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Planen kann man ja mal...
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Und tatsächlich: diese Spuren haben wir hinterlassen:

Einräum - Chaos. .. und das ist erst der Anfang !
Einräum - Chaos. .. und das ist erst der Anfang !
Aber unsere "meist stinkefaule Crew " hat genau beobachtet,  wo die Chips verstaut wurden 😆
Aber unsere "meist stinkefaule Crew " hat genau beobachtet, wo die Chips verstaut wurden 😆
Abschiedsgeschenke!
Abschiedsgeschenke!

Abfahrt

Der Abschied von Familie und Freunden ist immer zwiegespalten.  Es ist ein warmes gutes Gefühl, wenn man so herzlich verabschiedet wird .... und andererseits macht es auch traurig, wenn man sich soooooo lange nicht wieder sieht. Aber wir wurden unerklärlicherweise reichlich geknuddelt und sogar noch beschenkt, damit nehmen wir euch alle im Herzen mit. Wir haben uns gestern sehr gefreut und nun müssen wir den vielen Versprechungen gerecht werden: daher fange ich heute morgen gleich mal mit der Pflege des Blogs an 🙋 Dank der modernen Kommunikation erfahren wir bestimmt auch, was sich zu Hause so ereignet und wie ihr den Sommer genießen werdet. 

So denn: heute mittag sagen wir Gode Wind ahoi! 

 

Seit dem Ausschleusen in Glückstadt sind wir 307 sm gesegelt und heute schon in Scheveningen / den Haag und sogar mit dem notwendigen "Umweg " über Helgoland.  Wir konnten mit dem beständigen Ostwind so gut Strecke machen und auch noch bei herrlichem Sonnenschein, das ist unglaublich. Danke dem edlen Spender,  wer auch immer das war😍

Unsere Seebeine wachsen, nur die Haut im Gesicht ist diese Uv- Strahlung , Wind und Salz nicht mehr gewohnt. .. wir sehen echt knallrot aus,  trotz Sonnrncreme.

Toll war unser Ankerplatz hinter Vlieland mit einem gigantischen Sonnenuntergang und -aufgang. Bis jetzt ist auch alles heile geblieben.  Der  neue Yankee von Elbesegel hat sich bereits sehr beliebt gemacht bei uns. 

Wir werden den Ostwind der nächsten 2 Tage weiter nutzen, um nach Süden zu kommen  (ohne Nachtfahrt 😴).

So long

AURIGA 

 

 

Besser geht's nicht!

Schicker junger Bretone Wa?
Schicker junger Bretone Wa?

Sark, Guernsey und Perros Guerec

Hi Freunde, was geht ab?
Hi Freunde, was geht ab?

14. - 23.5.2016


3 Tage Guernsey und 1 Tag Sark waren sehr interessant und erholsam.  Wir sind auf Guernsey ein wenig gewandert: die Straßen sind wirklich mit Steinmauern eng umfasst, Berichte anderer Reisender können wir somit bestätigen! Es gibt viele schöne Cottages und Manors (größere Anwesen). Ob groß oder klein, fast alle haben einen Namen. Ich würde mir wohl ein Häuschen hier schenken lassen! 

Außerdem haben wir einige schöne unterhaltsame Stunden mit Nicole und Birte von der Tamtam verbracht, die mit ihrer Albino Ballad in Camaret sur Mer überwintert haben und nun auf dem Weg nach Hause sind. 

Ein highlight für uns war Sark mit dem spektakulärem Übergang 'la Coupee' nach little Sark.  Dabei haben wir die freundlicherweise auch für Besucher ausgelegten Mooringtonnen im Nordwesten der Insel nutzen dürfen. Und das erste Mal mit dem Dingi an den Kieselstrand zu fahren , war für uns auch schon Abenteuer! Ebenso der steile Aufstieg durch Gebüsch die ca. 100 m hohe Steilküste hoch... Seebeine sind doch keine Landbeine. Aber die wachsen uns gerade. 

Nach einem verregneten Samstag sind wir dann am Sonntag, 22.5.,bei Regenwetter ausgelaufen,um uns endlich ein besonderes Stück Bretagne anzuschauen: Die Cote Granit Rose. Wir hatten gestern das erste Mal richtig tolle Atlantikdünung, dabei raumte der Wind immer mehr von West auf Nordwest und Auriga wurde schneller und schneller. Abends pfiff es denn auch schon mit 5 Beaufort,  als wir uns der Küste mit den davorgelagerten Inseln 'Le Sept iles' näherten. Ich bin dabei immer nervös und kontrolliere unten auf der Seekarte unsere Position gefühlt jede Minute, aber die Plotterdaten stimmen und auf Manfred ist sowieso Verlass. Einige 'Tonnen' sind nämlich hier nur Stöcke, ähnlich wie bei uns Pricken, und Farbe haben die auch schon lange nicht mehr gesehen... 

Wie auch immer, kurz nachdem wir den Anker zum warten auf genügend Wasser über dem Süll der nur 6m breiten Dock-Schleuse geworfen hatten, konnten wir ihn auch schon wieder hochholen: in nur einer halben Stunde steigt das Wasser hier gut einen Meter! Grundsätzlich beträgt der Tidenhub hier im Durchschnitt 10 Meter  ( bei Springzeiten sogar noch mehr ).

Montag morgens aufstehen, wenn man weiß,  es geht nicht zur Arbeit, sondern auf eine der schönsten Wanderstrecken hier an der Küste, ist wirklich nett. Wir sind heute ca. 15 km rauf und runter die Hügel gelaufen, haben auch hier unzählig schöne Häuser (die meisten sind wohl nur im Juli und August bewohnt) und spektakuläre Ausblicke auf das Meer bestaunen dürfen. Bilder hierzu gibt es, falls (!)wir denn mal ein stabiles Wlan finden. Ach und als Belohnung haben wir heute zum 1. Mal Galettes (Buchweizencrepes) und bretonisches Bier genossen. Danach waren wir unerklärlicherweise müde und somit froh, einen passenden Bus gefunden zu haben,  der uns die ganzen Hügel Rauf und runter zurück gebracht hat.

Morgen geht es weiter mit.... Ostwind  (wie für uns bestellt). Allerdings könnte es so langsam mal wärmer werden, selbst an Land ist die kurze Hose noch nicht angesagt.

So long

Eure

Auriga - Crew



Ganz klar:versteinerter Haifisch aus der Spätkreidezeit!
Ganz klar:versteinerter Haifisch aus der Spätkreidezeit!
Süll vor dem Hafen von Ploumanagh
Süll vor dem Hafen von Ploumanagh
Fast wie in Italien: Bucht von Perros Guerec
Fast wie in Italien: Bucht von Perros Guerec
Unser späterer Alterswohnsitz
Unser späterer Alterswohnsitz
Abfahrt für die Seenotretter: schnell zu Wasser, mühsam wieder hochziehen?
Abfahrt für die Seenotretter: schnell zu Wasser, mühsam wieder hochziehen?
Das war mal das Pulverhäuschen für die Verteidigung der bretonischen Küste oder renitente Schmuggler
Das war mal das Pulverhäuschen für die Verteidigung der bretonischen Küste oder renitente Schmuggler

Auszeit 2016: wir beeilen uns!

Der Winter gibt uns zwar genügend Zeit, damit wir unsere 5-monatige Auszeit gründlich vorbereiten können, aber die Tage rennen und vieles ist derzeit zu klären: Bordapotheke und Medizin, die passenden Flat Verträge für Smartphone und Tablet, Finanzen & Versicherungen, Bücher bei Freundinnen einsammeln, Seekarten kaufen, Blog Marine, Reed's Almanach, Handbuch für den atlantischen Ozean durchschmökern und und und... Im März wird unsere Auriga noch mal raus dem Wasser geholt und erhält einen neuen Unterwasseranstrich. Und unsere Segelfreunde fragen schon nach einer kleinen Abschiedsparty, die auch organisiert werden will.

Außerdem bin ich im Geiste natürlich schon lange am Sortieren, was ich unbedingt! an Küchenutensilien, Vorräten, aber auch Kleidung und Schuhe (gaaaanz wichtige Punkte) mitnehmen will, sofern ich durch die Zollkontrolle meines Segel-Mannis vorbeikomme;-)

Anfang Mai - irgendwann rund um Himmelfahrt - geht dann unsere Reise los. Ziel ist es, in den 5 Monaten via Holland, Belgien, Frankreich, Portugal und Madeira zu den Azoren zu schippern. Der Rückstrecke soll uns dann über die Scilly Islands, Südengland und Holland wieder nach Hause führen. Manfred kennt das Langfahrtsegeln schon - ich noch nicht und meine Phantasie reicht von Sonnenbaden auf dem Vordeck bis hin zu tagelangem Sturm und Wellen.

 

Wer wissen möchte, wie es uns ergeht oder wer mir! Mut zusprechen möchte, ist herzlich willkommen in diesem Blog. Ich verspreche keine täglichen Nachrichten, denke aber, dass wir Dich/Euch einmal pro Woche mit unseren Erlebnissen und Bildern informieren können. Wir freuen uns über jeden Beitrag und bedanken uns schon mal für Eure Begleitung!

 

April, April ... wir machen was er will

Ungeduldig warten wir auf trockenes Wetter, um endlich das Teakholz unserer Schanz (Holz auf dem umlaufenden Rand vom Rumpf) von den Lackschäden im Winter zu befreien. Aber es ist eben noch April: morgens popokalt, dann Sonne, dann ein Regenschauer, am nächsten Tag Nebel und das Holz kann nicht wirklich durchtrocknen.

Wir nutzen die Zeit trotzdem und laden Auriga voll mit Büchern, Lebensmitteln, Getränken und den ersten Klamottenbergen (die für den Sommer :-)  ). Alle Segel sind mittlerweile erfolgreich angeschlagen, das Deck, der Mast und der Baum sind geputzt und gewachst worden. Und zu Hause werden fast alle Schubladen durchwühlt: "Wo war den bloß noch mal....?". Na gut, was vergessen wird, brauchen wir dann eben auch nicht. Oder man muss es halt in Holland oder Belgien nachkaufen. 

Ebenso wichtig ist uns noch eine kleine Probefahrt am Wochenende zu unternehmen, weil in diesem Winter der Kompassgeber für die elektronische Navigation den 3. und hoffentlich letzten neuen Standort bekommen hat. Mit einem Stahlschiff ist die Ablenkung dermaßen hoch, dass man auf die verrücktesten Plätze kommt. Nun ist er hinten und ziemlich weit oben auf dem Geräteträger seinen Platz bekommen. Der muss sich jetzt aber noch selbst kalibrieren/kompensieren.

 

Außerdem muss ich ja mal sagen, dass die Wahl des richtigen Datentarifs für mobiles Surfen eine ziemlich komplizierte Angelegenheit ist. Ich durchschaue die Tarife nicht mehr und so folgen wir nun einfach dem Rat, den Cati und Johannes Erdmann ihren Followern gegeben haben: Aldi Talk! Genau, und so machen wir das jetzt auch für's Tablet. Für das Smartphone versuche ich gerade, von meinem Prepaid Tarif bei Congstar auf den monatlich kündbaren Wunschtarif zu wechseln --- bis jetzt steht da nur der Status "bestellt". Hmh, nach den vielen im Internet geposteten Erfahrungen mit allen! Anbietern habe ich so meine Zweifel, ob das noch was wird. Der Wechsel zu einem anderen Anbieter will auch gut überlegt sein, wenn man seine Telefonnummer portiert haben möchte - so mein Eindruck. Also halten wir es doch wie die Ingenieure: "Never change a running system"...  oder hat jemand noch den ultimativen Tipp?

 

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Startphase

Letzter Arbeitstag!

Heute lade ich meine KollegenInnen noch auf einen "Schiffszwieback" ein und verabschiede mich für die nächsten 5 Monate. Manfred muss morgen noch mal zur Arbeit und dann wird der Umzug auf's Schiff in Angriff genommen. Ich freue mich sehr über die vielen netten Wünsche für unsere Fahrt und hoffe, alle gesund und munter in 5 Monaten wieder zu sehen.

 

Auriga wird noch "verschlimmbessert":

Am letzten Samstag haben wir bei den eisigen Winden auf der Elbe nur einige Kreise gedreht, um dem Kompassgeber für den Autopiloten das Kalibrieren zu ermöglichen. Das scheint soweit auch geklappt zu haben - Sorge macht uns nur, dass wir noch im Hafen die Alarmmeldung "Autopilot konnte nicht gefunden werden" bekamen. Unsere gesamte elektronische Navigation ist von Raymarine und ich hoffe nicht, dass bereits nach 3 Jahren normaler Nutzung schon die ersten Totalausfälle zu verzeichnen sind. Im letzten Sommerurlaub war ja schon das Windmess-Gerät oben am Mast reparaturbedürftig geworden. Wir werden beten & berichten...

 

Außerdem wollten wir eigentlich noch dringend das Teak Holz aussen (auf der Schanz und im Cockpit) neu lackieren. Zumindest die Laibungen im Cockpit wollen wir noch in Angriff nehmen, obwohl es die ganze letzte Woche permanent und heftig schneit, graupelt und regnet. Wir werden das Sonnensegel aufspannen und hoffen, dass es darunter nicht reinregnet, denn wenn wir erst unterwegs sind, müssten wir das frisch gemalerte Cockpit zu häufig betreten und Hosen wie auch der Lack würden ziemlich leiden.

 

Meine allgemeine Vorfreude ist noch etwas gedämpft angesichts der derzeit arktischen Temperaturen - so habe ich mir noch ein Thermoshirt bestellt in der Hoffnung, dass das Merino-Schaf nicht all zu doll frieren und ich es angenehm warm haben werde, wenn wir am Mittwoch, den 4.5.2016 ablegen.

 

Fronkreisch und Kanalinsel Guernsey

4.5. – 13.5.2016

 

Nebel  und Zollkontroll-Alarm!

 

„Veuillez vous nous donnez  votre papiers, s’il vous plaît?“ So oder ähnlich fragten uns die 5 (!) Zöllner in Boulogne sur Mer (passenderweise nach dem Abendessen und beim Abwasch).  Aber klar bekommen sie alle Zertifikate, unsere Personalausweise und ihre Fragen beantwortet. Dafür haben wir jetzt eine offizielle Zollbestätigung und müssten (eigentlich) keine weiteren Kontrollen mehr befürchten. Nicht dass wir was zu verstecken hätten, jedoch man weiß ja nie, was die Jungs so auseinander bauen wollen. Diese Zöllner waren ausgesprochen nett und haben sich in einen Plausch verwickeln lassen, statt das Schiff auf den Kopf zu stellen. Merci!

 

Aber fangen wir von vorn an: unser Start von Glückstadt respektive Helgoland konnte besser nicht laufen. Sonnenschein, Ostwind und Wärme wie im Juni – so haben wir den Luxus, mit Backstagbrise und ordentlich Sonnencreme im Gesicht,  gen Westen zu kommen. Wir „verzichten“ auf Nachtfahrten, weil die Tagesmeilen völlig ausreichen. Und dabei haben wir noch nicht mal nennenswerten Seegang, so dass ich mich beim Kochen fast wie auf einem Katamaran fühlen konnte. Mit spätabendlichen Zwischenstopps auf Borkum, Ankern hinter Vlieland, Yachthäfen in Scheveningen, Zeebrügge, Dünkirchen und Bologne sur Mer sind wir am Donnerstag, 12.5. bis  Dieppe gekommen. Das verschafft uns genügend Reserven zum Abwarten auf passende Wetterfenster, denn zum Ende dieser Woche stellt sich die Wetterlage um. Noch dominiert der Nordwind, ab Montag dürfen wir dann mit den hier üblichen Westwinden rechnen.

 

Bilanz der 1. Reisewoche:

 

Besonders positiv überrascht waren wir über die 92 sm bei (böigem) Ostwind von Vlieland nach Scheveningen.  Hier angekommen, konnten wir das maritime Ambiente in einem Restaurant an der Uferpromenade genießen und unseren tollen Tagestörn ein wenig begießenJ

 

Ebenfalls sehr sympathisch und zuvorkommend  war bislang der Empfang in jedem französischen Hafen – die Hafenmeister und selbst die Zöllner waren sehr bemüht, uns alle nötigen Informationen zu geben. Mein Französisch ist denn doch arg eingerostet, auch wenn es zumeist für den ersten Kontakt reicht. Besonders beim Funken werden wir doch eher Englisch sprechen, denn gestern hatte ich z.B. die Antwort (französisch) der Hafenkontrolle auch nicht wirklich verstanden. Resultat:  Ein Lotsenboot hat uns draußen „abgefangen“, weil aus dem engen Hafenkanal ein Feederschiff auslaufen sollte und wir 10 Minuten warten sollten. Uff, das war noch mal gut gegangen!

 

Boulogne sur Mer konnte dieses Mal (8 Jahre nach unserem ersten Aufenthalt)  punkten. Sobald man sich aus der quirligen Unterstadt in die höher gelegene historische Altstadt begibt, findet man viele schöne Ein- und Ausblicke. Ein richtig altes Fort mit echtem Wassergraben und die mächtige Kirche mit einer darunter befindlichen Krypta fand unsere Bewunderung. Auffällig ist jedoch bei allen Kirchen, die wir hier anschauen, die hohe Baufälligkeit – die Wertschätzung für diese historischen Bauwerke scheint auch in Frankreich stark gelitten zu haben. Es tut regelrecht weh zu sehen, wie die vielen Ornamente und Heiligen zerbröseln und durch schnöden Betonputz ersetzt werden. Einige Kirchen sind unserem Eindruck nach gleich ganz geschlossen – höchstwahrscheinlich aufgrund der Gefahr herabfallender Zierelemente oder schlimmerem….

 

Und: wir sind natürlich für die bisherige schnelle Reise ohne Schäden oder Malaisen (nee, ist kein Original-Französisch J , reimst sich nur schön)sehr dankbar.

 

Negatives gibt es kaum zu berichten, bis auf den ekeligen Seenebel, den wir beim Auslaufen von Dünkirchen hatten. Aber dem Erfinder des Plotters, AIS und Radars sei von Herzen gedankt: wir konnten ohne Probleme den ein- und auslaufenden Fähren von Calais gut ausweichen. Wenn die vielen Fischernetze noch mal ein AIS Signal bekämen, wäre ich persönlich sehr dankbar. So war das Starren bis max. 50 m Sichtweite auf Dauer etwas anstrengend und auf Schallsignale aus unserem Schiffshorn reagieren die blöden Teile nicht.

 

Seit gestern Abend sind wir in Dieppe. Hier machen wir heute, am Freitag den 13.5., den 1. Tag komplett Pause. Bei einem ersten abendlichen Spaziergang Richtung Innenstadt konnten wir schon normannisches Flair aufsaugen. Die großen und meistens gut erhaltenen Häuser aus Granitsteinen der oberen Normandie haben mich früher schon beeindruckt. Es muss nicht alles modern sein – zumindest nicht für uns Touristen ;-) 

 

Morgen möchten wir nach Fecamp, eine kleine normannische Hafenstadt, in der ich vor gut 30 Jahren schon mal war. Ich bin gespannt, ob die Enttäuschung oder Wiedersehensfreude überwiegt.

 

Übrigens: der Reise-Bär durfte nicht mit auf Crewliste – er hat alles versucht, wurde jedoch nicht ernst genommen, liebe Annika. Wir trösten ihn schon die ganze Zeit!

 

Kanalinseln: so weit im Westen...

13.5. – 18.5.2016

 

Am Samstag, den 14.5. geht die Reise weiter – erst einmal müssen wir die gewaltige Hafenausfahrt mit der einrollenden Dünung bewältigen. Das geht mit Manfreds Steuerkompetenz recht gut (nämlich langsam fahren). Das Großsegel haben wir schon zu gut einem Drittel ausgerollt als Stütze sozusagen und dann ziehen wir bei unschöner Welle mit grauen Wolken und durch etliche Fischernetze weiter die normannische Steilküste entlang. Mittags erstrahlt die Küste  dann im Sonnenschein und es postkartenkitschig schön. Die Hafeneinfahrt von Fecamp liegt gen Südwesten und ist somit nicht ganz so spektakulär wie die von Dieppe, da der Wind noch immer aus Nordost  (4-5 Beaufort) kommt.

 

Fécamp selber ist auch schön, aber um es abzukürzen, nicht so toll wie Dieppe. Keinerlei Erinnerungen machen sich bemerkbar – auch gut. Abends gehen wir lecker essen und liegen mit extrem gefüllten Magen im Bett.

 

Weiter geht die Reise nach Ouistreham – dabei queren wir  ohne Probleme und regelkonform die Fahrwasser für die Großschifffahrt von le Havre. Die ganze Zeit scheint die Sonne, es ist jedoch lausekalt. Ich bin froh, meine dicke alte Skihose mitgenommen zu haben.  Um 16.30 Uhr schleusen wir in Ouistreham ein und ich versuche zum wiederholten Male, uns  mit meinem Schlechtfranzösisch einen Liegeplatz beim Hafenmeister zu organisieren. Irgendwie klappt es denn immer doch – spätestens beim Bezahlen kann ich mich für meine mangelnde Aussprache und Vokabeln entschuldigen und da auch die Hafenmeister schlecht Englisch sprechen, sind die Entschuldigungen gegenseitig J

 

Ouistreham selbst liegt auf dem Schwemmland der Seine, hier gibt es keine Steilküsten mehr.  In unmittelbarer Nähe befindet sich Omaha Beach, auf dem die Alliierten 1945 landeten, um Frankreich bzw. Europa zu befreien. Überall findet man Gedenktafeln und Museen an dieses Ereignis oder für einzelne tapfere Soldaten, die für die Befreiung ihr Leben lassen mussten. Ich bin sehr dankbar, dass man uns diese Greueltaten hier nicht mehr zur Last legt.

