubauten ersetzt worden. 

Nach dem ermüdenden Fußmarsch ist ein Bad in den Nordseewellen besonders erfrischend. Früh am Nachmittag geht es dann aber schon wieder zurück zur Fähre, dieses Mal kann ich mich durchsetzen: wir nehmen den Inselbus!

"Schön war der Ausflug" sagen wir uns, als wir müde und zufrieden zurück an Bord sind. Ich bin zugegeben immer nervös, wenn wir Auriga so ganz allein vor Anker liegen lassen. Aber die Sorge war zumindest hier und heute unberechtigt. 

Rückfahrt in deutsche Gefilde: Norderney

Ja, so langsam befinden wir uns im letzten Drittel unseres 3wöchigen Urlaubes. Wir machen uns früh um 6.45 Uhr seeklar, schleusen zügig aus und es geht mangels Wind mit Motorkraft an Schiermonnikoog vorbei, durchs Seegatt raus auf die Nordsee. Borkum lassen wir steuerbord liegen (blöder Yachthafen, bäh) und laufen nach 50 sm im Yachthafen von Norderney ein. Hier ist Päckchenliegen an der Kaimauer angesagt, wir sind die ersten und bekommen noch 2 Nachbarlieger. Lange Leinen werden angebracht und auch die Fenderbretter finden ihre Bestimmung. 

Wir erkunden zu Fuss und mit leerem Rucksack zwecks Einkauf die Insel meiner Kindheit. Viel hat sich verändert - nicht alles zum Guten. Aber im Großen und Ganzen gefällt es uns. Der mondäne Seebäderstil der Jahrhundertwende, als Norderney zum Kaiserbad "gekrönt" wurde, steht im starken Kontrast zu den "muckeligen" holländischen Inseln. 

Abends besuchen wir noch den Yachtclub, da es Live-Musik gibt. Morgen ist "Regatta"! Des wegen ist der Hafen auch so voll. Mit einem Aperol in der Hand lauschen wir dem Musiker und ich lausche ebenfalls mit einem Ohr bei den nebenstehenden anderen Gästen auf den besonderen Slang meiner ostfriesischen Heimat. 

 

Am folgenden Tag, Samstag, 4.8.2018 hieven wir die Bordfahrräder mit dem Spifall auf die Pier (Niedrigwasser!) und radeln durch die Dünenlandschaft. Wie gehabt müssen wir uns auch hier gegen Nachmittag am Strand verschnaufen :-) Es ist schwülwarm und das Wasser ruft. Eines haben wir aber den Holländern voraus: es gibt komfortable Bohlenwege durch den tiefen Sand zwischen den Dünen! 

Auf dem Rückweg landen wir an der Promenade vom Weststrand und hier steppt das Leben. In schicken Goldsandalen, die Haare frisch gefönt und mit dem Sommergetränk 2010-2018 > Aperol Sprizz in der Hand spielen die UrlauberInnen hier "Sylt". Sehen und gesehen werden - uns fallen fast die Augen aus ob der Ausstaffierung. Manni behauptet sogar, dass der Sand auf den Füßen der Mädels extra mit Glitzer versehen von Douglas mühsam aufgepudert wurde. Na, wenn er da mal nicht ein wenig übertreibt....

Wir bummeln noch ein wenig durch die quirlige Innenstadt und verbringen den Abend an Bord

Auf nach .... Helgoland!

Hochwasser ist um ca. 3 Uhr morgens. Diese frühe Zeit wollen wir niemanden zumuten, damit wir uns aus unserem Päckchen rausarbeiten können. Wir denken, mit halber Tide kommen wir auch noch locker durch das Dove-Tief raus. Es ist recht ruhiges Wetter angesagt .... ABER: der Seegang erzählt eine ganz andere Geschichte! Weit draußen muss es die Tage ordentlich geweht haben und nun laufen die Wellen noch mit mindestens 1 m auf und zwar unregelmäßig aber zumeist zum Fahrwasser somit auch für uns. Die flachste Stelle unter dem Kiel mißt gerade mal 1,2 m. Wir haben Gevatter Leichtsinn an Bord: Uns steht der Angstschweiß auf die Stirn geschrieben - wäre der Tiefgang auch nur einmal unter 1 m gegangen, so haben wir uns hinterher eingestanden, wären wir sofort umgedreht und hätten eben die Abendtide abgewartet. Die Vorstellung hier zu stranden und mit jeder Welle höher auf die Sandbänke geschoben zu werden, ist keine angenehme. Halbe Tide und Seegang sind keine empfehlenswerte Kombination!

 

Aber auch nach glücklicher Passage des Seegattes lässt uns der Seegang verzweifeln. Wir haben nur wenig Wind direkt von hinten und müssen uns heute mit dem Schlagen, Wummern und Klappern im Rigg abfinden. Erst als wir die berüchtigte TG 19 an Steuerbord passiert und höher an den Wind kommen, macht das Segeln wieder Spaß.

Allerdings brauen sich am Himmel dicke Wolkenkissen zusammen, es gibt spektakuläre Lichtverhältnisse und auch mal eine satte 5 auf dem Windmesser. Wir rollen ein und wir rollen aus, bis wir kurz vor Helgoland sind und die Maschine für die letzten 2 sm bemühen. Den nächsten gewittrigen Schauer wollte ich eigentlich gern unter Deck "abwettern". Wir liegen dieses Mal nicht am Schwimmsteg, sondern an der hohen Pier und: das Gewitter verzieht sich. Na denn können wir unsere Lieblings-Pizzeria aufsuchen!

Der Montag wird mit Tanken, bunkern und Besuch der Düne verbracht. Die Kegelrobben, so erfahren wir, werden immer "zutraulicher" - wir werden gehalten, nicht mehr mit Flossen schnorcheln zu gehen, um die anderen Badegäste nicht zu gefährden. Die bunten "Füsse" üben eine magische Anziehungskraft auf die Robben aus und so wurden wohl auch schon normal Badende aus nächster Nähe als mögliche Futterquelle begutachtet. Tja, schade, aber so ist es eben, wenn Mensch und Tier auf nächster Nähe miteinander auskommen sollen. Wir verzichten schweren Herzens auf das Naturerlebnis.

Abends folgen wir dem Rat von Gerhard, mit Auriga vor der Düne - nördlich vom Fährhafen - zu ankern und eine Runde zu schwimmen. Dieses währt nur kurz, weil nach wie vor eine erstaunliche Dünung herrscht. Also schnell wieder zurück in den Hafen...