 

Der Ort selber hat schmucke, normannisch geprägte Häuser, aber auch eine moderne Bebauung. Mir fällt auf, dass die Vegetation hier schon etwas „tropisch“ ist. So wachsen in diversen Vorgärten nicht nur Stechpalmen, sondern sogar Calla.

 

Pfingstmontag morgens um 6 Uhr (!) klingelt der Wecker, damit wir die Schleusenöffnung um 7.15 Uhr auch ja nicht verpassen. Auf macht sie dann erst um 7.30 Uhr – Seglers Schicksal….

 

Zunächst sieht der Tag nach wenig Wind aus – das ändert sich ziemlich doll. Wir bekommen Nordwest-Wind im Schnitt mit 5 Beaufort.  Das erste Mal in diesen zwei Wochen müssen wir also „hoch ran“ (=> für alle Nichtsegler: das Schiff liegt die ganze Zeit schief, wackelt ordentlich mit jeder Welle und man bekommt viele blaue Flecken) und haben zudem ein blöde Welle, die uns an die Ostsee erinnert. Uns Tagesziel Cherbourg mit der Rundung des Caps von Barfleur wird um 16 Uhr gecancelt. Wir laufen einen kleinen Fischerort namens St. Vaast la Hougue an. Hier fahren wir das erste Mal in unserer Auszeit über ein Sill/Drempel (eine Mauer im Hafentor zumeist unter Wasser, die dafür sorgt, dass bei Niedrigwasser noch genug Wasser für die Boote im Hafen bleibt). Mit 50cm unterm Kiel hätten wir nicht viel eher einlaufen können. Beim abendlichen Spaziergang finden wir: hoch gezogene Gartenmauern (neidische Nachbarn?) und ausgestorbene Straßen. Ob die Franzosen das Pfingstwochenende soooo ausgiebig gefeiert haben, dass sie nun alle rekonvaleszent im Bett liegen? Wir wissen es nicht. Somit gibt es keinen Absacker in einer Bar sondern einen Portwein unter Deck.

 

Okay, am Dienstag, 17.5. müssen wir wieder um 6 Uhr (wie sonst auch, wenn es zur Arbeit geht) aufstehen, um mit genügend Wasser über dem Drempel rauszukommen. Es ist leicht diesig, aber nicht nebelig. Nach dem gestrigen polterigem Ritt mit ordentlich Salzwasser über Deck haben wir eigentlich schon beschlossen, heute nur nach Cherbourg zu segeln/motoren, da ab Mittwoch, 18.5. jede Menge Tiefs mit ordentlich Wind aus West uns die Passage durch das Race von Alderney nach Guernsey nicht gerade schmackhaft macht. Aber: es bleibt friedlich, zwar Wind aus West, aber nur mit 7-8 Knoten. Wir konferieren mit dem Internet und glauben, dass es heute doch noch klappen könnte. So kommt der „Hebel auf den Tisch“ und mit 11 kn über Grund spülen wir an Cap de la Hague vorbei. Selbst bei diesem doch sehr ruhigem Wetter erkennt man viele komische Wellenbilder und Strudel – nicht auszudenken, hier bei 6 Windstärken aus West und Tide aus Ost raus zu müssen. Wir machen es uns einfach, 3 Meilen segeln wir später noch, stellen aber fest, dass es ziemlich sinnlos ist. Also wird weiter motort. So kommen wir gegen 16.30 Uhr (Ortszeit 15.30 Uhr!) in St. Peter Port aufGuernsey an und dürfen an einem Längsausleger komfortabel festmachen. Die Freude ist groß, es bis heute hierhin geschafft zu haben.

 

Dann ereignet sich, was man sich als blog-Verfolger anderer Segler erhofft: Nico von der TamTam klopft bei uns an. Wir hatten den ganzen Herbst und Winter lang ihren Blog verfolgt. Nico und Birte befinden sich auf ihrer Heimreise. Am Mittwoch Abend werden die beiden zu uns an Bord eingeladen, damit wir live von ihren Erlebnissen erfahren. Zuvor gilt es jedoch, die Bettwäsche zumachen und etwas aufzuräumen. Ebenso nimmt es Zeit in Anspruch, das WiFi-Netz zu meinem LapTop umzuleiten J . Geduld ist dabei gefragt, aber nicht meine Stärke. Wir denken, dass wir die nächsten Tage auf Guernsey und/oder Jersey etwas verbummeln möchten. Euch allen zu Hause wünschen wir weiterhin schöne Maitage und besseres Segelwetter, als ihr es Pfingsten hattet.

 

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L'Aber Wrac'h und Seglers Traum: Ouessant

24.5.  – 29.5.2016

 

Perros Guerec hat uns äußerst gut gefallen – trotzdem geht die Reise weiter. Ziel für Dienstag, 24.5.2016 ist L’Aber Wrac’h. Zunächst ist flaues Segeln angesagt. Wir baumen (=> Manfred!) aus und ziehen an der Ile de Baz bei Roscoff vorbei. So laaangsam wird der Wind immer mehr, bis es schließlich gute 5-6 Windstärken wurden. Zunächst kommt das Großsegel weg und stattdessen wird die Fock auf der gegenüberliegenden Seite zum Yankee ausgerollt. Mittlerweile haben wir Wind gegen Strom und es baut sich eine ziemlich unangenehme, wilde See auf.  Nicht viel später wird der Yankee etwas eingerollt und zuletzt auch die Fock weggenommen, damit wir ohne erneutes Schiften nach backbord zur Ansteuerungstonne von L’Aber Wrac’h segeln können. Das Beste, das allerbeste an diesem Tag war jedoch der erste Besuch einer Delfinschule! Ich konnte bislang die tiefe Freude von Seglern über die „Butenbordskameraden“ grundsätzlich nachvollziehen, aber nicht, wie stark das Gefühl ist. Den ersten Film dieses Besuches kann man nur ohne Ton ertragen!

 

Auch im Hafen von L’Aber Wrac’h weht es ordentlich, weil keine schützende Steilküste den steifen Ostwind bremst. Ich muss mir heute direkt nach dem Anlegen sofort und auf der Stelle eine Portion Frites (also Pommes) reinziehen… seit 3 Wochen widerstehe ich dieser kalorienreichen Versuchung, sogar auf Guernsey blieb ich tapfer.

 

Da es auch am Mittwoch, 25.5.2016, ordentlich weht, machen wir einen Ausflug nach Brest mit dem Linienbus und sind unheimlich stolz, uns mit den Fahrplänen korrekt beschäftigt zu haben. Sogar das Umsteigen in Lannilis hat perfekt geklappt und wir sind tatsächlich wieder bei Auriga angekommen.

 

Die Shopping-Ausbeute in Brest ergab: 1 x Bikini, 1x Zitronenpresse und ein schönes Geschirrtuch (höchst selbst von Manni gewünscht, man mag nun gern über das Motiv rätseln J. Da es aber sein Arbeitsgerät ist, darf er natürlich bestimmen!)

 

Mittwochabends läuft auch die X 612 „Glücksburg“ vom DHH in L’Aber Wrac’h ein. Die ca. 8 köpfige Crew hatten wir schon tags zuvor vor Roscoff bei sportlichen 5 Beaufort mit Spi segeln gesehen. Sie hatten sich einen halben Tag Roscoff angeschaut und kommen daher erst heute an. Bald schon vollziehen sie wieder ihren Crewwechsel, wie wir erfuhren, segeln die Mitglieder immer etappenweise das Schiff weiter:  Die Glücksburg wird ebenfalls die Azoren anlaufen, aber wohl schneller sein als wir.

 

Und am Donnerstag wird ein weiterer kleiner Traum für unsere Reise wahr: wir können durch die „Passage du Fromeur“ nach Ouessant und vor der kleinen Ortschaft „Lampaul“ an einer Mooringtonne festmachen. Die Passage ist ein sogenanntes Race, wo man mit bis zu 8 Knoten zusätzlichem Strom durchgezogen wird oder gegen anstehen hat (letzteres empfiehlt sich wirklich nicht). Wir „mussten“ motoren („äh, Schatz, das macht doch nix“) und hatten so trotz Flaute und nur leichter Atlantikdünung echt schaukeliges wildes Wasser. Auch die 2 Leuchttürme zur Bucht von Lampaul sind auf zig tausend Postkarten (dann allerdings bei Sturm) verewigt worden.  Also für alle Nichtsegler: diese Insel ist mit Freizeitbooten, insbesondere für Segler, nicht leicht zu erreichen. Daher nutzen wir die Gunst der Stunde mit dem ruhigen Wetter und wenig Schwell, in dieser Bucht zu liegen. Sobald das Schiff „festgehäkelt“ ist, üben wir erneut den Landfall mit unserem Dingi. Es gilt mit den an- und zurückrollenden Wellen an der abschüssigen Bahn der Seenotrettung zu landen. Hat gut geklappt. Da unsere „Daisy“ hinten eine Rolle hat, können wir sie ziemlich einfach diese rund 50m lange Rampe  hochziehen.

 

Lampaul wird besichtigt und natürlich mal wieder ein 4 km Fussmarsch zum nordwärts gelegenen Fährhafen „Stiff“ unternommen. Der Hafen ist aber ziemlich hässlich, so geht es (natürlich zu Fuss) den ganzen langen Weg wieder zurück. Manchmal ist Neugier nur lästig…!

 

Manfred ist immer noch besorgt, dass der Lack auf unserer Holzschanz so langsam immer mehr abblättert und Folgeschäden verursacht. So kommt er auf die glorreiche Idee, die Holz“leiste“ hier in der Buch von Ouessant abzuschleifen und zu lackieren (2 mal!). Und genauso kommt es auch: frühmorgens rumort es schon an Deck, der Morgentau wird sorgfältig abgewischt und die Abklebungen vorgenommen. Ich darf netterweise derweil eine Runde mit Daisy auf Erkundungstour.  Früh am Nachmittag ist Manfred wieder zufrieden, der Lack zieht gut an, die Klebestreifen sind entfernt und alle können erleichtert aufatmen (ich stelle mir insgeheim die Frage, was passiert, wenn der Lack nix wird und die Suche nach einer Ersatzdose Lack hier in der Bretagne losgehen soll…. Uff).

 

Abends gönnen wir uns ein 3 Gänge Menü im Restaurant „Duchesse Anne“ mit einem himmlischen Blick über die Bucht und … auf unser Schiff. Das erste Mal übrigens, dass ich mich schick machen muss und dabei einen trockenen Popo behalten möchte; etwas Logistik ist hier gefordert. Das Essen war wider Erwarten ausgezeichnet und jeden Franc, äh, Euro wert. Ich bin von früheren Restaurantbesuchen in Frankreich etwas vorbelastet, weil ich häufig viel ChiChi und nicht besonders gutes Essen für stolze Preise erlebt habe. Bei der Auswahl der Menüvarianten hat uns neben der „Leo-App“ übrigens eine andere „Gästin“ sehr freundlich und kompetent geholfen. Wie bereits erwähnt, haben wir hier über das uns bekannte Maß hinaus freundliche, hilfsbereite Menschen kennen gelernt. So auch in Morgat, wohin es uns am Samstag, 28.5.2016 hinzog. Da die „Capitainerie“ nur von montags bis freitags besetzt ist,  konnten wir weder Hafengeld bezahlen noch Duschen gehen, da uns der Türcode nicht geläufig war. Meine Frage nach diesem Code konnte auch der nette Tauchlehrer (?) nebenan in der dortigen Tauchschule nicht beantworten – lud uns aber kurzerhand ein, doch in der Tauchbasis die gewünschte Körperreinigung  vorzunehmen.  Merci beaucoup!

 

Morgat selbst ist in der malerischen Bucht gegenüber von Douarnanez gelegen: 6 Seemeilen lang zog sich die oben stark bewaldete Steilküste, bis in einer Strandbucht die Ortschaft auftauchte. Der Ort selbst ist sehr auf den Strand-, Surf-, Standup-paddling Tourismus einstellt. Wir nutzen in einer Bar bei einem leckeren bretonischen Cidre kurz das Internet, um endlich mal wieder unser Tablet und Smartphone mit den zig App’s zu aktualisieren und vor allem, einen weiteren Monat Internet im Ausland per Prepaid-Guthaben zu buchen. Alles ganz schön kompliziert und manchmal wünscht man sich in die Zeit zurück, wo es das alles nicht gab. Zugegeben sind die Vorteile von Wetter App’s und Social Media zu verführerisch, um darauf zu verzichten.

 

Am Sontag, 29.5. haben wir dann schon wieder die Leinen losgeworfen. In der gestern vorbeiziehenden Steilküste sind diverse (kleine) Grotten, die wir uns nicht per Ausflugsboot für 19 Euro die Person sondern mit eigenem Dingi anschauen wollen. So sitze ich mit dem Fernglas auf dem Süll und suche die Küstenlinie ab. Bei einer vielversprechenden Stelle, wird der Anker auf 10 m Tiefe fallengelassen, das Dinghi mit Motor ausgerüstet und wir beide machen unsere Privatexkursion. Den auf Französisch gehaltenen Erklärungen hätten wir ohnehin nicht folgen können. Die Grotten selbst sind nicht sehr groß – in dreien konnten wir gerade mal so mit dem kleinen Dinghi reinfahren und wenden. Einige brütende Kormorane beschwerten sich über die sonntägliche Ruhestörung mit unserem 2-Takter.

 

Aber hier wollen wir nicht bleiben – ruhiges Wetter, die Strömungsvorhersage für das sagenumwobene (und von mir gefürchtete) Raz de Seine war günstig. Also geht es mal mit Segeln und schlussendlich mit Motorkraft durch diese berüchtigte Meeresenge. Wir haben zu dem Zeitpunkt unserer Passage nur 2-3 kn Strom mit.

 

Spät am Nachmittag suchen wir das Mooringfeld westlich von Audierne auf und machen wie jedes Mal einen Erkundungsgang an Land. Verlaufen gehört dabei zu einer der geringeren Herausforderungen und ist dank GoogleMaps auch schnell wieder  vergessen.

 

Ahoi & fair Winds euch allen!

 

Auriga

 

Manfred + Ute

 

Nachtrag Sark: eine Reise wert...

Grottig: die Steilküste bei Morgat

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Côte de Cornouaille & Côte des Megalithes

30.5. – 4.6.2016

 

Montag Vormittag fahren wir mit dem ersten Schwung Flut  in den Flusslauf des nahebei gelegenen Städtchens Audierne ein. Dies ist eine schöne kleine Stadt, in der wir heute Wäsche waschen und frische Lebensmittel einkaufen wollen. Und genau so geschieht es auch. Dafür vergeht locker ein halber Tag. Die Wäsche wird an Bord aufgehängt und darf in den frischen Böen, die den Fluss runterfegen, trocknen. Das macht sie auch brav, so dass wir abends alles wieder einsammeln und zusammenlegen können. Nur 2 Paar Socken von  mir haben die Scheidung eingereicht – sie werden ja sehen, wie teuer die Unterhaltszahlungen für die verbliebenen Einzelstücke an Bord sind. Abends finden wir eine vereinsamte Kneipe (Au bord de la mér), die uns mit ihrem freien WiFi Angebot sehr zusagt. Mit dem Wirt sind wir uns auch schnell einig: wir laden unsere Fotos hoch und er schaut derweil das Freundschaftsspiel Frankreich gegen Kamerun weiter, ohne von uns groß mit Bestellungen behelligt zu werden. Das Arrangement ist für beide Seiten sehr zufriedenstellend – gelegentlich bekommen wir sogar noch den aktuellen Spielstand zugerufen. 

 

Am Dienstag geht die Segelei schon weiter – nur 36 sm sind vorbei am Point de Penmarc’h und dem beindruckenden Leuchtturm „Eckmühl“ quasi um die Ecke nach Benodet. Der Wind kommt auch so langsam in Fahrt – mit NW 5 müssen wir die letzte Stunde bis zur Flußmündung „L’Odet“ noch hoch ran. Hatten wir uns bei den anfänglich achterlichen Winden noch recht luftig angezogen, müssen wir uns für die letzten Meilen doch wieder „anplünnern“. Eigentlich hatten wir hier auf mehr sommerliche Temperaturen gehofft, aber der beständige Wind aus Nord mit Tendenzen aus West oder Ost vertreibt wohl die Wärme auf’s Meer. Den Delfinen macht die Kälte nichts, schon wieder haben wir in der Bucht von Audierne Besuch von ca. 10 springenden Flippern. Herrlich kann ich nur sagen!

 

Benodet selber ist eher ein ganz normaler Badeort, vielleicht vergleichbar mit Laboe (?). Der Strand mit dem klaren, türkisfarbenem Wasser und der leichten Atlantikdünung macht den Vergleich jedoch schnell zunichte – der Sandstrand ist eindeutig schöner. Wie immer bummeln wir durch den Ort, nachdem die freundliche Hafenmeisterin uns unser Liegegeld abgenommen und uns die Codes für den Stegzugang und Toiletten gegeben hat. Abends gibt es dann leckeren Blumenkohl, mit Speckwürfeln in holländischer Mehlschwitze.

 

Am Mittwoch, 1.6.2016 holen wir das erste Mal in diesen Wochen unsere Klappfahrräder raus. Die Landschaft erscheint nur gering hügelig, so dass wir uns einen kleinen Ausflug zutrauen. Leider haben wir nur eine sehr grobe Karte zum Wandern aus dem Hafenbüro mit und wir radeln  den einen oder anderen Hügel vergebens nach einem schönen Ausblick rauf. Auch das sogenannte „Mer blanche“, eine lagunenartige Einbuchtung an der Küste mit einer flachen 2km langen Düne, war doch ziemlich wenig „weiß“ oder anderweitig beeindruckend. Dafür schmeckt der/das flambierte Crepe mit Vanille-Eis, Schokoladencreme um so besser, desto mehr die Oberschenkel zum Schluß brannten.

 

Concarneau  - auch eine der Hochburgen französischer Segeltradition heißt das Ziel für Donnerstag, 2.6.2016. Der Himmel ist leider wie gestern grau und viele Fotos machen wir daher nicht.

 

Die Altstadt ist berühmt und wir besuchen diese selbstverständlich. Manfred zieht dann allerdings  schnell in das kleine maritime Museum und ich besuche in aller Ruhe die vielen Souvenir-Läden und Boutiquen.  Während wir anschließend noch an der Küste entlangbummeln und auch einen Zeh ins Wasser stecken (brrh, immer noch zu kalt), beobachten wir die ganze Zeit die Replik eines hiesigen Sardinen-Kutters, der in der Bucht hin- und hersegelt. Alles an Segeln ist gesetzt und bietet einen schönen Anblick. Als wir abends dann zurück auf unseren Steg gehen, spreche ich den Skipper an und verteile aufrichtige Komplimente für das schöne Schiff. Umgehend habe ich ein bretonisches Bier in der Hand und auch Manfred gesellt sich zu uns. Wie sich herausstellt, macht der Skipper (namens Pascal) Ausbildungsfahrten mit der Crew, die zumeist alle selbst Segler, jedoch mit der traditionellen Art des Segelns nicht so vertraut sind. Aus diesem netten Gespräch ergibt sich eine Einladung von Pascal, uns mit zu sich nach Hause zu nehmen.  Wir wollten zwar eigentlich gleich Essen gehen, aber eine Stulle tut’s denn auch mal. Pascal holt uns mit seinem Auto ab und seine ebenso nette Frau Ruth öffnet die Tür zu ihrem schmucken Anwesen. Wir verplaudern den Abend bei Wein und Bier und werden anschließend sogar wieder zu Auriga zurück gefahren. Da Ruth aus Deutschland ist, Pascal ein verständiges (für unsere Ohren lustiges) Englisch spricht, ist die Verständigung auf Englisch, Französisch und Deutsch bunt – wir erfahren viel über das spannende Leben der beiden, die nun in Rente sind. Von Ruth erhalte ich den Tipp, den Wochenmarkt am Freitag nicht zu verpassen.

 

Leicht müde um die Augen besuchen wir Freitag Morgen um 9 Uhr den in unmittelbarer Hafennähe aufgebauten Wochenmarkt und die hübsche Markthalle. Leckere Sachen wandern in unseren Rucksack und die Kunst der Selbstbeherrschung ist hier besonders gefordert. Ebenso folgen wir dem Tipp von Ruth und Pascal, ja nicht das Archipel von Glenan „rechts“ liegen zu lassen. Zwar ist die hochnebelartige Bewölkung auch heute noch vorhanden und nur 5-7kn Wind, aber wir machen uns gern auf die ca. 10sm, um diese flache Inselwelt zu besuchen. Auriga macht beim Kurs „halber Wind“ immer noch 3-4 kn Fahrt, was uns immer wieder erstaunt. Noch mehr erstaunt uns die 2stündige Begleitung von 7 Delfinen, die nicht müde werden, unser Schiff zu durchtauchen und sich von der kleinen Bugwelle beim Einsetzen in die Welle „massieren“ zu lassen. Höchstwahrscheinlich – so mutmaßen wir – sind das alles Delfingeschwister und deren Freunde, die ihrer Mutter ausgebüxt sind und beim Heimkommen ordentlich Schimpfe und Hausarrest kriegen, hmh?!

 

Als das Wasser denn flacher wird, verlässt uns die verspielte Bande und wir sind mit der Navigation durch das flache Sand- und Felsenlabyrinth gut beschäftigt. Sobald wir uns für einen Ankerplatz entschieden haben, geht’s mit dem Dingi an den Strand der Mini-Insel Penfret. Hier hat nur eine flächeneinnehmende Segel- und Surfschule ihren Platz – weitere Bewohner sind nur die unzähligen Kaninchen und Möwen. Diese Inselwelt muss bei Sonnenschein ein Traum sein, da der Boden aus Sand besteht und kaum mehr als 5 m Wassertiefe hat. Schade auch, dass wir zwar ruhiges Wetter aber eben keine „Beleuchtung“ haben. Sollten wir noch mal wieder in dieser Gegend sein, werden wir die Glenans bestimmt wieder besuchen.

 

Auch am Samstag, 4.5.2016 ist der zähe Hochnebel nicht gewichen. Kein Wunder, wir haben ja auch keinen Wind. Uns zieht es heute denn doch weiter zu r „Belle Ile“. So motoren wir bei ziemlicher Kälte die 40 sm und kommen endlich mal dazu (haha) in Ruhe unsere Bücher zu lesen. Selbstverständlich halten wir dabei regelmäßig Ausschau nach Fischertonnen, Fischerbooten oder …. Delfinen!

 

Wir freuen über Eure Begleitung!

 

Auriga

 

Manfred + Ute

 

Belle Ile & Biskaya Bezwingung

Um 16 Uhr kommen wir in dem pittoresken und quirligen Hafen „Le Palais“ auf der Belle Ile an. Unterhalb der beeindruckenden Festung des französischen Feldherrn Vauban befindet sich eine kleine, schnuckelige „ecluse“, die sich unversehens für uns öffnet. Gemeint ist damit eine Fußgängerbrücke, die ähnlich wie in Holland funktioniert. Wir werden vom Hafenmeister in seinem Dinghi längsseits an die Stadtpier dirigiert und bugsiert (wie im Mittelmeer meist üblich hat sich diese Sitte hier wohl auch eingeschlichen).  Im Laufe der nächsten 2 Tage sehen wir dann, dass es bei den vielen einlaufenden Schiffen und der Enge des Hafens doch häufig auch notwendig ist.

Zügig haben wir bei der freundlichen Hafenmeisterin bezahlt und uns alle notwendigen Informationen besorgt. Wir bummeln durch die wirklich schöne und historisch anmutende Innenstadt. Auch hier hat noch so manches Geschäft mit dem Hinweis auf die Hauptsaison im Juli und August geschlossen. In einer Fotogalerie sehen wir ein tolles, gerahmtes Fotobild, welches sich sehr gut an unserem Hauptschott im Schiff machen würde. Das ganz Große kostet jedoch inkl. Rahmen rund 1.000 Euro und das kleinere für nur 78 Euro ist denn wieder zu klein, um noch zu wirken. Die Suche geht also weiter.

 

Der Sonntag, 5.6. weckt uns mit herrlichem Sonnenschein. Schnell wird gefrühstückt und dann leihen wir uns tatsächlich Fahrräder mit Elektro-Unterstützung aus (neue Wortfindung meinerseits: „avec accelerateur“). Wie uns die Dame im Touristenbüro nämlich abends zuvor versicherte, ist die Insel sehr hügelig. Sie hatte recht! Mit unseren kleinen 6-Gang Klapprädern wäre ich spätestens nach 3 km umgedreht. Und Manfred, der zunächst ein normales Fahrrad ausleihen wollte und sich schlussendlich von mir überreden ließ (reiner Eigennutz, sonst hätte ich ja auf jeder Anhöhe auf ihn warten müssen „haha“) hat die Akkuunterstützung denn am häufigsten eingesetzt. 100 km sollte die Reichweite sein, dass wollte er denn auch ausnutzen, obwohl das Aufladen der Akkus  doch mit französischem Atomstrom von statten geht. Tja, so schnell kann man seine Überzeugung vergessen….

 

Wir folgen dem ausgeschilderten Rundweg nach Norden zum nächsten kleinen Hafen „Sauzon“. Die Inselränder sind schluchtenreich, wild verwuchert und zum Teil bewaldet. Eine herrliche Wildnis, wenn man von den zumeist asphaltierten Wegen absieht. Je länger wir fahren, umso begeisterter sind wir von der Landschaft und von unseren tollen Elektro-Fahrrädern. Dabei scheint die Sonne und die Bienen und Hummeln summen in den Wildwiesen. Gegen Mittag kommen wir in Sauzon an und sind von diesem schnuckeligen Ort auch total begeistert. Daher gibt es direkt am Hafen einen Kaffee und wir fahren frisch gestärkt weiter zum Anwesen der berühmten Schauspielerin Sarah Bernhard. Dass die gute Frau einen kleinen Spleen hatte, sieht man beim Anblick ihres „Forts“. Es steht so exponiert an der hohen und zerklüfteten Steilküste im Norden, dass zur damaligen Zeit das Hinkommen recht mühsam gewesen sein muss. Sie hat dann wenige Jahre später ein 2. Haus bauen lassen, welches etwas geschützter und leichter zu erreichen war.

 

Nachmittags erholen wir uns an dem großen Strand „Donnet“. Hier donnern die Wellen selbst bei  Niedrigwasser auf den Sand, so dass die Wellenreiter/innen sich berufen fühlen, sich immer wieder in die Fluten zu stürzen. Wir stellen uns nur kurz in das saukalte Wasser rein und legen uns anschließend schön in die Sonne :-)

Weiter geht die Radfahrt zum westlichsten Punkt der Insel. Auch hier gigantische Felsen, Schluchten und Steilküste. Die lange Anna von Helgoland wäre hier ziemlich albern anzusehen zwischen all‘ den Felsnadeln, die es hier so gibt.

Erst gegen 18 Uhr kommen wir wieder zurück und sind erledigt. Geschätzte 40 km sind wir geradelt und der Akku hat sogar bei Manfreds Ausnutzung super durchgehalten. Anstrengend war es trotzdem. Die „Belle Ile“ trägt ihren Namen zu Recht, so befinden wir!

 

Abends gehen wir in eine Kneipe mit Wi-Fi und schauen uns den Wetterbericht der kommenden Tage an. Hier fällt der Entschluss, am Dienstag die französische Küste zu verlassen und bei (noch) ruhigem Wetter die Biskaya zu überqueren. Zwar dauert die 400 sm lange Überfahrt etwas länger bei wenig Wind, eine ruhige Überfahrt ohne Starkwind ist uns der „Preis“ wert.

 

 In Le Palais wird am Montagmorgen frisch eingekauft, Wasser gebunkert und ich bereite Gulasch im Schnellkochtopf vor. Der Rest des Tages wird mit einer Busfahrt in den Süden und zum „Grand Sables“ (Großer Sandstrand) vertrödelt. In südlichsten Ort der Insel namens Locmaria steht nur eine Wallfahrtskapelle, die uns jedoch nicht wirklich begeistert. Gut, dass wir mit dem Fahrrad den Norden abgeradelt haben. Was jedoch noch aussteht, ist eine Wanderung an der Küste entlang. Das nutzen hier zu dieser Jahreszeit schon viele Wanderer. Der Küstenwanderweg muss fantastisch sein und bietet uns Vorsätze für das nächste Mal – hoffentlich nicht in allzu weiter Ferne.

 

So und dann ist der Tag gekommen: am Dienstag, 7.6. um 7.30 Uhr laufen wir aus. Mit frischem Baguette und Rosinenschnecken versorgt, geht es raus auf See – jetzt in „Echt“, da wir ja bislang nur Küstensegelei betrieben haben. Manfred hat dieses Wetterfenster ausgesucht und ich muss sagen, er hat seine Wahl gut getroffen. Bis auf eine Nacht mit Regenschauern und gelegentlichen, kleinen Böen verläuft die Überfahrt ohne besondere Vorkommnisse. Knapp 4 Tage und 3 Nächte wird die Überquerung dauern, die ihr hier in der Kurzfassung berichtet bekommt.

 

Besuch und Wacheinteilung:

Wir werden sehr häufig von Delfinen besucht – sogar einmal nachts ziehen diese wendigen Tiere ihre Leuchtspur vor unserem Bug durchs Wasser – magische Momente selbst für Nichtromantiker! Meine Wache beginnt nach dem Abendessen so zwischen 18 und 19 Uhr und gegen Mitternacht wecke ich Manfred mit frisch aufgebrühtem Kaffee. Dann sitzt er ganz allein im Cockpit und muss auf uns aufpassen. So gegen 5 Uhr werde ich dann wieder rausgerufen. Mit einem „echten“ Sonnenaufgang sind diese Morgenstunden trotz der Müdigkeit recht schön. Wenn der Himmel jedoch bewölkt ist, ist meine Laune eine ganz andere…!

Tagsüber vertrödeln wir die Zeit mit Lesen und dem Ratespiel „black stories „ (Tolles Geschenk, liebe Gaby!). Sogar zum Staubsaugen und Messingputzen finden wir die Lust und die Gelegenheit, als wir mal etwas ruhigen Seegang haben. Für einige unserer Leser mag das merkwürdig anmuten, aber man hat tagsüber ja auch mal Langeweile und im Schiff sind die Haar- und Wollmäuse sehr fleißig dabei, sich zu vermehren. So nutzt man eben die Zeit auf See, statt diese ungeliebten Aufgaben im Hafen zu erledigen, wo man dann vielleicht viel lieber Bummeln und Kaffeetrinken geht.

 

Die Nächte – immer eine Herausforderung:

Ich komme noch nicht so gut mit dem wenigen und schaukeligem Schlaf klar und  hole diesen dann tagsüber nach, während Manfred mit seinem Schlaf ab 19 bis 0 Uhr und dann von 6 – 10 Uhr sehr gut auskommt. Am blödesten für den Einschlafversuch ist die Rollerei bei Dünung, wenn zu wenig Wind die Segel füllen kann. Aber mit unseren Kojen im Salon, die beide ein Leesegel haben,  ist es auszuhalten. Und wie mir alle voraussagten, die bereits eine längere Seereise gemacht haben, in der 3. Nacht klappt es auch … mit dem Schlafen. Die Nächte sind übrigens pickenpackendunkel – der Mond ist momentan nur eine kleine Sichel und geht recht schnell wieder schlafen. Hin und wieder haben wir Nebelfelder und während man so ins Nichts starrt, sind die bekannten Gruselfilme (mein schlimmster Film war „The Fog“!) doch wieder recht präsent. Zum Glück hilft da das Radar weiter – allerdings spare ich mir hier das Tuten, weil alle anderen Schiffe lt. AIS mindestens 10 sm weit weg sind.

 

Segel- und Motorvergnügen:

Die Tage vergehen abwechselnd mit Motoren (bäh) und Leichtwindsegeln. Wir sind bass erstaunt und das immer wieder, mit wie wenig Wind dieses doch recht schwere Schiff sich vorwärts bewegt. Alles über 3 kn Geschwindigkeit ist auch für den Autopiloten noch gut steuerbar. Darunter wird’s dann schwierig und auch die Segel ballern, knallen und schlackern im Seegang. Seegang ist auch ein Stichwort: für mich eine absolute Premiere, 2-3 m hohe langgezogene Dünung bei wenig bis gar keinem Wind sind echt beeindruckend. Wie mag das es noch weiter draußen auf dem Atlantik sein?!

 

Ola – Spanien:

Als besonders schön werde ich den ersten Anblick der spanischen Nordküste in Erinnerung behalten. Wenn es in Frankreich schon hohe Felsen gab, so kann man von dieser Gegend mit Fug und Recht behaupten, dass es sich hier um Gebirgszüge handelt. Der Seegang beim berüchtigten „Cap Finisterre“ ist allerdings fürchterlich, sogar bei nur 2-3 Windstärken. Auf den letzten Seemeilen bis zum geschützten und bei allen Wettern anzulaufenden Hafen „Muros“ wird es denn doch noch richtig sportlich mit 5 Windstärken und ziemlich konfuser See. Aber Manfred meistert auch das letzte Seestück souverän, während ich mit Kopfschmerzen unten im Salon liege.

In der Marina von Muros werden wir von „Pedros“ in Empfang genommen. Ein Hafenmeister, wie man ihn sich wünscht. Einer der wenigen, der wirklich weiß, wie man mit Leinen umgeht, spricht fließend Englisch und hat dabei jede Menge Schalk im Nacken. Trotzdem vermittelt er uns zügig und vollständig die für uns wichtigen Informationen. Insbesondere die Formalitäten werden hier in Spanien wohl noch recht ernst genommen. Sämtliche Schiffpapiere und Personalien sind mitzuteilen – nicht nur dem Hafenmeister, auch die zwei Zöllner, die unvermittelt auf dem Steg stehen, wollen diese Informationen von uns wissen. Uff, aber es geht recht zügig und ohne Durchsuchung vonstatten. Bemerkenswert finde ich, dass nur einer der beiden Zöllner ein Basis-Englisch spricht und versteht.

Nachdem wir also alle Formalitäten erledigt und die tolle Dusche hier genossen haben, suchen wir eine Tapas-Bar. Wie uns Pedro prophezeite, spricht hier in Galizien keiner der Einheimischen Englisch oder versteht selbiges. Das wird lustig. Wir finden in der kleinen, verwinkelten Innenstadt ein Lokal und lassen uns mit Händen und Grimassen erklären, was das da alles zu bedeuten hat auf der Speisekarte. Die Hälfte der Tapas fällt schon mal raus, weil es sich um Muscheln, Tintenfisch und Gambas handelt – alles nicht unser Ding. So bleibt uns nur, Tortilla (Rührei mit Kartoffelscheiben!), Kroketten, Fleischspieß und Chorizowurst, gereicht mit leckerem Weißbrot zu bestellen. Wir probieren alles und finden es genießbar.

 

Dann lernen wir noch den Einhandsegler Hans kennen, der es seit Mai 2016 mit seinem Boot „Snowball“ 3 Monate bis in die nächstgelegene Bucht „Arosa“ geschafft hat und sich morgen mit Südwind auf den Heimweg macht. Er hat zumindest einen Spanischkurs belegt und hilft uns ein wenig bei der Bestellung und anschließenden Bezahlung. Die ältere Spanierin, die uns bedient, ist zum Glück auch eine der mütterlichen Sorte und findet uns lustig. So wird Manfred sogar genötigt, den Rest Tortilla mitzunehmen, weil er anscheinend so unterernährt daher kommt (kann mir nicht passieren „lach“).

 

Samstag, 11.6.2016 und wir können ausschlafen! Toll. Bei Sonnenschein frühstücken wir in aller Ruhe und beobachten, wie ein ebenfalls gestern eingelaufenes holländisches Eignerpaar  schon seine Wäsche aufhängt. Hmh, die haben wohl einen besseren Wetterbericht als wir, denke ich mir so. Und sie sollten Recht behalten. Wir müssen unsere Wäsche nach 2 Wochen auch mal wieder durchspülen und trotz Trockner (die nie richtig dolle funktionieren), geht die Challenge mit dem Wäschetrocknen in die nächste Runde. Nur, heute verlieren wir. Zum Glück halten die Ikea-Tüten dicht und wir warten, bis es wieder trocken wird. So what – wa?

 

Zwischen den Waschgängen wandeln wir durch das verwinkelte Muros, bewundern die vielen echt romanischen Kapellen und Kirchen (etwas) und finden in einer Pastelaria richtige Kalorienbomben. Läcka – wie der Schwede sagen würde.

 

Morgen zockeln wir dann in aller Ruhe weiter die spanische Küste mit den vielen, an Norwegen erinnernde Fjorde, runter. Dabei wird das Wetter in den kommenden Tagen nicht sooo schön sein. Trotzdem genießen wir das spanische Ambiente, die vielen freundlichen Menschen auf der Straße und die prächtigen Ausblicke hier.

Bleibt bei uns auf unserer Reise  - wir freuen uns auf Eure Kommentare!

Hasta luego (oder so)

Auriga

Manfred + Ute

 

PS.: Ein ganz herzliches Danke Schön an alle bisherigen Kommentatoren. Das Antworten auf jeden einzelnen Beitrag ist nicht so einfach (Internet), aber wir freuen uns über jede Resonanz!

Buchtentingeln in Galizien

Alt aber hübsch: Gouverneur's Palast in Vilagarcia
Alt aber hübsch: Gouverneur's Palast in Vilagarcia

Ria Arousa / Vilagarcia: Schlechtwetter ist angesagt

Und es wurde schlecht, das Wetter! Sonntag legen wir in Muros ab und erleben einer der ekeligsten Seestrecken der vergangenen 6 Wochen. Nieselregen, keine Sicht auf irgendetwas und zunehmend SW 4-5. Wir sind nur 34sm in die nächsten „Bucht“ bzw. dem nächsten Flußlauf, dem Ria Arousa in Ribeira gesegelt. Es dauert einen sehr, wenn man weiß, wie schön diese Küste und die Flußeinschnitte bei Sonnenschein sein müssen. Es ist sooooo ungerecht… hilft aber nichts. Der Hafen von Ribeira wie auch die Ortschaft kann man getrost vergessen. Viele, viele Fischtrawler, Fischgestank und die entsprechenden Fabriken bestimmen das Hafenbild. Im Ort selbst zum Teil völlig verkommene und zu ihrer Zeit einmal wunderschöne Häuser neben billigst und hässlich gebauten Hochhäusern. Zugegeben, bei Sonnenschein wäre es sicherlich erträglicher. Als ich aber noch mit ansehen muss, wie eine Möwe eine Taube mit Ihrem Schnabel in den Nacken schlägt und sie sodann zerrupft, ist bei mir die Laune auf einem echten Tiefpunkt angekommen. Wir essen an diesem Abend vegetarisch: Nudeln in der Pfanne mit Ei gebraten und ordentlich Ketchup! Das war zu meinen Studienzeiten das günstigste und sättigenste Essen und selbst Manfred ist davon zu begeistern.

 

Gut, dass wir noch kurz vor der Abreise einige DVD’s besorgt hatten: an diesem Abend kommt „House of Cards“ zur Geltung. Der Wetterbericht sagt für die kommende Woche auch hier in Galizien viel Regen und Wind voraus…. Wird es so eintreffen?

 

Montagvormittag am 13.6.2016 ist das Wetter und vor allem die Sicht auf diese bestimmt wunderschönen Berge (andere würden sagen hohe Hügel :-) ) immer noch nicht gegeben. Wir legen trotzdem ab, um diesem tristen Ort gegen Vilagarcia de Arousa zu tauschen. Dieser liegt nur 10 sm südlich in derselben Ria und bietet ein komplett anderes Ambiente. Eine schöne Uferpromenade, ein schickes Hafengebäude und eine interessante, geschichtsträchtige Innenstadt bei immer sonnigerem Wetter zaubern uns an diesem Tag wieder ein Lächeln ins Gesicht. Wir machen die Klappräder klar und folgen dem ausgeschilderten historischen Weg zu einigen hübschen Parks und alten Kirchen. Dann geht es die Uferpromenade bei Sonnenschein und mit Rückenwind entlang nach Carril. Der Rückweg führt uns durch „Weinberge“ zurück.

 

Zwischen all‘ unseren Aktivitäten versucht Manfred, im Internet die Erlaubnis für einige Naturparks – zumeist vorgelagerte Inselgruppen – zu erhalten. Nicht nur eine Segel-, nein auch eine Ankererlaubnis muss man sich durch Passworteingaben und diverse Online-Formulare durch erarbeiten. Bisher haben wir die Segelerlaubnis in der Tasche, nun fehlt natürlich noch die Permission zu ankern. Mal schauen, ob das klappt.

 

Den Montagabend verbringen wir mit einem englischen Eignerpaar einer großen Jeaneau namens „Prettiest Star“ und deren frisch eingetroffene (erwachsene) Söhne in einer gemütlichen Tapas-Bar. Zum Glück spricht einer der Söhne fließend Spanisch und wir können uns aus der reichhaltigen Speisekarte wirklich die Sachen auswählen, die wir mögen. Jeder darf vom Gericht des Anderen probieren und nebenbei unterhalten wir uns über die anstehende Volksentscheidung zum Brexit, Flüchtlingspolitik in Europa und ähnlich schwierigen Themen. Um es vorweg zu nehmen: der Abend endet friedlich! Ich habe mir allerdings vorgenommen, mein Englisch mal etwas aufzubessern und Spanisch könnte ich auch zumindest als Basic lernen.  Tolle Vorsätze für den Winter?

 

Dienstagmorgen erleben wir dann die angekündigte Schlechtwetter-Front. Es regnet heftig alle Nase lang und der einlaufende Schwell in den Hafen lässt sogar Auriga schaukeln. So verbringen wir den Vormittag mit einer kleinen Shopping-Tour in der Innenstadt. Eines war für uns aber auch neu: sämtliche Geschäfte machen von 14 bis 17 Uhr dicht. Selbst die meisten Supermärkte haben geschlossen. In südlichen Ländern habe ich dafür ja durchaus Verständnis aber hier im Norden, wo es momentan eher wie in Hamburg schüttet?! Nun denn, wir passen uns einfach mal an und machen auch eine Siesta am Nachmittag. Der Abend wird bei prasselndem Regen auf den Fensterluken mit Decke unter Deck am LapTop verbracht.

 

Santiago de Compostela lautet das Ziel vom 15.Juni. Es regnet und weht noch mehr als gestern, so dass wir den Hafentag für dieses Weltkulturerbe nutzen möchten, obwohl wir für die damit verbundene Religiösität und dem katholischen Goldlametta eigentlich nicht viel übrig haben. Aber wenn der Zug von Vilagarcia de Arousa bis Santiago nur 20 Minuten braucht, sollte man sich diesen Ort wohl nicht entgehen lassen. Viel ist schon darüber erzählt und geschrieben worden und viele sind begeistert. Um es kurz zu machen: wir nicht. Sicherlich hängt es auch mit dem garstigen Wetter zusammen und damit, dass wir uns nicht warm genug angezogen hatten. Nichts desto trotz, wir waren da und werden den Besuch nicht wiederholen…auch wenn die Altstadt außerhalb der Souvenirläden ganz nett ist.

 

Zurück an Bord gibt es erst einmal eine Kanne voll „Zimt-Zicken“ Tee vom Cafe Sünnschien aus Kollmar.  Mein Retter in jeder Lebenslage! Danach fühlen wir uns im Stande, sogar noch zu staubsaugen und Wasser zu bunkern. Ach und als Abendessen gibt es Frikadellen mit Kartoffel-Pü und selbst gepuhlten Erbsen. Nun ist die Welt (nicht aber das Wetter) wieder in Ordnung.

 

Etwas üppig geraten was?
Etwas üppig geraten was?

Sommerwetter... endlich!

Der Donnerstag zeigt auch wieder besseres Wetter. Wir laufen aus und segeln eine Ria weiter: die Ria Pondevedra. Hier laufen wir den Hafen von Sanxenxo ein  - nein, das liegt nicht in China. Von hier aus haben die Spanier wohl für das Volvo Ocean Race ihre Kampagne mit „Mapfre“ organisiert. Auf jeden Fall liegen hier jede Menge J70 aber auch riesige Motoryachten (viele zum Verkauf Haha!).

 

Der Ort selbst zieht sich um eine wunderschöne Bucht, die wir selbstverständlich zu Fuss ablaufen. Ab der 2. Reihe dann nur noch Ferienappartements. Aber die Waterside ist echt schön mit einigen Geschäften, Tapas-Bars, Eisdielen und sogar Frozen Yohgurt gibt es hier. Abends genießen wir noch einen Cocktail mit Blick auf die gegenüberliegende Küstenseite dieser Ria und mit einem Auge beim Fußballspiel Deutschland gegen Polen. Letzteres haut uns nicht vom Hocker.

 

Das Wetter wird wirklich endlich Sommer. Wir verholen uns in eine kleine Bucht, die für den Nachmittag zum Ankern und Beachen völlig ausreicht. Abends haben wir dann eine echte sightseeing –Segeltour die Küste entlang in die Ria de Vigo. Gleich um die Ecke hinterm Leuchtturm macht sich eine tolle und weitläufige Bucht auf. Abends weht es hier mit guten 5 Windstärken, aber das ist nicht der Grund für die fast allgegenwärtige Atlantikdünung, die hier an den Küsten und in Rias ihren Tod findet. Manfred erklärt mir, dass Schwell und Windstärke nix miteinander zu tun haben. Somit geht der Anker für den Samstag am 18.6. in der Bucht von Nerga auf Tiefe. Wir sitzen völlig fasziniert von der Schönheit dieser Landschaft und der Bucht im Cockpit.

 

Am nächsten Morgen gibt’s eine Premiere: Manfred probiert das von Jörn zur Verfügung gestellte Tauchequipement aus. Dies besteht aus einem Luftsack, den man mit einer Pumpe permanent füllt. Aus diesem Luftsack geht ein ca. 4 m langer Schlauch mit einem Mundstück zum „Taucher“, der somit nicht immer zum Luftholen an die Oberfläche muss. Das Wasser ist kalt, aber wenn die Neugier siegt, gibt es kein Zurück! Manfred taucht runter zum Propeller und auch zum Kiel. Es gibt nichts zu meckern – da unten ist Auriga topfit und sehr sauber geblieben. Die „Tauchausrüstung“ reicht aus – so Manfred, um im Notfall am Propeller etwas arbeiten zu können. Tiefer als 2 m reicht der Luftdruck im Schlauch jedoch nicht aus, um genügend Sauerstoff zu transportieren.

 

Und so geht es eigentlich auch die nächsten Tage weiter. Wir tingeln mit einem Zwischenstopp in Vigo (Marina Real Nautico de Marina ist äh, die Stadt sehr schön) von einer Ankerbucht zu nächsten. Als besonderes highlight erweisen sich die Inseln „Cies“, die als Naturpark gelten und für die Manfred 2 Wochen lang im Internet gekämpft hatte. Nun haben wir die Ankererlaubnis und selbstverständlich nutzen wir diese. Ich hatte mir am Sonntagabend das Schienbein beim Abrutschen von der Scheuerleiste aufgeschlagen, somit war Baden nicht angesagt. Dafür wandern wir auf der Hauptinsel die gut ausgebauten Wege hoch zu besonders schönen Fels-/Steinformationen. Auch diese Inseln wurden bereits in der Steinzeit besiedelt. Der Strand ist übrigens voll – nicht nur mit sehr losem Sand sondern mit zig hunderten von Menschen, hauptsächlich junge Leute. Haben die alle schon Ferien oder sind das Schulausflügler? Wir wissen es nicht. Die Hauptinsel wird auf jeden Fall von vielen Katamaran- Fähren angefahren und bringt die Menschenmaßen abends alle wieder nach Hause. Schade nur, dass es abends immer so auffrischt und kalt wird, sonst hätten wir uns doch tatsächlich noch mal ins Dingi geschwungen und einen Sun-downer am Strand verhaftet.

 

Am Dienstagmorgen motoren wir nur 1 sm weiter zur südlich gelegenen Insel. Hier haben wir den Strand ganz für uns alleine. Das Wasser schimmert türkis, der Strand ist weiß und die Bäume wachsen dicht. So geht es erneut mit dem Dingi auf Erkundungstour und für 2 Stunden an den Strand. Unsere Haut ist immer noch nicht an die starke Sonne gewöhnt und wir passen höllisch auf, dass wir uns nicht verbrennen.  Da auch hier die Dünung wieder zunimmt, fahren wir am Nachmittag weiter. Es geht nach Baiona. Das ist ein hübscher und geschichtsträchtiger Ort. Wir liegen hier direkt unterhalb der Festung Monterreal und mit Blick auf den Nachbau der Pinta, eines der 3 Schiffe von Kolumbus von seiner Reise nach „Amerika“ wieder zurückgekommen. Der Käpt‘n Pinzon hat es mit seinen rund 30 Mann Besatzung in dieser Nussschale doch tatsächlich über den Atlantik zurück geschafft. Seekrankheit, schlechtes Wasser Skorbut und diverses Ungeziefer müssen den Seeleuten damals echt zugesetzt haben. Was trieb diese Menschen damals dazu, sich mit solchen „ Karawellen“ auf ins Unbekannte zu machen, möglicherweise von der Erde zu fallen und zumindest gezeichnet fürs Leben zurück zu kommen? Es ist uns ein Rätsel. 

 

Hier soll auch unser Päckchen angekommen sein mit der neuen SIM-Karte für Manfred. Im Prepaid-Modus unterwegs sein ist richtig teuer. So freuen wir uns, als wir im bislang teuersten Segelclub an dieser Küste das Päckchen tatsächlich in Empfang nehmen können. Ein herzliches Danke Schön an die liebe Gaby, die sich die Mühe gemacht hat, sogar noch ein Begleitschreiben aufzusetzen.

 

Mitsommernacht in Baiona: Zuerst besuchen wir das Fort Monterreal und haben einen fantastischen Blick auf die anrollenden Wellen. Dann schlendern wir durch die recht gut erhaltene Altstadt mit seinen schmalen Gassen. Die Spanier sind etwas geknickt, weil sie soeben miterleben durften, wie ihre Fussballmannschaft gegen Kroatien verloren hat. Zufällig, obwohl, die gibt es ja nicht, treffen wir Gill und David von der „Prettiest Star“ wieder, die wir in Muros und Vilagarcia schon kennengelernt haben. Der Abend wird lang und auf dem Heimweg leuchtet uns ein schöner runder Mond den Steg aus.

 

Das Tauch - Manni
Das Tauch - Manni
Ausblicke und immer wieder: Auriga
Ausblicke und immer wieder: Auriga
Ute im Wandermodus ... Manni trägt den Rucksack
Ute im Wandermodus ... Manni trägt den Rucksack
Warten auf die Pinta...
Warten auf die Pinta...
Da ist sie ja schon: hat sich heimlich reingeschlichen, die alte Karawelle die!
Da ist sie ja schon: hat sich heimlich reingeschlichen, die alte Karawelle die!
1 Kommentare

Bom Dia Portugal!

Barocker geht's kaum: eine von vielen Kirchen in Viana do Castelo
Barocker geht's kaum: eine von vielen Kirchen in Viana do Castelo
Blickfang im Hafenbecken von Viana: Das Hospitalschiff für portugiesische Kabeljaufischer
Blickfang im Hafenbecken von Viana: Das Hospitalschiff für portugiesische Kabeljaufischer

22. - 28.6.2016

Unsere Neugier treibt uns weiter, obwohl Bayona sicher noch ein bis zwei Hafentage mehr verdient hätte. Wir wollen nach Portugal, genauer nach Viano do Castelo. Wie der Name schon sagt, beherrscht eine große Burg auf einem hohen Hügel die zum Teil sehr gut erhaltene und mit engen Gassen versehene Altstadt. 30 Seemeilen sind es, die wir mal motoren und mal segeln, bis es kurz vor der Flußmündung des Ria Lima, an dem Viana do Castelo mal gebaut wurde, wie blöd anfängt zu wehen. 5-6 Windstärken wie aus dem Nichts. Zusammen mit der für Portugals Häfen in den sehr engen Flussmündungen, die häufig bei hohem Seegang (aber was heißt schon hoch, wo fängt der an?!) nicht anzulaufen sind, macht mich die Situation so nervös, dass wir das Niedergangsschott einsetzen und alles aus dem Cockpit entfernen, was nicht niet- und nagelfest ist. Dies erweist sich zum Glück als überflüssig, die Nordmole reicht weit genug ins Meer rein und es ist ein sanfter Anstieg der Wassertiefe zu verzeichnen. Trotzdem: Vorsicht ist an dieser Küste geboten, haben doch schon viele Segler ihr Schiff und zum Teil auch ihr Leben bei der Einfahrt in die Hafenmündungen verloren.

Wir legen direkt im Fluß Ria an, da der Hafen bereits belegt ist, unter anderem auch von PRETTIEST STAR.

Der Bummel durch die Stadt entlockt mir Rufe des Entzückens. Wirklich schön ist es hier und lässt eine Ahnung aufkommen, wie die Fischerstädtchen früher einmal ausgesehen haben müssen. Selbstverständlich werden diese Städte von modernen Schnellstraßen, Hochhäusern und den üblichen Vorstadtsiedlungen umzingelt. Die Innenstadt mir ihren vielen, äußerst barock ausgeschmückten Kirchen, den vielen Kacheln an den Hauswänden (auch Azulejos genannt) begeistern uns. Ebenso haben wir den Eindruck, dass die portugiesische Küche uns besser zusagt, als die doch ziemlich fettigen Tapas. Trotzdem gibt es diesen Abend seit langem erst mal wieder Bratkartoffeln mit Spiegelei, während nebenan beim Public viewing ordentlich für die portugiesische Nationalmannschaft mitgefiebert (und später auch gefeiert) wird.

Der Donnerstag ist nebel- und nieselverhangen. Trotzdem heißt die Challenge: Wäsche waschen und trocken kriegen. Wir hängen die ohnehin noch ziemlich nasse Wäsche auf und hoffen, dass der Nieselregen von der Sonne besiegt wird. Dann macht sich Manfred auf, die 1955 gebaute „Gil Eannes“, ein Hospitalschiff für die portugiesischen Kabeljaufischer im Eismeer zu besichtigen. Ich bummele derweil allein durch die engen Gassen und gönne mir den superleckeren hiesigen Kaffee mit Milch (Suchtfaktor 9 auf der nach oben offenen Suchtskala!).

Dann beschließen wir, den nunmehr doch noch sonnigen Spätnachmittag für eine Fahrradtour entlang des Flusses zu nutzen. Die Wäsche flattert auch alleine im Wind und schnell sind die kleinen Fahrräder aus der Backskiste geholt. Nur leider haben wir keine Karte und wissen somit nicht, dass der im Reiseführer angepriesene Fahrradweg entlang des Flusses wohl erst erheblich weiter flussaufwärts startet. Wir strampeln uns (mal wieder) die Beinmuskeln heiß und fahren nur durch einige Vorstadtorte. Bald siegt dann sogar unsere Einsicht über unseren Dickkopf und wir kehren um. Es sei allen Nachahmern nicht geraten, an der Hauptstraße entlang mit dem Fahrrad zu fahren… lebensgefährliche Überholmanöver treiben mir einige Male den Schweiß auf die Stirn. Selbigen können wir dann am Nordstrand von Viana bei Eistee und Kuchen trocknen lassen. Es gibt eben Touren, die nur im Nachhinein einen gewissen Erinnerungswert erhalten…

Angeber-Ute: bei Sonnenschein und mit Delfinbesuch machen die Wellen nix aus!
Angeber-Ute: bei Sonnenschein und mit Delfinbesuch machen die Wellen nix aus!

Freitag segeln wir tatsächlich mit getrockneter Wäsche weiter: Póvao de Varzim soll auch ganz nett und gut anzulaufen sein, so versichert man es uns im Hafenbüro von Viana. Grundsätzlich weht an dieser Küste mindestens ab mittags ein strammer Wind aus Nord – mindestens mit 4 Windstärken, 6 sind aber auch normal. Hinzu kommt die durchaus beachtliche und nahe an der Küste auch konfuse Dünung. Heute sind es denn mal 2 m.  Ich gebe zu, mir haben die Rias in Nordspanien besser gefallen, Tapas hin oder her!

 

Dieses Mal erreichen wir eine halbe Stunde vor Ankunft der Hafeneinfahrt das Hafenmeisteramt bzw. die Hafenmeisterin, die uns versichert, dass die Einfahrt heute ganz normal möglich ist. Das tut insbesondere mir ganz gut. Póvoa de Varzim an und legen ein flottes Anlegemanöver gegen den Wind hin. Lediglich die Fender wollen immer wieder nach oben wegflutschen. Aber das regelt man denn eben zwischendurch. Hier in diesem Ort wird der Sao Joao tagelang gefeiert. Ich glaube, bei uns heißt der Tag Johannistag und dauert auch nur einen Tag. Hier werden alle Fenster geschmückt und aus vielen (!) Lautsprechern der Stadt erklingen traditionelle Weisen. Dieser Ort ist gänzlich anders als Viana – mehr ein Badeort mit Promenade, Casino und einer schicken Fußgängerzone. Auch positiv fällt auf, dass die Portugiesen die für uns ungewohnte Siesta von 14 bis 17 Uhr nicht kennen. Hier kann man ganz wie in Deutschland auch einkaufen oder eine Kleinigkeit essen gehen, ohne wie in Spanien dauernd auf die Uhr schauen zu müssen.

 

Abends geschieht dann endlich das Unfassbare: wir grillen! Seit Wochen fasele ich Manfred die Ohren voll, dass ich gerne mal wieder grillen möchte und habe vorsorglich fertig marinierte und vorgekochte Rippchen (seit geraumer Zeit) im Kühlschrank. Hier finden wir die Gelegenheit. Zugegeben ist der Ausblick auf diverse aufgebockte und zum Teil aufgegebene Schiffe nicht atemberaubend, aber die Sonne kann auch hier ungehindert ins Meer plumpsen. Dann schauen auch noch David und Gill um die Ecke mit einer Flasche Portwein und der Abend kann beginnen. Da es recht bald kühl wird, verziehen wir uns an Bord von AURIGA. Bei Kerzenschein und Portwein lässt sich herrlich plaudern.

 

Am Samstag, 25.6.2016 steht der Besuch der Stadt Porto am Fluss Douro an. Wir steigen ganz bequem in die S-Bahn in Póvoa ein und in gut einer ¾ Stunde sind wir schon da. Tolle, mit sehr viel Stuck und Schnörkel verzierte Bankhäuser, Geschäfte und Kirchen lassen uns wieder mal mit dem Blick nach oben durch eine neue Stadt wandern (daran erkennt man wohl auch Touristen?!). Am besten gefallen uns der Bahnhof mit seiner aufwändig gekachelten Warte-/Wandelhalle und das ehemalige „IHK“- Gebäude (Name habe ich vergessen). In letzteres wären wir gern gegangen, da es aber nur mit einer Führung möglich war und die anstehende auch noch in Französisch war, sind wir denn doch weiter gegangen.

 

Und dann begehe ich mit meinem Vorschlag den Fehler des Tages: Touristenbus fahren! Haben wir noch nie gemacht, sollte unsere Premiere und „Derniere“ sein. Ein gelber Bus ohne Dach, so dass die ganze Zeit die Sonne die Kopfhaut rösten kann, Erklärungen aus Knopfhörern (die nie bei mir im Ohr halten) von einem Übersetzer mit grauenhaftem Deutsch zu unauffindbaren Gebäuden und zu guter Letzt, weil es so schön ist, in sengender Hitze mitten in der Stadt rumzustehen, ein Stau. Grund ist ein Baukran, der mit seinem Hinterteil in die Straße rein ragt. Wir sind der 1. von ca. 6 Touribussen, die vor sich hinmorcheln. 3 Stunden Zeit, die wir besser hätten nutzen können,  sind dahin und wir ärgern uns gewaltig. Ich bin durstig, müde, genervt und verschwitzt. Trotzdem wagen wir uns in das Getümmel am Douro. Hier ist das Altstadtviertel „Ribeira“ und zu Wasser wie zu Lande ist an diesem Samstag alles unterwegs, was Beine hat, Haut oder Motorkraft zeigen will. Mir reicht es recht schnell und mit müden Beinen geht es steil bergauf (durch steile Gassen, haha) grobe Richtung S-Bahn Station. Na gut, wir müssen wieder hügelab und haben somit die Beine etwas umsonst angestrengt.

 

Zurück in Póvoa geht es nur noch in eine Sports Bar und die portugiesische Variante eines Burgers wird von Manfred verputzt, Francesinha heißt das und besteht aus 2 Toastscheiben, zwischen denen eine Scheibe Fleisch, eine Scheibe Wurst und Käse geschmolzen werden. Darüber wird ein Spiegelei gelegt und eine relativ schmackhafte rosa Tomatensoße  gegossen. Praktischerweise kann man damit auch gleich alle lebendigen Pommes ertränken. Wir sehen das „Gericht“ bei vielen auf dem Teller liegen. Da heute aber auch noch Portugal gegen Kroatien (?) spielt und das „Restaurant“ an Lautstärke gewinnt, machen wir uns endgültig auf den Heimweg. (Der „Hamburger“ wurde überlebt!)

 

„Sonntag sollst du ruh‘n, sprach das Huhn“ Fast so machen wir es auch. Allerdings ist die Bettwäsche mal wieder dran, ich will endlich meine Muffins backen und die Toiletten sind auch für eine gründliche Reinigung fällig. Ebenso kümmern wir uns mit einiger Geduld um den in der Bilge unterm Motoraum zusammengelaufenen Schmodder (Hauptsächlich Diesel von der SEPRA-Filterinstallation im Winter). Natürlich kommt keine Sau an diese Vertiefung ran, wir zunächst auch nicht, mit nix nicht. Dann kommt Manfred auf die zündende Idee, den Schlauch und die Pumpe von der Ölabsaugpumpe einzusetzen. Hat geklappt  auch die Muffins sind fertig. Und wir verbringen den Restnachmittag faul im Cockpit.

 

Abends sind wir eingeladen. David und Gill von der PRETTIEST STAR werden ihr Schiff hier liegen lassen, um für einige Zeit zurück nach Hause zu fliegen und wir wollen morgen 130 sm weiter nach Süden. Daher wird es ein Abschiedsabend, der uns allen nicht leicht fällt. Man gewöhnt sich schnell daran, nach dem befreundeten Schiff Ausschau zu halten und sich auf die 2 „Brexits“ zu freuen. Wir werden ordentlich mit Champagner, Käse und spanischem Schinken verwöhnt.  Dabei verplaudern und verlachen wir auch den letzten Abend. Via Facebook werden wir jedoch den Kontakt pflegen können, so hoffen wir.

 

Montag um 9 Uhr legen wir ab, setzen rückwärts zur PRETTIEST STAR und werden ein letztes Mal gegrüßt. Los geht’s auf das blau glitzernde Meer. Wir haben den ganzen Törn bis nach Peniche  beständigen Wind aus Nord zwischen 14 und 21 Knoten. Mit dem Ausbaumen des Yankees und Schoten der Fock zur anderen Seite nach außen über den Mittelpoller halten wir AURIGA damit gut in Fahrt. Es waren im Schnitt rund 6 kn, da wir ca. 130 sm (kleiner Schlenker außen rum um die Berlenga-Inseln) in 23 Stunden schaffen. Die Dünung inkl. Windsee beträgt so gefühlt zwischen 2 bis 3 m. Wäre sie gleichmäßig, gäbe es nichts zu meckern. Ist sie aber nicht. Wir vergleichen den Seegang mit der Elbemündung bei NW 6 und Gegenstrom. Tagsüber kann man die Bewegungen des Schiffes relativ gut auffangen, aber nachts… ich hopse und rolle in meiner Salonkoje trotz Leesegel wie in einer Achterbahn. An Schlaf ist fast nicht ranzukommen. Manfred kann das besser und ich beneide ihn glühend um diese Fähigkeit. Dankenswerterweise übernimmt er meine Wache aber eine Stunde früher als geplant und lässt mich bis 6.30 Uhr in meiner Koje liegen. Schön ist der Sternenhimmel ca. 20 Meilen entfernt von der Küste. Die tanzende Mastspitze mit der Dreifarbenlaterne zu beobachten, ist ein wirklich besonderer Moment und wiegt einige Widrigkeiten durchaus auf. Ob aus mir jedoch noch eine echte Blauwasser-Braut wird, stelle ich zum jetzigen Zeitpunkt stark in Frage. Die wahren Seestücke warten noch auf uns:  Donnerstag, 30.6. geht’s los nach Madeira (ca. 4 Tage) dann nach rund einwöchiger Pause weiter zu den Azoren (ca. 4 Tage) und das längste Stück von den Azoren nach Südengland mit ca. 10 Tagen werden es zeigen!

 

Aber zurück zum Dienstag, 28.6.. Nach dem wohlverdienten Frühstück geht es für Manfred erst mal in die Koje, Schlaf nachholen, derweil ich zum Hafenmeister laufe und das Anmeldeprozedere sowie die üblichen Fragen kläre (Türchip zur Marina, die hier alle! verschlossen sind, WLAN, Supermarkt und Stadtplan…) Mittags sind wir soweit restauriert, dass wir den Rucksack für einen Strandbesuch planen. Jedoch, es weht zu stark und auch sehr kalt. So treibt uns wieder mal unsere Neugier rund um die Halbinsel von Peniche. Die zerklüftete Steilküste mit tosender Brandung fasziniert uns. So wandern wir die Straßen immer an der Küste lang, bis wir zum großen Strand von Peniche gelangen. Hungrig fallen wir in einer hübschen Strandbar über unser Sandwich und … natürlich mit Pommes und Bier her. Peniche wurde in vormaliger Zeit von 2 Forts beschützt, die durch eine Stadtmauer verbunden waren. Reste davon sind noch erhalten. Hingegen gibt es hier wie überall an diesen Küsten viele verfallene alte Stadthäuser. Und der weitläufige Fischereihafen jenseits der alten Stadtmauer ist zwar weit weg, seine Gerüche wehen trotzdem gelegentlich um unsere Nasen. Wie auch zu Hause an unserem Wohnort liegen hier die schönen und hässlichen An/Ausblicke sehr nahe beieinander.

 

Wenn ihr demnächst nun längere Zeit keine neuen Informationen in unserem Blog lesen könnt, dann begründet sich das durch unsere nun vor uns liegenden längeren Seestücke. Wir haben nicht den Ehrgeiz, den Blog via Iridium zu pflegen... Wir holen es dann beizeiten nach – versprochen!

 

Eure

 

Manfred + Ute

 

SY Auriga

 

Noch mehr Bilder

Küste auf der Halbinsel von Peniche: sieht aus wie an der Algarve oder?
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Mannis neue Freundin oder hält er sich nur gegen den Wind fest?
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Nachtrag zu Galiziens Küsten und Inseln

Madeira: 527 sm hart erkämpft

Große böse Wellen
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Am Donnerstag, den 30.6. verlassen wir um 8.45 Uhr den Hafen von Peniche mit dem Ziel Porto Santo, eine Insel vor Madeira.  Rund 530 sm auf dem Atlantik mit zumeist Wind von hinten erwarten uns . Wieviel Wind wir bekommen sollten, werden wir noch erfahren.

24 Stunden über insgesamt 4 Tage und 3 Nächte zu beschreiben, wäre etwas langweilig, für Nichtsegler allemal, für Segler wie für geübte Blauwassersegler ohnehin. Daher bekommst du, lieber Leser, einfach eine (geordnete) Zusammenfassung:

Wind

3 von 4 Tagen hatten wir satte 5 – 6 Beaufort. Die ersten 24 Stunden konnten wir mit ca. 130 ° zum Wind noch auf das Ausbaumen verzichten. Freitag um 18.30 Uhr durfte Manfred dann auf das Vorschiff und den Baum mit der Yankeeschot nach Steuerbord ausbaumen. Es folgten 3 Tage rollen vor dem Wind. Mal haben wir den Yankee eingerollt (meistens in meinen Wachen) und dann wieder etwas oder ganz ausgerollt. Wie das so üblich ist in der Seefahrt mit Rollsegeln…

Wetter

Tja, hmh, wir hatten von Sonnenschein und tollem Sternenhimmel geträumt. Was soll ich sagen, es blieb ein Traum. Sonnenaufgang erfolgte mit grauen Wolken und Nieselregen. Und auch tagsüber blieb es zumeist bedeckt. Damit war die tief blauviolette Wasserfarbe nur in kurzen Momenten zu bestaunen (irgendwie so zwischen 3000 – 5000m tief, aber ertrinken kann man ja bekanntlich auch in 2 m Wassertiefe, daher ist die Tiefe letztendlich irrelevant). Abends gab es Sonnenuntergänge, wie ich sie von der Nordsee kenne: Bedrohliche Wolken und sogar einen fetten Regenbogen. Nachts dasselbe Trauerspiel, so dunkel ist es nicht mal im Keller meiner Oma gewesen. Den Sternenhimmel haben wir partiell und für wenige Minuten sehen dürfen. Wir waren echt enttäuscht.

Wellen

Wir hatten durchgehend geschätzte 3 Meter hohe Wellen. Je nach Gemütslage erschienen sie auch höher, zumal sie von hinten auf das Schiff zurollten. Aber halt, es gab auch extrem unartige Wellen, die meinten, wenn sie ihren Kurs ändern und um 50 ° oder mehr versetzt zur Wellenmasse laufen, dass sie dann schneller sind. Blöd gelaufen, kann ich nur sagen, denn Auriga war im Weg! Entweder schmeißen sie das Schiff heftig auf die Seite (polter, kreisch, rausch…) oder sie fanden einen kurzen, schnellen Tod an unserer Bordwand. Das allerdings auch mit einem deutlichen Poooong. Tja, so ist das, wenn man nicht auf die anderen hören will! Ich verdanke einer dieser dämlichen-neunmalklugen Wellen einen super Parabel-Flug aus meiner Achterkoje auf den Fussboden … blind. Zum Glück ist nichts gebrochen, aber die fetten blauen Flecken kann ich momentan jederzeit gegen Manfred verwenden. Ich habe mich sehr erschrocken und bin anschließend wieder artig in unsere mit Leesegeln ausgestattete Salonkoje gekrabbelt. Gelernt habe ich daraus: nie mehr ohne Auffangnetz => Leesegel auf die hohe See.

Navigation

Ohne GPS würde ich als Blauwasser-Neuling nicht mehr fahren wollen.  Astronavigation wäre die Alternative aus früheren Zeiten. Da wir jedoch selten die Sonne gesehen haben, wäre es ein echtes Suchspiel geworden, ob wir nun Madeira oder Amerika entdeckt hätten. Wir haben den „Go to“-Punkt einfach auf kurz vor Santo gesetzt und fertig war die Navigation.

Außerdem verschafft der Plotter mit allen AIS-Daten der Großschifffahrt ein sehendes Auge in der Nacht (ohne Mond und Sterne). So kann man recht früh erkennen, ob der Dampfer mit 2, 3 oder mehr Seemeilen an einem vorbeizieht und muss nicht aus Vorsicht oder Weitsicht die Segelstellung ändern. Das ist echter Komfort. Die letzten 2 Tage auf See haben wir fast kein Schiff „gesehen“. Hoffentlich haben mittlerweile alle Segler, die sich so weit draußen rumtreiben ein AIS….

Und wenn dann noch der Autopilot (hat bei uns noch keinen Namen, aber schon längst einen verdient) so klaglos und durchgehend steuert, dann gibt’s hierzu nichts zu meckern (wehe er streikt mal!).

Segel

Anderthalb Tage fuhren wir mit gerefftem Groß, dem Yankee (etwas eingerollt) und der Fock auf Backbord-Bug. Zweieinhalb Tage und Nächte ausgebaumt. Wir sind mit dem Rollsystem sehr zufrieden…. Mit den neuen Segeln sowieso. Sogar ich kann bis zu 6 Windstärken den Yankee (langsam) wegrollen. Bei mehr Wind brauche ich dann doch Unterstützung.

Auriga-Performance

Auch wenn diese Überfahrt sehr unkomfortabel verlief, sind wir von Auriga und dem Herrn Koopmans begeistert. Es zeigt ein tolles Seeverhalten und man fühlt sich doch recht sicher. Als gemäßigter Langkieler haben wir zwar auch ordentlich Hin- und Herrollerei erlitten, mit einem Kurzkieler wäre das aber wohl unerträglich gewesen (…für mich zumindest).  Auch unter Deck erweist sich die Ergonomie als gut durchdacht. Schön ist es tatsächlich, wenn man 2 Toilettenräume hat, so kann sich die abgehende Wache bettfein und die aufkommende Wache frisch machen. Das ist echter Luxus. Auch das Kochen ging recht gut, wobei ich meinen Eintopf bzw. Gulasch aus dem Schnellkochtopfe immer wieder vorbereiten würde.  Einen Abend hatten wir beide keine Lust auf hin- und herpurzelnde Schalen, Becher, Löffel, da hat’s dann die berüchtigte Dose Erbsensuppe auch getan.

Schlafen / Wachen

Wir wechseln uns mit dem Wachdienst alle 4- 6 Stunden ab. Je nachdem, wer gerade mehr Schlaf braucht, darf dann auch mal etwas länger in der muckeligen Koje liegen (meistens ich  :-)). Bei starren Uhrzeiten setzt man sich nur unter Druck, denn auch das Wetter und die Wellen halten sich ja an keine Uhrzeit. Meistens haben wir den späten Nachmittag 2-3 Stunden zusammen im Cockpit gesessen und uns unsere Erlebnisse erzählt. Gleich nach dem Abendessen und Abwasch so gegen 19  Uhr legt Manfred sich hin. Ich wecke ihn meistens gegen 23.30 Uhr und er steht die sogenannte Hundewache bis 5 oder 6 Uhr morgens durch. Dann bin ich wieder dran. Na, so reduziert sich das Leben an Bord eigentlich auf das Wesentliche: sicher und schonend mit Schiff und Mannschaft über den Parcours zu kommen. Gern hören wir während der Wachen Musik. Meistens lese ich oder spiele hirnschonende Spielchen auf dem Tablet. So vergeht die Zeit … langsam, bis der andere seinen Dienst tun muss.

Essen

Wie bereits erwähnt, einfaches und kalorienreiches Essen vorzukochen, hat sich bislang sehr bewiesen. Gut waren auch die 6 kalten und in Zucker gewickelten Pfannkuchen. Die kann man so mit einer Hand essen und machen satt. Selbstverständlich nimmt sich jeder zwischendurch Schoki, Nüsse, Bonbons oder sogar Obst :-). Auf diesem Törn war aber selbst das Einschenken von heißem Wasser auf Fertig-Kaffee ein echtes Abenteuer… wo läuft das Rinnsal diesmal hin?!

Allgemein

Wir waren enttäuscht: vom Wetter, vom Wind und auch erwähnt werden muss, dass uns noch nicht mal Delfine besucht haben. Ich war wirklich an meine Reserven gekommen und sehr froh, als wir Sonntagabend in Porto Santo festmachen konnten. So einen Törn brauche ich echt nicht wieder und hoffe, dass uns Rasmus und Neptun für die restlichen zwei längeren Seestrecken ein bequemeres Bordleben ermöglichen werden. Wir haben genau 527 Seemeilen in 81 Stunden mit Etmalen von rund 160 absolviert. Das bedeutet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,5 Knoten.

Große unartige Welle!
Große unartige Welle!

Juchuh: Wir sind da!

Ich will endlich meine Dusche!
Ich will endlich meine Dusche!
Land, Land ins Sicht!
Land, Land ins Sicht!

Porto Santo: Vulkangestein und Sandstrand

Mehrzahl von Kaktus: Kaktusse ?!
Mehrzahl von Kaktus: Kaktusse ?!

 

Montag, 4.7.: Marina Porto Santo

 

Zum Dank für ihre tolle Leistung wird Auriga nach dem wohlverdienten Ausschlafen geputzt.  Außerdem kontrolliert Manfred die Maschine, die beim Anlegen am Abend zuvor einen anderen „Klang“ hatte, als gewohnt. Er findet schnell heraus, dass eine von den sechs Düsen defekt ist und tauscht diese aus. Die defekte Düse wollen wir auf Madeira mal zu einem Bosch Service bringen (zum „abdrücken“ wie Manni erklärt). Na gut, wenn das die Ursache war, ist das wohl nicht so schlimm, denke ich mir.

 

Nebenbei läuft das übliche Prozedere im Hafenbüro ab und zwei Säcke voll Wäsche wollen auch gewaschen und vor allem getrocknet werden. Dank der netten Dame vom Hafenbüro werden wir etwas bevorzugt behandelt, da wir morgen schon wieder weiter wollen. Sie ist so nett und schaufelt unsere Wäsche in die Maschine und dann in den Trockner. Abends holen wir kuschelig saubere Wäsche ab. Dem Team von der Marina ein herzliches „Danke schön“!

 

In Porto Santo macht sich eine komplett andere Seglergemeinschaft die Stege, das Wasser und den Strom „streitig“: Langfahrtsegler und Aussteiger. Zu erkennen am extrem relaxten und dabei sehr hilfsbereiten Umgang mit uns und miteinander. Auch die Schiffe sehen zum Teil recht abenteuerlich aus. Viele lassen ihr Schiff über Monate hier für wenig Geld. Etliche Schiffe, die aufgebockt an Land stehen, sind aber wirklich nur noch für die Schrottpresse. Schlimm ist unsere Vorstellung über die Schiffe, die hier mit gebrochenem Mast abgestellt wurden. Was mag die Mannschaft wohl erlebt haben und: wie in Gottes Namen wollen sie ein neues Rigg hierher transportiert bekommen? Wir mögen gar nicht weiter darüber nachdenken und machen stattdessen einen Bummel in die etwas entfernt liegende kleine Stadt. Zurück geht es am ellenlangen, goldfarbenen Sandstrand, der die Hauptattraktion dieser Insel ausmacht. Auch die Feriengäste und viele Einheimische wissen das zu schätzen. Wir springen abends ebenfalls kurz in die anrollende Atlantikdünung und können direkt nebenan unter die warme Dusche springen. Wer mal für eine Woche oder länger absolut ausspannen will, ist hier genau richtig aufgehoben!

 

Dienstag, 5.7.: Auf nach Quinta do Lorde / Madeira

 

Heute haben wir unerwartet eine der herrlichsten Passagen – und dass, obwohl es morgens noch mit bestem norddeutschen Nieselregen recht grau aussieht lässt. Wir segeln die 31 Seemeilen mit raumen Wind der Stärke 4, bei Sonnenschein nach Quinto do Lorde mit lachendem Herzen: So sollte auch ein Atlantiktörn sein!

 

Quinta do Lorde ist ein Postkarten-Dorf. Unterstützt von der EU haben die Madeirer hier ein 5-Sterne Resort inkl. zugehöriger Marina und Kirche (für Hochzeiten!) hochgezogen. Wir werden von 3 schmucken Herren in den Hafen begleitet, unsere Leinen werden fachgerecht angenommen und ein Dinghi wartet nur darauf, dass Manni die Box nicht trifft… passt aber. Wir werden noch auf dem Steg mit allen Vorzügen dieser Marina vertraut gemacht. Auch im Hafenbüro sitzen zwei zuvorkommende nette Damen und versorgen uns mit allen Informationen inkl. einem Madeira-Reiseführer. Wir bekommen auf Wunsch ein Mietauto vor den Steg gefahren (nee, nicht umsonst aber günstig) und können über das Hafenbüro ruckizucki die Erlaubnis für den Besuch der Ilha Deserta, ein Naturschutzgebiet, in dem man nur mit Permit ankern darf, beziehen. Klasse. Und das Ganze portugiesisch günstig! Gebongt. Abends gehen wir lecker essen im einzigen öffentlichen Restaurant hier im Resort. Man fühlt sich doch etwas wie im goldenen Käfig, aber momentan können wir den Luxus und den Service hier gut vertragen.

 

Mittwoch ist Hafentag. Wie immer gilt es wieder Wäsche zu waschen. Dann machen wir jedoch das Dinghi startklar und pöttern die gigantisch urzeitliche Lavasteilküste mit diversen kleinen Grotten ab. Leider finden wir keine passende Stelle zum Anlanden, denn gern hätten wir hier auch endlich mal geschnorchelt. Also zurück zum Hafen und mit Taschen bepackt zu einzigen Badestelle, die auch Nichthotelgäste nutzen dürfen… okay, das ist also der berühmte Haken an der ganzen Sache. Na egal, wir nutzen eine Treppe rein ins Wasser, die auch die hier ansässige Tauchschule nutzt und beschauen uns das Leben und die Steine unter Wasser. Es ist nicht sehr spannend, aber eine gute Übung für spätere Schnorchel- und ggf. auch Tauchgänge. Den Rest des Nachmittages verbringen wir in der heißen Sonne bei erfrischendem Wind im Cockpit. Es gibt kaum andere Segler hier im Hafen, nur geparkte Yachten (mit zerfetztem Sonnenschutz für die Genua und zerschlissenen Baumkleidern) und zwei riesige Katamarane, die wohl auf ihre Wochenendsegler warten. Uns passt die Ruhe ganz gut.

 

Morgen wollen wir zur Ilha Deserta und vielleicht auch dort ankern, wenn der Schwell es zulässt. Es soll auf der Insel eine endemische, giftige Spinne geben – wenn wir also nicht auf See verschollen gehen, dann sind wir möglicherweise mit solch‘ einer Spinne aneinander geraten …und das Gegengift ist noch nicht entwickelt worden! Hoffen wir auf unser Glück, welches wir bisher hatten.

 

Lasst es euch gut gehen zu Hause

 

Manfred + Ute

 

5 Tage Madeira und dann wieder raus auf die See Richtung Azoren

Madeira ist schön!

Tolle Buchten und 'Berge' hier auf Madeira
Tolle Buchten und 'Berge' hier auf Madeira

Am 7.7. legen wir früh um 8 Uhr ab und rauschen mit starker Backstagbrise die 17 sm nach Süden zur Isla Desherta. Eine gigantisch hohe Steilküste erwartet uns. Ganz klein am Fuße eines Geröllhangs befindet sich die Ranger-Station. Und tatsächlich kann man im Schutz einer niedrigen (künstlichen?) Mole eine der 3 Muring-Tonnen aufnehmen. Wir hatten einige Male wie vorgeschrieben gefunkt, jedoch alle Mann sind wech. So machen wir uns eigenständig mit unserem Dinghi auf, um die Rangerstation an Land zu besuchen. Es erwarten uns einige neuere Blockhäuser und Info-Tafeln über die Entstehungsgeschichte, die Flora und Fauna dieser einsamen Inselgruppe. Oben auf dem Plateau soll es einen Hubschrauber-Landeplatz geben – das glauben wir denn einfach mal so, zumal nichts darauf schließen lässt, dass es überhaupt einen Weg darauf gibt. Nachdem am frühen Nachmittag die Sonne auch raus gekommen ist, macht Manfred noch eine kleine Schnorcheltour, kommt aber enttäuscht zurück. Sehr viele Seeigel ab 3 m Wassertiefe und sonst ein paar kleine Fische. Zwei andere Ausflugsboote ( Segelyachten) liegen an den hinter uns befindlichen Moorings. Nachdem auch die Tagesbesucher sich von Manfred haben inspirieren lassen zu einem kleinen Sprung in das recht kalte Wasser, gehen die beiden Schiffe wieder „ankerauf“. Auch wir wollen die Nacht doch nicht hier verbringen, es weht ganz ordentlich und mittlerweile kommt auch einiges an Schwell über die bei HW teilweise unter Wasser liegende Mole. Wir ziehen uns im Gegensatz zu den Tagesgästen auf den anderen 2 Seglern gleich mal Ölzeug an, denn wir ahnen, was uns draußen erwartet, sobald wir auch nur etwas den Windschutz der hohen Küste verlassen haben. Und genauso kommt es auch: gegen Wind der Stärke 6 aus Nordwest motoren wir mit Stützgroß einen großen Bogen zurück zur Marina Quinta da Lorde. Fast 4 Stunden Salzdusche für Schiff und Skipper Manni . Schade auch, wir hatten gerade erst alles richtig schön sauber gemacht an Deck. Zurück in der Marina gibt es dann eine Süßwasserdusche auf dem Steg und natürlich auch für Auriga. Fazit für diesen Tagesausflug: es hat sich nicht wirklich gelohnt (vorsichtig ausgedrückt).

 

Freitag, den 8.7. nehmen wir einen Bus zu Hauptstadt Funchal. Die Altstadt ist wie zu erwarten voll mit Touristen, obwohl kein Kreuzfahrer im Hafen liegt, und „Anschnackern“, die uns zum Mittagessen in einem der vielen Restaurants überreden wollen. Wir ignorieren diese unangenehmen Zeitgenossen und flüchten in eine Galerie. Danach geht es weiter durch die Fußgängerzone und höher rauf zum wunderschönen Platz mit dem Rathaus und einem ehemaligen Jesuiten-Konvent. Mittagspause mit selbstgeschmierter Stulle unterm Baum schmeckt auch richtig gut. Weiter geht der Stadtbummel, bis Manfred sich magisch von einem kleinen vollgestopften Laden angezogen fühlt, der von Schrauben bis zu Tierfutter alles hat. Ein kleiner, dünner Mann versucht zu verstehen, was Manfred von ihm wünscht: eine 30iger Nuss, damit er irgendwann mal den Motor neu ausrichten kann. Mit viel Lachen, Gesten und Zeichnungen kommen wir der Sache allmählich näher. Sogar den Wunsch nach einer Schieblehre zum Ausmessen des Innendurchmessers können wir erfolgreich vermitteln. Auch 5 Unterlegscheiben mit einem Durchmesser von 20 mm werden gefunden. Toll, so ein Einkauf!

 

Später um 16.30 Uhr nehmen wir den „Schnell-Bus“ zurück zum Resort. Die Infrastruktur von Madeira profitiert enorm von den neu gebauten Schnellstraßen, die auf vielen hohen Brücken und durch lange Tunnel führt. Benutzt man die alten, gewundenen Straßen und Tunnels, so wie wir es zum Teil am folgenden Tag mit dem Leihwagen machen, kann man sich mit genügend Phantasie vorstellen, wie mühsam der Transport von Baumaterial, Lebensmitteln und sonstigem früher gewesen sein muss.

 

Abends kommt noch ein Schiff rein, ebenfalls windzerzaust und salzwassergeduscht. Es sind zwei Franzosen, die von den Azoren kommen und eigentlich direkt durch zum Mittelmeer wollten. Da ihr Wassermacher jedoch defekt ist, sind sie hierher abgelaufen und wollen die notwendigen Reparaturen hier machen. Wir laden die beiden spontan auf ein Glas Rotwein ein und erfahren einiges mehr über diese beiden Abenteurer namens Jean Louis und Francois.

 

Am Samstag, 9.7. bekommen wir unseren Leihwagen um 9 Uhr in das Parkhaus des Resorts geliefert: ein VW-Polo. Badesachen und Tagesverpflegung sind schnell gepackt und dann geht es los in den Norden von Madeira. Tiefe Schluchten, hohe grünbewaldete Berghänge und dazu ein tiefblaues Meer mit einer beeindruckenden Atlantikdünung erwarten uns. Wir wollen uns heute einen Überblick verschaffen, was zumindest den Nordteil der Insel betrifft, weil wir uns schon sehr gut mit dem Gedanken anfreunden, irgendwann per Flieger eine oder zwei Wochen Urlaub hier zu machen. Dann spätestens wollen wir auch die berühmten Wanderungen an den Levadas entlang nachholen. Hierfür fehlt uns momentan die Vorbereitung und Organisation der Transportmittel (oneway) und ich muss aufgrund meiner ausgeprägten Höhenangst passende Wege finden. Denn schon beim Autofahren in den steilen Serpentinen muss ich mich doch das eine oder andere Mal sehr zusammen reißen, obwohl Manfred absolut sicher und vorausschauend fährt. Das ist echt ätzend für uns beide. Aber besser Höhenangst als Seekrankheit was?! Mit einigen Pausen zwischendurch befahren wir die Nordküste ca. bis zur Hälfte und nehmen dann ab Sao Vincente wieder die Schnellstraße zurück (die auch spektakulär hohe Schluchten in langgezogenen Kurven mit bis zu 11 % Gefälle aufweist!) nach Quinta da Lorde.  Es gibt einen Zwischenstopp in Machica, wo wir im großen Supermarkt unsere Vorräte an Trinkwasser und Lebensmitteln für die am Montag startende Überfahrt zu den Azoren auffüllen.

 

Abends haben wir uns mit Jean Louis und Francois verabredet, das Fischerfest in Canica zu besuchen. Mit dem Leihwagen sind wir schnell, aber auch zu früh da. Auf der Bühne direkt am Meer ist noch nichts los. Es ist ziemlich windig und somit frisch, trotzdem laufen die jungen (oder die, die sich dafür halten) Chicas in der neuesten Schuhmode und mit kurzen Röckchen die Hafenmeile rauf und runter. Nachdem wir uns in einem örtlichen Lokal noch einen 2. Drink gegönnt haben, geht das Bühnenprogramm los. Eine portugiesische Sängerin sorgt für die Stimmung und mehr und mehr Menschen finden sich ein. Auch wir tanzen ausgelassen zu den Klängen, bis es Zeit für die Heimfahrt wird.

 

Sonntag, den 10.7. wollen wir faul am „Strand“ verbringen. In Calheta (Süd-West-Madeira) soll es einen künstlich aufgeschütteten Strand (Marokko-Import) geben, der gleich neben der Marina ist. Somit schlagen wir gleich 2 Fliegen mit einer Klappe. In gut einer Stunde sind wir über die Schnellstraße auch schon da. Wie immer gibt es erst mal einen leckeren Kaffee, nach dem wir mittlerweile süchtig sind. Dann stürzen wir uns in das Strandgetümmel, da an einem Sonntag selbstverständlich auch viele Einheimische und Jugendliche dieselbe Idee hatten. Wir finden auf dem gutbesuchten Strand eine relativ ruhige Stelle und machen es uns unter einem (Leih-)Sonnenschirm auf den (Leih-) Strandliegen bequem. Das Wasser ist angenehm temperiert und die Badebucht durch hohe Molen vor der starken Atlantikdünung ausreichend geschützt. So machen andere Leute also Urlaub, denken wir. Auch schön ;-)

 

Trotz Schatten ist die Sonne recht stark und wir sind nach 4 Stunden am Strand genügend durchgegrillt. Die Rückfahrt wollen wir zum Teil an der alten Küstenstraße absolvieren. Aber auch hier geht es zum Teil sehr steil und eng bergauf- und ab. Wir biegen ab Ponto do Sol also wieder auf die Schnellstraße ein. Mittlerweile haben wir auch die Klimaanlage im Auto gefunden… herrlich!

 

Abends sind wir eingeladen an Bord der Sargamatha, auf dem uns Jean Louis einen super hausgemachten Spezial-„Planters Punch“ versprochen hat. Damit hat er nicht zu viel versprochen und wir plauschen noch 2 Stunden mit ihm. Heute Abend ist aber auch das EM-Endspiel zwischen Frankreich und Portugal. Francois kann sich dem nicht entziehen und geht Fussball-gucken. Wir müssen sowieso zeitig ins Bett, da wir nur morgen ein Wetterfenster für unsere Überfahrt zu den Azoren haben.

 

Überfahrt von Madeira zu den Azoren

Am Montag, den 11.7. wird vorgekocht, noch mal etwas saubergemacht und hauptsächlich: gewartet. Wir warten nämlich auf unsere wieder aufgefüllte Gasflasche, die laut Aussage der Resort-Mitarbeiterin heute Mittag um 13 Uhr eintreffen sollte. Tja, wer das glaubt, ist naiv. Wir nämlich! Um 13 Uhr bekommen wir als Zielzeit 14.30 Uhr angesagt. Um 14.30 Uhr gehen wir dann schon reichlich genervt zum Hafenbüro, nur um zu hören, dass es wohl erst 18 Uhr wird. Da hat die gute Frau aber  nicht mit uns gerechnet: wir können echt böse werden und die Arme bekommt die volle Ladung Frust über die diversen Ausreden auch ihrer Kollegen zur immer wieder verzögerten Eintreffzeit zu spüren. Sie telefoniert und telefoniert und welch‘ Wunder: um 16 Uhr soll die olle Gasbuddel denn final eintreffen. OKAY… wir machen einen kurzen Anti-Frust Spaziergang, weil unsere Auslaufzeit sich immer mehr nach hinten verschiebt (und wir wissen, dass es ab Dienstag bis Freitag mit bis zu 6 Windstärken hier wehen soll). Der Kap-Effekt hier auf Madeira ist enorm, wie uns auch Jean Louis bei Rundung des Ostkaps bestätigt. Schlussendlich nutzen wir dann die Zeit noch für eine Dusche und setzen uns direkt in ihr Büro, um unsere Ernsthaftigkeit bzgl. der heutigen Abreise zu demonstrieren. Und tatsächlich: um 16.10 Uhr kommt der Angestellte mit dem Auto und unserer Gasflasche im Kofferraum. Schnell wird die Rechnung ausgestellt und zur Ehrenrettung der Marina muss gesagt werden, dass uns die Liegegebühr für eine Nacht erlassen wird. Auch die Gebühr für das Auffüllen der Gasflaschen hält sich mit 17 Euro echt in Grenzen. Erleichtert zischen wir nun ab zum Schiff, Manfred baut die Gasflasche schnell wieder in die Kiste in der Achterpiek ein und wir werden von Francois und Jean Louis beim Ablegen (mittlerweile wieder sehr böig hier im Hafen) unterstützt.

 

Wie zuvor beim Autofahren beobachtet, weht es um das Ostkap noch gehörig weiter bis zur Höhe des Flughafens. Wir machen nur unter Genua (sprich Yankee) 6-7 kn Fahrt, bis dann ziemlich plötzlich der Wind aufhört. In aller Ruhe motoren wir an der traumhaft schönen Südküste von Madeira entlang. Es gibt Spaghetti mit Tomatensauce und dann geht Manfred schon mal in die Koje. Ich habe eine der schönsten Abendfahrten der ganzen Reise ganz für mich alleine. Aber alles hat seinen Preis, wie ich oft behaupte. Mit dem Dunkelwerden passieren wir auch das westlichste, hohe Kap mit dem Leuchtturm Ponto do Pago. Naiv wie ich bin, denke ich, dass der Wind hier zumindest so nach und nach wieder einsetzen wird. Zu kurz gedacht! Recht unvermittelt motore ich durch eine steile Welle. Und wenig später geht der Windmesser von 3 kn auf 29, 30, 31, 32 kn hoch! Kreisch: „Manni, du musst hochkommen, wir müssen was machen!“ Mit moralischer Unterstützung aus dem Niedergang rolle ich schnell die Fock aus und der Motor wird ausgestellt. Nachdem Manfred sich dann auch in seine Klamotten geschmissen hat, setzt er noch das Backstag. So ein Start gleich in der ersten Nacht macht einen ganz schön fertig: der Körper hat sich noch nicht an den Seegang gewöhnt, das Schiff macht heftigste Bewegungen, das Deck und das Cockpit werden von Salzwasser eingedeckt und überhaupt: was für eine Schreck in der Abendstunde….

 

So verbringe ich diese 1. Nacht mal wieder schlaflos bis zu meiner Morgenwache. Auch Manfred ist etwas blass um die Nase, kann aber gut schlafen. Unser Wach- Rhythmus ist noch nicht eingespielt, aber schon am Dienstag, den 12.7. lässt sich der Wind auf 15 – 20 kn „herunter diskutieren“.

 

Ein kleiner Schreck noch an Tag drei, als wir nach einer Wolke totale Flaute haben und diese zum Batterieladen nutzen wollen: der Motor geht nach wenigen Sekunden wieder aus! Nach Entlüften läuft er wieder und die Fehlersuche kann beginnen. Es stellt sich heraus, dass eine Einspritzleitung an der Pumpe nicht richtig fest ist und Diesel tropft – wo Diesel raus kann, kann im Stillstand auch Luft wieder rein…an die Überwurfmutter ist zwar schwer ranzukommen, aber irgendwie bekommen wir sie wieder festgezogen und es kann entspannt weiter gehen. Damit haben sich auch die Fragen mit erledigt, warum der Motor im Standgas niedriger drehte und woher der Diesel in der Bilge kam…

 

Endlich haben wir aber das Wetter, von dem wir schon seit der Biskaya Überquerung träumten: Nachts blinkern uns die Sterne an, der Halbmond glitzert auf dem Wasser, es bleibt ziemlich warm und die Welle wird endlich auch mal vernünftig. Es folgen 2 Tage herrlichstes und ruhiges Segeln auf tiefblauem Wasser.

 

Sogar Delfine besuchen uns, was ich als gutes Omen werte. Unser Wasservorrat ermöglicht uns eine gelegentliche Dusche auf dem Achtercockpit, der Kühlschrank liefert kalte Getränke und wir träumen und lesen so vor uns hin. Wie sagten schon die Blues Brothers: „Es ist dunkel, der Tank ist voll, wir tragen Sonnenbrillen….

 

All’s well auf Auriga

Auriga an der Mooring vor der Isla Deserta
Auriga an der Mooring vor der Isla Deserta

Wieder auf See

Abschied von Madeira im Abendlicht
Abschied von Madeira im Abendlicht
Sonnenuntergang auf dem Weg zu den Azoren: gigantisch!
Sonnenuntergang auf dem Weg zu den Azoren: gigantisch!
Mittagspause beendet Her Kaleu!
Mittagspause beendet Her Kaleu!

Santa Maria / Azoren: wir sind da!

Da liegt uns rolling home: im Hafen von Vila da Porto / Azoren
Da liegt uns rolling home: im Hafen von Vila da Porto / Azoren

Freitag, 15.7.2016: Ankunft in Vila do Porto auf Santa Maria/Azoren

Die Nacht vor der Ankunft auf Santa Maria verläuft ruhig. Ich kann während meiner Freiwache überhaupt nicht schlafen und so leiste ich Manfred ab 3 Uhr morgens Gesellschaft im Cockpit. Nächtliche Anfahrten zu Häfen sind immer spannend, egal, wie einfach sie in der Seekarte aussehen, wie klar die Sicht ist und wie gut man sich auf die Kennungen der Leuchtfeuer vorbereitet hat. So bleibt man auch ohne Kaffee wach. Die Anfahrt ist im weißen Bereich des Sektorenfeuers wirklich einfach, wäre da bloß nicht der heftige Regenschauer, der uns auf den letzten 10 Minuten noch die Ölzeugjacke überziehen lässt. Wir kommen um 6 Uhr in einer freien Box fest, gönnen uns das obligatorische Anlegerbier und dann geht’s aber in die Achterkoje… was für ein Vergnügen. Dies währt bis ungefähr 10 Uhr, wo uns der Hafenmeister aus der Koje klopft. Dank Manfreds Verhandlungsgeschick müssen wir nicht sofort los, sondern dürfen  bis  12 Uhr die Anmeldeformalitäten vornehmen: Frühstück gerettet sozusagen. Nach diesem „Ritual“ bricht das Aktivitätsgen bei uns aus: ich fülle die Waschmaschine, Manfred kümmert sich um die Maschine und wir beziehen die Betten neu. Nachdem der größte Anfall in der feuchtwarmen Luft vorbei ist, nehmen wir die Rucksäcke und laufen zum Ortschaft mit dem gleichlautenden Namen wie die Marina („Vila do Porto“) hoch. Das Dorf wurde extra oben auf der Steilküste und in länglicher Form angelegt, weil in der rund 700 jährigen Insel- und Besiedlungsgeschichte auch hier viele Piraten und Freibeuter die Inselbewohner nicht nur in Angst und Schrecken, sondern tatsächlich umgebracht und als Sklaven verschleppt hatten. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei, dafür dürfen wir die steilen Straßen mit kleinen, weißgetünchten Häuschen zu beiden Seiten hochlaufen. In der Markthalle und in 2 Supermärkten können wir unseren Hunger auf Frischwaren stillen. Gut bepackt geht es zurück.

 

Da wir für den heutigen Tag fleißig genug waren, wollen wir uns ein Essen im hiesigen Yachtclub-„Restaurant“ gönnen. Wir nehmen sogar zum ersten Mal einen Glückstädter Stander mit, weil einige wenige andere Vereinsflaggen schon zur Deko da hängen. Allerdings nehmen wir diesen nach Abschluss des Essens auch so wieder mit zurück. Es verhält sich recht witzig mit der Menükarte: fast die Hälfte der Speisen sind gerade aus, wie sich im Laufe der Vorspeisen- und Hauptgerichtsuche herausstellt. Und das sogar für das angeblich exquisite Thunfischsteak mit Spezial-Marinade, welches uns zuvor hoch angepriesen wurde. Zu guter Letzt haben wir aber genügend zu essen bekommen und gehen gut angeheitert zurück an Bord.

 

Samstag, 16..7.2016

Lange, lange währt das Ausschlafen. Und belohnt wird es durch ein opulentes Frühstück im Cockpit unter dem Sonnenzelt. Ja richtig liebe Freunde der Seefahrt, hier haben wir endlich die Notwendigkeit, das von Manfred maßgeschneiderte Sonnensegel (hilft auch gut gegen gelegentliche Regenschauer – wie so typisch für die Azoren) aufzubauen. Das ist eine echte Raumerweiterung. Hier ist es wirklich warm und wir genießen neuerdings eben die Schattenseiten des Reisens ;-)

 

Entgegen unserer ursprünglichen Planung für den heutigen Tag, bleiben wir einfach im Hafen und puzzeln vor uns hin. Manfred hat die Prismen neu eingedichtet, Teakfugen im Cockpit neu vergossen sowie die Schalter für den Bugstrahler und die Ankerwinde gewechselt (das letztere war schon länger bekannt und wir hatten die passenden Schalter vorab mitgenommen). Alles wieder chico auf diesem Dampfer sozusagen. Ich laufe wieder 4-6 Mal zur Waschmaschine hoch, besorge Wanderkarten und Busfahrpläne für diese Insel und gehe im Hafen baden, weil ich im Cockpit einfach mal unerwünscht bin. Wir kommen mit dem walischen Nachbarliegern Dennis und Sarah ins Gespräch und werden die beiden evtl. heute Abend auf dem Blues-Festival in Anjus wieder treffen. Ja, hier geht kulturell derzeit die Post ab, Mietautos sind alle und ob wir noch ein Taxi kriegen, ist fraglich. Dabei muss man wissen, dass alle Feiern hier in Portugal und auf den Inseln tatsächlich erst ab 22 Uhr frühestens beginnen. Das Festival muss also richtig gut sein, um unsere müden Nasen durch zwei  tanzende Ohren aufrecht zu halten.

 

Uns gefällt es hier richtig gut und wir werden uns die Insel in den nächsten Tagen weiter „erobern“.

 

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Auriga auf den Azoren

Santa Maria und Sao Miguel

Ich sitze hier in Ponta Delgada vor meinem Laptop mit kratzendem Hals und Pfefferminztee nach einer recht schlaflosen Nacht. Manfred, Heiko und Heike sind mit dem Mietauto auf Sao Miguel unterwegs, den Westen von Sao Miguel zu erkunden. Ich bemitleide mich gerade, weiß aber, dass die anderen drei heute stressfrei die Serpentinenstraßen befahren können, die 25 % Gefälle haben. So kann ich mich heute etwas ausruhen und die drei haben ihren Spaß (hoffentlich).

Aber zurück zum Anfang, letztem Samstag auf Santa Maria. Wir haben tatsächlich das Blues-Festival in Anjus besucht. Es ist echt aberwitzig, mitten im Atlantik auf einer der kleinsten Inseln der Azoren solch‘ ein 3-tägiges Festival zu organisieren. Viele Besucher haben auf den wenigen Wiesen und Vorgärten ihre Zelte aufgeschlagen und genießen neben der musikalischen Attraktion auch den Zauber dieses kleinen Ortes und des allabendlichen Sonnenuntergangs. Wir sind ebenfalls fasziniert. Allerdings muss man wissen, dass die Portugiesen und auch Azorianer nicht vor 23 Uhr mit dem Feiern anfangen. So auch hier. Wir vertreiben uns die Zeit mit dem Besitzer und den 2 Mitseglern des Herreshoff-Repliks, der Ketsch namens Tioga. Die erste Band ist nicht so ganz nach unserem Geschmack und so beschließen wir, doch recht bald den Heimweg an zu treten.  Daumen raus funktioniert so früh in der Nacht natürlich nicht, weil die Besucher noch eher zum Ort hinfahren als wegfahren. Dank gebührt dem netten jungen Polizisten, der uns per Handy mal eben so eines der gut beschäftigten Taxis organisiert.

Gut, das wir nicht so spät ins Bett gekommen sind, denn heute, am  17.7. wollen wir auch endlich mal wieder die Wanderschuhe anziehen. Es geht kurz vor Mittag los zur Baia Formosa. Laut Wanderkarte eine mittelschwere Wanderung mit rund 6,2 km Länge. Wir haben heute zum Glück eine frische Brise und gelegentliche Wolken, sonst wären wir definitiv zu spät unterwegs gewesen. Der Weg führt entlang der Steilküste, auf den hochgelegenen Wiesen mit Zaunübertritten oder Durchgängen (nur für Menschen gedacht, die nicht dicker als ein Kuhkalb sind!) nach Osten. Wieder mal tolle Rundum-Blicke und neue Pflanzen, deren Namen wir fast alle nicht kennen. Manfred bricht mir aus dem hiesigen bambusartigen Ried einen Wanderstock, der mir bei der folgenden serpentinenartigen Strecke eine große Hilfe ist. Als Flachländer ist es ziemlich anstrengend, diese Wege zu gehen. Als wir schon denken, „na, wenn das mittelschwer war, dann ist das nicht so schlimm“ kommt der wohl anstrengendste Teil der Wanderung zum großen Sandstrand von Formosa. Es geht über Millionenjahre alte, natürlich erkaltete Lavabrocken und –flüsse direkt an der Atlantikbrandung auf recht schmalen Wegen (zum Teil mit Seilen an der Felswand abgesichert, an denen man sich festhalten kann) entlang. Obwohl an den allerschwierigsten Stellen sogar kleine Holztreppen angebracht wurden, bleibt es anstrengend, denn jeder Tritt will gut überlegt sein. Ein Sturz auf diese scharfkantigen Lavabrocken ist eine echt schlechte Option. Meine Oberschenkel zittern mittlerweile und so sind wir froh, im kleinen beschaulichen Badeort eine kleine Stärkung zu uns nehmen zu können. Und dann geht es endlich in die gewaltigen (schönen) Wellen. Welch‘ Hochgenuss! Toll finden wir auch, dass es hier an den Stränden überall kostenlose Süßwasserduschen gibt, die wir gern in Anspruch nehmen. Gegen 18 Uhr halten wir den Daumen raus und drei nette junge Mädchen fahren uns zurück nach Vila da Porto. Auf diesen kleinen Inseln funktioniert dasTtrampen wirklich gut, weil die Einwohner wissen, wie selten die Busse fahren. Durch das Blues-Festival sind zudem alle Mietautos besetzt und die Taxifahrer sind ebenfalls gut beschäftigt.

 

Am Montag den 18.7. lackiert Manfred einige kleinere Roststellen über, um schlimmeren Rost zu verhindern. Dann nehmen wir (endlich mal) einen Bus und fahren zur Ortschaft Santa Barbara. Dieses Postkarten-Dörfchen hat außer der obligatorischen Kirche und einem Kaffee nur gut gepflegte Häuser zu bieten. Hier auf Santa Maria hat sich die Sitte durchgesetzt, dass die Häuser (fast) alle in Weiß angemalt sind. Je nach Dorf sind dann die Fenster und Türen in Rot, Blau, Grün oder sogar Pink umrandet.

Wir folgen heute der „Haupt“-Straße ca. 1,5 km aufwärts - vorbei an den hier überall üppig blühenden Hortensien. Bald darauf haben wir auf der ebenfalls sich eng und steil windenden Straße runter zur Ortschaft Sao Lorenco gigantisch-kitschig-schöne Ausblicke.  Diese nordwärts ausgerichtete Bucht ist eine der schönsten auf dieser Insel: Hier sind die Hänge terassenförmig angelegt und mit Weinstöcken bepflanzt. Im Kontrast mit den schmucken weißen Häusern und dem tiefblauen Meer verschlägt es einem schon etwas die Sprache. Unten angekommen, finden wir ein sogenanntes Meerwasserbecken zwischen den schmalen Sandstreifen an der recht hohen Mole (muss hier im Winter ordentlich hoch hergehen…). Das Meerwasserschwimmbecken ist aber auch etwas „langweilig“, obwohl die Wellen hier noch um einiges größer sind als am gestrigen Praiha Formosa. Wir trauen uns nur ins Wasser, weil auch andere Badende das Spiel mit den Wellen genießen. Es ist ein herrlicher Spaß, durch die Wellen zu tauchen oder paddelnd im weißen Schaum mit zu „surfen“. Nur entschlossene „Durchtauch- oder Mitsurf-Manöver“ retten einen davor, ungewollt durchgeschleudert zu werden.

Zurück geht es dann ebenfalls per Anhalter. 3 junge Azorianer von der Hauptinsel Sao Miguel, die hier zum Blues Festival wohl Urlaub gemacht haben, erbarmen sich unser, als wir die wenigen Autos mit unserem Daumen zum Anhalten animieren versuchen. Dafür werden sie bei uns an Bord auf ein kleines Bierchen eingeladen.

Zwischenzeitlich haben sich die „Heiks“ von der flying fish (lesenswerter Blog: www.syflyingfish.de) per Mail gemeldet. Sie sind in Ponta Delgada und wir freuen uns riesig darauf, die Beiden endlich kennen zu lernen. Eigentlich hätten wir heute am Dienstag, den 19.7. die 50 sm segeln/motoren können, wäre da nur nicht der starke Nordwind gewesen. Das lassen wir denn aber schön bleiben und kümmern uns lieber noch mal um Auriga: Manfred kontrolliert die Ausrichtung der Maschine und es wird sogar mal wieder staub-gesaugt. Außerdem backen wir zum 1. Mal auf dieser Reise selber Brot (Vollkorn-Backmischung von Ikea oberlecker!) Der Rest des Tages wir dann einfach mal vertrödelt – muss auch sein, finden wir.

Auf nach Sao Miguel / Azoren

Mittwoch früh um  viertel vor acht legen wir ab. Aufgrund unserer Erfahrungen mit Madeira motoren wir in 2-3 Meilen Abstand zur Westküste von Santa Maria entlang, bis auch das nördlichste Kap gut querab liegt. Der Wind bleibt jedoch moderat und so setzen wir zweieinhalb Stunden nach Start die Segel. Die Sonne scheint und wir sehen sogar eine große Schildkröte! Jetzt wäre denn auch langsam mal Zeit für die ersten Walbesuche, aber  die sind heute irgendwo anders zum Kaffee einladen?!

 

Später am Nachmittag dreht der Wind von Nordost auf Nordwest und nimmt bis auf 4 Windstärken zu. Da auch die Waliser Segelyacht „Gwawr“ (geschätzt 48 Fuß lange Jeaneau )  mit Dennis und Sarah aus Vila da Porto mit uns gemeinsam nach Ponta Delgada unterwegs ist, haben wir schon den Ehrgeiz, diese nicht an uns vorbei ziehen zu lassen. Es klappt nicht ganz, wird uns aber von unseren „Gegnern“ später im Hafen schön geredet … freundliche Leute, die wir hoffentlich auf Teirceira wieder treffen werden.

Gegen 18 Uhr legen wir in Ponta Delgada an und sehen auch gleich die ebenfalls von Herrn  Koopmans gezeichnete Victoire „flying fish“ mit den „Heiks“. Bald darauf kommt auch Heiko vorbei und lädt uns zum Abendessen ein. Wir machen uns und Auriga kurz frisch und werden dann selbst mit einer riesigen Käseplatte, frischer Ananas und Rotwein verwöhnt. Schnell kommen wir überein, dass wir uns hier auf der Insel gemeinsam ein Auto für 2 Tage mieten wollen. Heiko ist so nett und will sich darum kümmern.

 

Donnerstag, 21.7.2016

Heute habe ich meine Mutprobe: ich will zum Friseur! Manfred und ich bummeln durch die Stadt auf der Suche nach einem Friseurladen mit Sprachkenntnissen in Englisch. Wir haben Glück und ich habe um 15 Uhr einen Termin bei „Marcia“.  Vorher finden wir endlich auch einen Laden, in dem wir 2 kleine Dosen mit Farbe für unser „Gemälde“ erstehen können (die Deutschland-Flagge wird kurzerhand gestrichen, weil sie 3 Extra-Farben benötigt :-))

Da wir abends die Heiks zum Spaghetti-Bolognese Essen eingeladen haben, erledigen wir noch die erforderlichen Einkäufe und dann mache ich mich auf zu meiner Mutprobe. Und was soll ich sagen: Glück gehabt! Die gute Frau versteht ihr Handwerk und wenn man davon absieht, dass zweifingerbreit Abschneiden hier locker dreifingerbreit ist, bin ich hoch zufrieden (Fotos folgen!).

 

Abends können wir endlich  mal wieder den Tisch schön decken und in Gesellschaft essen. Heike bringt sogar noch einen frischen Salat mit und wir essen bis zum Platzen. Für die kommenden 2 Tage werden wir ein Auto haben und schmieden Pläne, was wir anschauen, erwandern und bebaden wollen. So endet der lauschige Abend bei Portwein und Kerzenlicht im Cockpit - fast wie zu Hause.

 

Freitag, 22.7.2016

Um 9.30 Uhr stehen wir voll ausgerüstet vor flying fish und holen mit ihnen gemeinsam das Auto von der nahe gelegenen Verleihfirma ab. Dann geht es über die Schnellstraße zügig nach Ribeira Brava an der Nordküste, wo wir frühstücken wollen. Der Ort hat sich noch etwas mehr Ursprünglichkeit als Ponta Delgada (mit seiner modern und nicht besonders ansprechenden Häuserfront zur Seeseite) bewahrt. Zudem wird hier gerade ein Mittelalterfest aufgebaut und wir nehmen uns vor, evtl. auf dem Rückweg erneut halt zu machen.

Zuvor jedoch wollen wir die Teeplantage Gorreana www.gorreana.de/plantage/ besuchen. Wenn bloß die verflixte Navigation mit Papierkarten nicht wäre. Meine Fähigkeiten, Heiko zu lotsen, enden das eine oder andere Mal in der undiskutierbar falschen Richtung. Es ist wohl doch besser, wenn Heike ihren Mann wie gewohnt lotst. Die beiden sind ein eingespieltes Reiseteam und haben uns spürbar jede Menge Erfahrung voraus. Und so kommen wir denn doch noch gegen Mittag in der Teeplantage an. Wir bewaffnen unsere Füße mit Wanderschuhen und auf geht es zwischen den reihenförmig angelegten Teebüschen (sagt man das so?) aufwärts. Leider scheint heute keine Sonne und macht das Fotografieren recht schwierig. Heiko und Heike sind beide mit Kameras  und viel mehr Ehrgeiz als wir unterwegs…. wir knipsen halt nur ;-)

Anschließend besuchen wir die Teeplantage Gorreana für die Fabrikation des  hiesigen schwarzen und grünen Tees und dürfen uns sogar gegen eine kleine Spende frei mit Tee verköstigen. Sehr lecker, auch wenn ich als Ostfriese mehr auf Assam-Tee geeicht bin.  Wir sind wohl außerhalb der Erntezeit zu Besuch, denn die Maschinen laufen nicht. Bedauerlicherweise finden sich auch keine Erklärungen zu den Abläufen der Teefermentation, -sortierung und Trockung. Es handelt sich hier um eine der ältesten Teeplantagen von Sao Miguel, das zumindest können wir in Erfahrung bringen.

 

Nun denn, langsam meldet sich der Hunger wieder und wir fahren wieder runter zur Küste in das Dörfchen Maia mit der Hoffnung, ein im Reiseführer empfohlenes Restaurant zu finden. Die Suche gestaltet sich recht schwierig und als wir es endlich gefunden haben, war die Küche leider schon geschlossen. Glücklicherweise finden wir an der „Haupt“straße einen Imbiss, der die auch hier üblichen Hamburger mit Pommes oder Omeletts anbietet.

Nach dieser Mittagspause und einem schnellen Bad im Meer geht die Tour weiter zur Ostküste. Hier hat es uns der Ort Nordeste angetan. Die Fotoapparate werden gezückt und die besten Perspektiven gesucht. Dann soll es zum nächsten „Miradoro“ (frei übersetzt „schöner Aussichtspunkt“) gehen. Wenn da nur nicht die Straße mit 25 % Gefälle wäre! Es handelt sich um einen Leuchtturm, der allerdings auch oben von 2 Aussichtspunkten aus gut zu sehen ist. An diesem Punkt unserer Tour angelangt, verweigere ich einfach mal die weitere Mitfahrt und bitte darum, mich mit meinem Rucksack oben stehen zu lassen und bei der Rückfahrt wieder mit zu nehmen. Zum Glück scheint die Sonne für hübsche Aufnahmen nicht und es wird allgemein auf diese steile Serpentine verzichtet…

 

Abends landen wir wieder in Ribeira Grande und genießen das bunte Treiben auf dem mittelalterlichen Fest. Viele Schausteller (und Bewohner) haben sich kostümiert, es gibt musikalische Umzüge und kleine Tanzvorführungen. Wir machen es ins „in der 1. Reihe“  mitten im Volk mit einem Grillteller und Vinho Verde gemütlich. Am besten gefällt uns die ca. 30-köpfige Trommelgruppe, die zu späterer Stunde auf der Treppe hoch zur Kirche ihre Schlegel und Trommelstöcke wirbeln lassen.

Dank Google  finden wir dann sogar aus der vielfach mit Sperrungen versehenen Stadt wieder raus auf die Schnellstraße und sind um 23 Uhr zurück in Ponta Delgada.

Und somit sind an dem heutigen Tag angekommen – siehe oben. Falls ihr Bilder vermisst, dann bitten wir um Nachsicht, weil auch hier wie schon auf Santa Maria das Internet sehr schwach ist. Wir versprechen, diese bei besserer Verbindung nachzuladen!

Und noch was müssen wir mal an dieser Stelle loswerden, nämlich zum aktuellen Tagesgeschehen auf dem „Festland“: soweit möglich, verfolgen wir natürlich auch die aktuellen Nachrichten zum Brexit, zum politischen Desaster in der Türkei und den jüngsten Attentaten in Europa. Es bedrückt auch uns während unserer Reise und hier mitten im Atlantik sehr, wie sich die Welt momentan verändert. Der Begriff „Betroffenheit“  ist ein wenig zu schwach für das mulmige Gefühl, welches sich bei uns breit macht. Uns Mitgefühl geht an alle Angehörigen, die in dieser Zeit liebe Menschen so unversehens verloren haben.

 Jedoch: die Hoffnung auf ein Abebben von nationalistischen Extremen und terroristischen Attentaten geben wir nicht auf!

 

Eure

Manfred & Ute

Unsere Lieblingsinsel Santa Maria

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Die letzte Woche auf den Azoreninseln Terceira und Faial

Selten wurde die Auriga-Crew gemeinsam fotografiert: hier an einem Miradouro auf Terceira
Selten wurde die Auriga-Crew gemeinsam fotografiert: hier an einem Miradouro auf Terceira

Terceira: Das "Sylt" der Azoren und das legendäre Horta

Das Hochland von Terceira mit interessanten Informationen zu Flora und Fauna
Das Hochland von Terceira mit interessanten Informationen zu Flora und Fauna

 

23.7. – 2.8.2016 Sao Miguel – Terceira – Faial

 

Wir verbummeln noch den Sonntag in Ponta Delgada in einem schönen öffentlichen Park und im großen Einkaufscenter.  Montag soll es dann weiter gehen nach Terceira. Die 90 sm werden wir mit einer Nachttour hinter uns bringen, da wir auf die Öffnungszeiten des Hafenbüros angewiesen sind. Der Hafen Angro do Heroismo ist recht klein und man braucht vom Hafenmeister eine Platz-Zuweisung.  Die Überfahrt dauert ca. 17 Stunden und verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Als wir ankommen werden,  wir tatsächlich zunächst  an den Warteschlengel  verwiesen, der recht unruhig ist. Aber auch der am späten Vormittag zugewiesene Liegeplatz an einem Finger ist sehr rollig. Wir versuchen sämtliche Tricks, (mit Leinen, Ruckdämpfern und mit Wasser gefüllter Pütz) um die heftigen, ruckartigen Bewegungen zu dämpfen. Das Resultat ist nur geringfügig besser. Auch den Nachbarliegern, eine holländische Flottille von 13 Schiffen, die von Holland aus eine Azorenreise machen – die Ocean People – geht es nicht besser.

 

Nachmittags erkunden wir per Linienbus den Südosten und den Ort Praia da Victoria von Terceira. Diese Insel ist „das Sylt des Nordens“ – so gepflegt und mit schönen Häusern besiedelt war bislang noch keine Insel. Auch Praia da Victoria mit dem einzigen großen Sandstrand gefällt uns gut. Es hat ein schönes Badeort-Flair. 

 

Abends werden wir von Guido, Skipper und Eigner der „Playmobil“ (eine 37“ Breehorn) angesprochen. Er ist als einziger Deutscher mit seiner Crew bei den Ocean People mit dabei und nutzt die Meilen für seinen „Yachtmaster Ocean“.  Wir erzählen die üblichen „woher -  wohin“- Geschichten. Guido und alle anderen Holländer sollten uns noch öfter im Hafen über den Weg laufen :-)

  

Am Mittwoch, den 27.7. haben wir ein Leihwagen – den besten bislang. Damit bereisen wir die malerische Westküste von Terceira, halten an diversen Aussichtspunkten, sogenannten Miradouros an und freuen uns über das Panorama. In Bisquitos bade ich zum ersten Mal in vulkanisch geschaffenen Badebecken. Später zur Mittagspause finden wir für dieses besondere Badevergnügen jedoch noch einen viel schönen Ort: Quatro Ribeira. Bei Ebbe ist es recht unspektakulär, bei Flut jedoch brandet die Atlantikdünung über die scharfen Felsen und füllt sozusagen das Schwimmbecken neu auf, ohne dass man als Badender in der Dünung hin- und hergeworfen wird.

  

Das Hochland von Terceira, „Terra Brava e Criacao das Lagoas“, besteht aus einer endemischen Strauch- und Baumwelt – knallgrün und undurchdringlich neben der Piste (Straße wäre etwas zu viel gesagt)  Wir sind fasziniert. Dieser Bewuchs soll auch in Teilen Europas bis zur letzten Eiszeit vorgeherrscht haben. 

Dann besuchen wir endlich mal 2 Vulkanhöhlen: die „Algar do Carvao“ zeichnet sich durch eine trichterförmige Öffnung zur Oberfläche aus. Rund 220 Stufen runter und wieder rauf sind es wert, sich diese Höhle anzuschauen. Ebenso interessant ist die „Gruta do Natal“. Beide Höhlen entstanden durch unterirdische Lavaflüsse.

 

Abends müssen wir natürlich den Leihwagen auch zum Großeinkauf nutzen. Ähnlich wie in Elmshorn besteht Angra jedoch auch aus unzähligen Einbahnstraßen. Leicht genervt laden wir die Einkaufstüten an Bord ab und verstauen unsere neuen Köstlichkeiten in Kühlschrank und Staufächern. Zur Belohnung für diesen ereignis- und eindrucksreichen Tag gehen wir abends lecker essen. Und na klar: wir treffen  die Crew der Playmobil im Restaurant wieder. So wird auch dieser Abend recht unterhaltsam, bis wir todmüde ins Bett fallen.

 

Am Donnerstag, 28.7.16 ziehen wir mal wieder die Wanderschuhe an und laufen rund um den „Monte Brasil“. Ca. 3 Stunden rauf und runter geht die Tour und ist als „einfach“ deklariert…. Also von mir bekommt der Weg ein „mittelschwer“.  Nachmittags fährt uns doch glatt ein duseliger Belgier mit seiner Yacht fast unser Dinghi ab, weil er unser Angebot, sein Schiff zu verlegen mit unserer Begleitung, ablehnt. Dafür hat er nun Leinen im Propeller… selber schuld. Unser Geräteträger in dem Daisy hängt, ist leicht verschoben, Manfred kann diesen jedoch wieder gerade richten. Auch später kommt keine Rückfrage nach möglichen Schäden bei uns oder eine Entschuldigung von dem Idioten. Sei’s drum, wir haben echt noch Glück gehabt.

 

Am Freitag, den 29.7. legen wir ab – es soll endlich nach Horta gehen, auch wenn wir damit auf den Besuch von Sao Jorge (Hafen Velas, der sehr schön sein soll), wo die „Ocean People“ gestern hingesegelt sind, verzichten. Die Sonne brennt und wir haben bis auf die letzten 2 Stunden keinen Wind. Dafür sehen wir 2 x treibende Schildkröten!

 

In Horta müssen wir eine Nacht an der Außenpier liegen, da wir zum Anmelden heute bereits zu spät sind. Macht nichts, weil das Peter’s Sports Café ruft. Wir machen uns landfein und betreten mit hohen Erwartungen diese Gralsburg der Segler. Das Café selbst ist ziemlich voll und wir können uns nur nach draußen auf die Hafenmauer verziehen. Der Gin Tonic schmeckt nach nix und ich bin vom ganzen Flair enttäuscht.

 

Am Samstag verlegen wir unser Schiff nach dem Anmeldeprozedere bei 4 Ämtern (Zoll, Hafenpolizei, Einwanderungsbehörde und Yachthafen) längsseits an eine holländische Bestevaer“ die „Stayer“. Das nette Paar will morgen ablegen und wir können sie dann liegeplatztechnisch “beerben“.

  

Außer das wir das obligatorische Bild auf der Hafenmauer gemalt haben, verbummeln wir 3 Tage in Horta und der näheren Umgebung. Es ist mittlerweile so heiß geworden, dass wir beide keine Lust mehr auf das Wandern haben. Wir baden in  Porto Pim, dem ehemaligen Hafen von Horta, segeln mit Daisy ein wenig im Hafenbereich rum und machen mal wieder Wäschewaschen. Auch die „Ocean People“ treffen ein und wir verabreden uns, mit der Truppe gemeinsam zur gegenüber liegenden Insel Pico per Fähre zu fahren. Eigentlich dachten wir, dass die Gruppe eine geführte Busreise oder ähnliches vorhat – das war ein Fehler. Die Holländer sind so sportlich und wollen den Pico mit fast 2500m besteigen. Als wir das erfahren, rudern wir zurück und machen nur die Fährfahrt mit. Wir kommen per Anhalter an die raue Nordwestküste und besuchen winzig kleine Fischer- bzw. Weindörfer. Die Bewohner von Pico hatten früher ein hartes Brot – in den künstlich geschaffenen Lavasteinfeldmauern wird Wein angebaut. Die Weinfässer wurden per Ochsenkarren zum „Hafen“ gefahren und dort nach Horta verschifft. Einige Spurrillen dieser Karren sind noch im weichen Lavagestein zu finden. Gegen Mittag geht es jedoch zurück zum Hauptort Magdalena. Hier finden wir auch wieder ein schönes Meerwasserschwimmbecken und erfrischen uns zum letzten Mal im Atlantikwasser der Azoren. Mit der Nachmittagsfähre sind wir rechtzeitig zurück, um uns auf die für morgen angesetzte Überfahrt nach England  vorzubereiten: Wasser in Kanistern bunkern (Wo haben wir die verflixten Kanister damals vor 4 Monaten bloß verstaut?!) Dingi auf dem Vordeck festzurren und Essen vorkochen.

 Wir meinen, ein halbwegs gutes Wetterfenster gefunden zu haben….

Stairway to heaven?!
Stairway to heaven?!

1250 sm von Horta nach St. Marys / Scilly Islands

 3.8. – 13.8.2016 Atlantik

Am Mittwoch, den 4.8. um 10 Uhr legen wir ab. Auch die Heik’s mit der Flying Fish starten an diesem Tag, aber von einem anderen Hafen die Überfahrt. Wir werden uns per Mail über Iridium bzw. Pactor-Modem unterwegs verständigen.

 

Wir segeln mit Backstagbrise an Sao Jorge (müssen wir irgendwann noch mal besuchen) und Graciosa vorbei, das Ganze bei herrlichem Sonnenschein mit Kurs 35° gen Nordosten. Zwischen diesen Inseln und noch lange danach haben wir eine unruhige Welle, aber dafür machen wir gute Fahrt. Der Wind pendelt zwischen 3 – 5 Beaufort. So geht es eigentlich die nächsten 2 Tage weiter und spült uns mit Etmalen von 142 sm und 120 sm recht schnell nach vorn. Die Heik’s haben nicht ganz so viel Glück mit dem Wind – sie befinden sich ca. 50 sm weiter südöstlich von uns und somit auch von dem Tief, welches uns am Rand diesen Wind bietet. 

Am Freitag, den 5.8. geschieht das, wovon ich schon die ganze Zeit träume: ein Pottwal besucht uns! Circa 30 m an Backbord bläst er aus, lässt sich nach wenigen Minuten zurückfallen und „biegt“ nach Osten ab. Gänsehaut pur war das!

Die nächsten Tage haben wir weiterhin Südwest-Wind, der jedoch so langsam einschläft. So müssen wir 2 Tage motoren, um Strecke zu machen. Unser Iveco hat viele PS aber auch den Nachteil, recht laut zu sein. Das ist auf die Dauer nervig, vor allem, wenn man tief schlafen möchte. Wir machen ca. alle 4-5 Stunden Wachwechsel. Manfred kann wie immer gut schlafen, ich bin in der Disziplin „Schlafen auf See“ zwar besser geworden, komme jedoch nicht so ganz auf meine „Schlafkosten“.  Nacht bekommen wir immer wieder Nachricht, wie es der Flying Fish ergeht. Die sind leider nicht so gut vorwärts gekommen wie wir. Wir drücken ihnen jedoch immer wieder die Daumen, dass ihr Mr. Perkins keine Zicken mehr macht.

 

Montagnacht um 2.30 Uhr werde ich von Manfred mit den Worten geweckt: „Du musst mir helfen, das Großfall ist gebrochen. Wir müssen die Segellatten rausziehen und das Großsegel bergen“. Ausnahmsweise hatte ich tief geschlafen,  der Schock über diese Nachricht war umso tiefer. Schnell angezogen, Rettungsweste an und dann Manfred helfen, die Segellatten aus dem sich aufstauchenden Segel zu ziehen. Zum Glück hat Manfred das Großsegel ausgerollt, als wir noch keinen Wind haben. Trotzdem ist es ein beängstigendes Gefühl,  500 Meilen von jeglicher Küste entfernt mitten in der stockfinsteren Nacht bei Decksbeleuchtung ein 46m² Segel inkl. Latten zu zweit zu bergen. Dabei muss man wissen, dass wir das Großsegel in den Mast einrollen und die Segellatten demnach senkrecht angebracht sind. Also alles nicht so einfach wie bei einem konventionellem Großsegel.

Nach anderthalb Stunden war es aber geschafft und: das Großsegel musste wieder gesetzt werden. Wir haben die Dirk als Großfall genutzt. Unser Dieselvorrat reicht noch nicht aus, um nach England zu motoren und viel Wind sollten wir laut den GRIB-files nicht bekommen, zudem mehr oder weniger von vorn. Wir sind also auf die 46 m² Segelfläche hinter dem Mast angewiesen. Damit haben wir ein digitales Großsegel. 0 = es ist ganz unten, 1 = es ist 100% gesetzt. Einrollen / Reffen is‘ nicht! Wie wir bald vermuten und wie es sich später auch herausstellt, ist jedoch nicht das Großfall selbst gebrochen, sondern am unteren Teil der Wirbelanlage oben innerhalb des Mastes war ein Bügel abgebrochen. So nach und nach kamen wir auch auf die mögliche Ursache: früher hatte Auriga ein Dacron Segel ohne Latten, nun ist das Großsegel jedoch durchgelattet, etwas mehr ausgestellt und aus Laminat. Da wirken natürlich ganz andere Kräfte auf die festen Punkte, an denen das Segel angeschlagen ist, insbesondere, wenn es im Seegang flappt. Wir hoffen, dass das gebrochene Teil in England zu schweißen ist, so dass wir das Groß wieder normal nutzen können. Es sind ab England auch immerhin noch rund 800 sm bis Glückstadt!

Mit dem gesetzten Groß sind wir bis Donnerstagabend, 11.8. , weiter gekommen. Eine Kaltfront erwischte uns noch, brachte glücklicherweise nur 4-5 Windstärken. So konnten wir mit dem voll gesetztem Groß recht gut durchsegeln.

 

Ich war allerdings mit den Nerven ziemlich fertig und habe mir alle möglichen Szenarien ausgedacht. Manfred ist zum Glück aufgrund seiner Erfahrungen gelassener und konnte mich immer wieder beruhigen. Die Nachtwachen alleine im Cockpit waren für mich das schlimmste, aber sobald dann tagsüber die Sonne schien, war die Welt auch wieder in Ordnung.

Von Donnerstagnacht bis Samstagmittag, den 13.8. haben wir noch ein Geschenk von Rasmus bekommen. Nunmehr mit einem gut östlichen Kurs von ca. 80° bekamen wir 4-5 Windstärken aus Südwest. Mit ausgebaumtem Yankee und außen geschoteter Fock machen wir um die 6 kn Fahrt Richtung Islands of Scilly. Zum Glück hatten wir vorher schon das Großsegel in aller Ruhe geborgen und am Baum beigebändselt. Auch die Segellatten wurden sicher und gut gegen Verlust gestaut.

 

Samstagmittag ist es dann endlich soweit: Landfall! Wir segeln im Nieselpiesel mit wenig Sicht auf Bishop Rock zu, machen sicherheitshalber auch das Radar mit an und motoren durch das betonnte Fahrwasser zum Hafen von St. Marys. Hier bunkern wir an der Pier erst mal gegen Ein-Pfund-Stücke ordentlich Wasser (bäh, hat einen ekeligen chlorigen Beigeschmack) und verholen uns an eine der vielen Mooring-Tonnen. Dann endlich das Anlegerbier & Tüte Chips. Endlich wieder „Land unter den Füßen“, auch wenn es noch schwankt.

Alternative zum Bimini: Regenschirm!
Alternative zum Bimini: Regenschirm!
Einer der vielen schönen Sonnenuntergänge auf dem Atlantik
Einer der vielen schönen Sonnenuntergänge auf dem Atlantik

Landfall auf St. Marys / Islands of Scilly

Mooringfeld vor St. Marys (Auriga ist nicht zu sehen)
Mooringfeld vor St. Marys (Auriga ist nicht zu sehen)

 

13.8.  – 16.8.2016: Islands of Scillys: St. Marys

Diese kleine Insel ist perfekt für den Landfall nach 10 Tagen – es gibt inseleigenes Obst und Gemüse, von dem wir uns gleich mal für 12 englische Pfund in einem “Farmers Deli” eindecken. Zudem locken viele kleine Geschäfte und Souvenirläden in "Hugh Town“ zum ausgiebigen Bummeln. Auch die Landschaft ist abwechslungsreich und geschichtsträchtig. kurzum: wir sind im Paradies!

Abends genießen wir einen Sundowner am Strand von Port Cressa und hauen uns anschließend den Bauch voll mit fetten Pommes, Steak und Salat, bis wir müde zum Dinghi-Dock (eine schwankende Plattform, an dem alle Mooring-Lieger ihr Beiboot parken) wanken. 

Den Sonntagmorgen verbringen wir ganz fleißig mit Bootspflege. Die wichtigste Aufgabe hat Manni jedoch, in dem er den Topwirbel aus der Rollanlage nach unten holt. Unsere Schadensvermutung war richtig, der u-förmige Bügel ist gebrochen und aufgebogen. Vielleicht finden wir ja hier in St. Marys einen Schweißer, der uns dieses Teil kurzfristig reparieren kann? 

Nachdem wir am Vormittag fleißig waren, kommt jetzt das Vergnügen. Wir fahren Slalom zwischen allen anderen Schiffen zum Dock und parken unsere Daisy dort. In Shorts und T-Shirt erkunden wir die alte Festung („Garrision“) in der mittlerweile ein richtig schönes, altes, englisches Hotel seine Gäste verwöhnt. Dann folgen wir dem Fußpfad rund um die Südwestecke entlang der alten Verteidigungsmauern mit etlichen Geschützstellungen (ist es typisch englischer Humor, wenn eine dieser Kanonenstellungen „Morning Glory“ heißt?!).  Am späten Nachmittag springen wir am Strand von Port Cressa noch mal in die Atlantikfluten, die hier doch um einiges kälter als auf den Azoren sind – wen wundert‘s. 

Am Montag, den 15.8. telefonieren wir mit einem örtlichen Schweißer, der sogar heute noch! unser Teil schweißen würde. Also nix wie hin. Die Wartezeit verbringen wir mit, na ratet mal – genau: shoppen. Heute hat Manfred mehr „Glück“ als ich und es steht ihm ausgezeichnet.

Zurück zum Schweißer und um 30 Pfund leichter, nehmen wir das überaus kostbare Teil mit an Bord, wo Manfred es gleich wieder anbaut. Das Großsegel können wir nicht setzen, da zu viel Wind aufgekommen ist. Weil auch alle anderen Segler aus demselben Grund von den vielfältigen Ankerplätzen in die Bucht von St. Marys kommen, werden die Mooring-Tonnen knapp. Wir bekommen eine große Hallberg-Rassy als Mooringpartner. Die Schiffe werden wie auch an Land üblich gut miteinander vertäut und abgefendert. Die Brigantia-Crew, eine Segelgemeinschaft vom Bodensee, die dieses Schiff betreibt, lädt uns zum Dank zum Essen bei ihnen an Bord ein. Es wird ein netter Abend.

 

Auch am Dienstag weht es weiterhin mit guten 5 Windstärken aus Osten, somit ist unsere Bucht ohne Schwell und perfekt. Morgen sagt der Wetterbericht grauen Himmel und wenig Wind als Vorbote eines kleineren Tiefs voraus und wir planen, die 65 sm nach Falmouth in Angriff zu nehmen. Zum Wochenende hat sich ein ausgewachsenes Sturmtief angekündigt, welches wir denn doch lieber in einem geschützten Hafen „abwettern“ wollen. Zunächst aber genießen wir das herrlich sonnige Wetter und wandern die Nordwestküste entlang. In „Juliets Garden“ gibt es das weltbeste Eis. Und wenig später bestaunen wir eine ausgegrabene Siedlung aus der Eisenzeit: Halangy. Die Hausumrisse und Vorratskammern aus Feldsteinen sind immer noch gut erkennbar und ich bewundere einmal mehr, vor wie langer Zeit die Menschen schon in diesem durchaus rauen Klima ihre Nahrung hier  mühsam dem Meer oder dem Boden abgerungen haben. 

Aber zurück in die Gegenwart:  Wir wandern weiter durch das Inselinnere. Hübsche Straßenschilder weisen uns den Weg zu einer etwas verwilderten Gartenanlage „Garregh Dhu Garden“. Danach kommen wir in einer kleinen Galerie & Potterie mit dem älteren Besitzer und Künstler ins Gespräch. Als er erfährt, dass wir hier mit unserem Schiff sind, bekomme ich sogar ein kleines Bildchen geschenkt, was natürlich zur Folge hat, dass wir ein kleines Porzellandöschen nun unser eigen nennen… 

Der alte Ort, passenderweise „Old Town“ genannt, befindet sich auf der Ostseite von St. Marys. Auch hier gibt es eine kleine, flache Bucht für Fischerboote. Es ist ein sehr entspannter Ort. Überhaupt sind alle Scillonians hier auf St. Marys überaus freundlich und zuvorkommend. Es wird gegrüßt und ungefragt bei der Orientierung geholfen. Wir fühlen uns hier ausgesprochen wohl. 

Ach, und selbstverständlich probieren wir die frisch zubereiteten Pasties (Teigtasche mit Fleisch, Käse und/oder Gemüse gefüllt) und sind abends im Mermaid Inn, eine richtig schöne Kneipe, wo man auch mal mit anderen Mooring-Nachbarn ins Gespräch kommt. 

Auffällig für mich sind etliche Mädchen.  Viele sind „gut im Futter“, tragen aber hautenge Jeans, Shorts, Kleidchen und zeigen viel von ihrer Haut. Ich beglückwünsche sie insgeheim zu ihrem Selbstbewusstsein.  Selbstverständlich gibt es auch hier etliche sehr hübsche Frauen und Männer, aber dieser besondere Kleidungsstil  muss doch mal erwähnt werden. Und das Vorurteil, dass Engländer die Sonne nicht so gut vertragen, kann ich hier auch bestätigen – viele laufen doch arg rothäutig am Hafen lang zu den Ausflugsbooten, die die anderen Inseln der Scilly‘s aufsuchen. Wir sparen uns den Besuch dieser Inseln und weiterer Ankerplätze auf – denn eines ist sicher: wir kommen wieder!

Kein Azoren und trotzdem mediteran: St. Marys
Kein Azoren und trotzdem mediteran: St. Marys

Flucht vor dem Sturm - auf nach Falmouth

Schon wieder in'nem Pub? Jap!
Schon wieder in'nem Pub? Jap!

Es ist Mittwochmorgen, der 17.8. und wie angekündigt diesig und grau. Wir sind um 6 Uhr aufgestanden und können mit Unterstützung der Brigantia-Crew unser Großsegel recht zügig im lauen Wind setzen. Dieser Tag ist mal wieder einer, den man am liebsten in seinem Gedächtnis streichen will. Es ist so eine feuchte Luft und somit schlechte Sicht, dass wir vom Festland gar nichts zu sehen bekommen. Es ist, als wäre man mitten im nirgendwo würde das AIS nicht andere Schiffe anzeigen und die eine oder andere Tonne einen Heulton abgeben. Bei Lizard Point erleben wir ekeligsten Seegang und ich merke an, dass wir alle weiteren Kaps oder „Points“ mit erheblich mehr Abstand passieren sollten. Das einzig Positive war heute, dass wir von Guido mit der Playmobil hören. Er wie auch alle anderen „Ocean People“ sind nach ebenfalls 10 Tagen auf See auf dem Weg nach Falmouth. Die Einfahrt in die Flussmündung ist soweit kein Problem, Problem ist nur, dass alle Hafenmeister, die wir per Funk erreichen, uns keinen freien Liegeplatz mehr anbieten können. Wir finden jedoch „Playmobil“  längsseits an 2 anderen holländischen Schiffen und er weist auf eine Swan hinter ihm an der Pier, bei der wir uns nun kurzerhand selbst einladen. Die beiden älteren Herren meinen zwar, dass sie uns mit der Auslaufzeit von 6 Uhr morgens schocken können, das klappt aber ja nun für uns Nordsee-Segler nicht. 

Somit können wir am Donnerstagmorgen einen schönen Längsliegeplatz erben. Der Vormittag wird mal wieder für das längst fällige, aber elendige Wäschewaschen und schwierige Wäschetrocknen „verbraucht“. Am Nachmittag schaut auch mal wieder die Sonne raus und wir bummeln durch die sehr lebendige Hafenstraße in Falmouth. Ziemlich viele schöne und auch kitschige Läden, ziemliche viele Menschen und an jeder Ecke ein Pub oder Café – Herz was willst du mehr?! 

Am Freitagmorgen, 19.8. regnet es Hunde und Katzen. Auch der Wind hat bereits zugenommen. Somit können wir endlich mal reinen Gewissens ausschlafen und rumschlummeln. Erst am späten Vormittag reißt der Himmel auf und der Wind legt noch mal einen Zahn zu. An einen weitere Wasch-Arie mit Wäscheaufhängen ist nicht zu denken und wir bummeln stattdessen erneut in dieser lebendigen Hafenstadt. Für den doch lang gewordenen Rückweg entdeckt Manfred glücklicherweise per Google Maps eine kleine, urtümliche Personenfähre, die uns schnell wieder zurück zur Pendennis-Marina bringt. Abends laden wir Guido zum Pfannkuchen-Essen ein und wir verputzen diese selbstgemachten Kalorienbomben mit Blaubär-Kompott, Nutella oder Zucker. Anschließend besichtigen wir endlich mal Guidos schicke Breehorn 37, wie wir dieses seit den Azoren vorhatten (s. auch: www.segelyacht-playmobil.de). Er hat den Innenausbau selbst mit designed und bauen lassen. Viele pfiffige Lösungen und Details finden sich hier an Bord. Hätten wir nicht schon Auriga, dann muss ich zugeben, wäre ich etwas neidisch … 

In der Nacht zu Samstag drücken einige Böen selbst Auriga auf die Seite. Sie kündigen sich mit einem Heulton an und fallen direkt anschließend über alle Masten, losen Schoten und Segelbaumkleider her. Ich möchte momentan auf keinen Fall draußen auf See sein. Eigentlich sollte dieses Wochenende noch weitere Regatten der Halbtonner-Meisterschaft hier stattfinden, die seit gestern Nachmittag aber wohl gecancelt wurde. Somit ist das laute Gewusel hier auf unserem Steg auch vorbei :-) Samstagmorgen wird mal wieder staubgesaugt und der Iveco bekommt frisches Öl. Wir sind zufrieden, denn nun ist Auriga wieder fit und voll einsatzfähig.

Bäckerei-Café in Falmouth: Spürst du die magische Anziehung?!
Bäckerei-Café in Falmouth: Spürst du die magische Anziehung?!
It's Teatime in Falmouth
It's Teatime in Falmouth
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Piratenester und Riviera-Feeling: Englands Küsten locken in vielerlei Hinsicht...

Fowey mit Kirchturm-Aussicht
Fowey mit Kirchturm-Aussicht

 

2.8. – 24.8.: Cornwall und Devon: tolle Häfen und historische Städtchen

Auch der Sonntag verläuft in Falmouth stürmisch und regnerisch. Wir trauen uns, einen 2-stündigen Spaziergang rund um die Landspitze Pendennis zu unternehmen, kehren aber gern anschließend in eine Cornish Bakery ein und schlagen mal wieder die Kalorien auf dem Teller tot. Abends machen wir weiter:  Fish und Chips mussten endlich sein. Morgen geht es immerhin weiter auf See. Wir wollen in eine Flussmündung zu einem alten Schmuggler- und Piratennest namens Fowey. 

So legen wir am Montagmorgen gemeinsam mit der Flottille der „Ocean Peoble“ ab und rollen bald darauf den Yankee und die Fock aus. Die Flottille will heute noch nach Dartmouth – gut 70 sm weiter nach Osten, wir haben nur 23 sm vor der Nase und lassen es gemütlich mit Wind von hinten angehen. Wobei man unter Gemütlichkeit sicher nicht das kalt-nasse Wetter mit grauem Himmel versteht. Ich bin durchgefroren, als wir gegen 14.30 Uhr eine der blauen Mooring-Tonnen für besuchende Yachten zu fassen bekommen haben. Schnell wird das Dinghi runtergelassen und ich ziehe mir die selbstgestrickten Socken an (Danke, liebe Kirsten!). Dann geht es per Boot über den Fluss zum Dinghi-Dock. Fowey ist ein malerischer Ort mit knuffigen kleinen Gassen, Geschäften und Kneipen. Wir finden (wieder mal) ein pittoreskes kleines Teehaus: Cream-Tea und Kuchen machen die Füße schnell warm. Bummelnderweise kommen wir an der nächsten Kneipe vorbei und bestellen uns denn noch ein Bier (Pint = ca. halber Liter) und einen Rotwein. Wir dürfen an einem Tisch mit 2 anderen netten Herren sitzen. Wie sich herausstellt, sind es Iren, die schon lange hier in der Gegend wohnen, auch bereits in Deutschland waren und sich sehr für unsere Reise interessieren. Während wir zu weiteren 2 Bier/Rotwein genötigt werden, bekommen wir noch gute Tipps für die nächsten Häfen. Nach dieser Druckbetankung (die beiden Herren wurden zum Dinner erwartet  und wurden rechtzeitig vor dem nächsten Drink quasi aus der Kneipe aufgepickt) weigere ich mich, hiernach noch Essen zu kochen. Somit verbleiben wir in der Kneipe und essen uns wieder halbwegs nüchtern. Anschließend fühlen wir uns sogar noch in der Lage, den Fluss ein Stück weit mit Daisy hoch zu motoren. Sogar das Anlegen am Mutterschiff klappt noch und wir fallen müde ins Bett.

Am nächsten Morgen klopft nicht der Kopf, aber der Hafenmeister:  an den Rumpf. Er erleichtert uns um 25 englische Pfund. Wer glaubt, dass England die üblichen Hafen- und Mooringgebühren veranschlagt, wird heftig schlucken müssen. Wir wussten bereits, dass die Hafengebühren recht üppig ausfallen würden: so durften wir bereits in Falmouth rund 200 Pfund bezahlen, die uns das Anbinden für 4 Nächte zugestanden. Hin und wieder überkommt uns denn doch Wehmut: in Portugal inkl. Madeira und Azoren war das Leben um gut 2/3 günstiger – das betrifft übrigens auch alle weiteren Lebenshaltungskosten (Kaffee für 70 Cent!).

Sei’s drum, so schnell werden wir hier nicht wieder herkommen können. Wir motoren mit unserem Dinghi noch mal rüber nach Fowey, gönnen uns ein gutes Frühstück (weil uns das Brot ausgegangen war) und besuchen anschließend noch den gegenüber liegenden Ort Polruan. Ich könnte hier fast jedes Cottage bewohnen – etliche sind liebevoll gepflegt und haben einen fantastischen Ausblick auf den Fluss oder das Meer.

Aber wir müssen weiter: Salcombe hieß der Tipp der beiden Herren vom Vorabend. Die zu überwindende Distanz beträgt immerhin 40 sm, von denen wir 36 Meilen bei nunmehr Sonnenschein und mit Backstagbrise segeln können. Die englische Küste und das eine oder andere Kap zieht an uns vorbei (fast keine wilden Wellen). Die Ruhe währt, bis wir ca. 2 sm vor der fjordähnlichen Einfahrt die Segel einrollen wollen und derweil schon mal den Motor anmachen. Nach 5 Minuten verblubbert jedoch der Lärm – Schiet, was ist das denn? Manfred verschwindet schnell im Motorraum und findet zumindest den Fehler: Luft im Dieselfilter. Er entlüftet die Leitungen und wir können nach 10 Minuten die Maschine wieder starten. Blöd wäre es gewesen, wäre es uns auf der Barre zur Flussmündung mit 2-3 kn Strom passiert. Wir ärgern uns sehr. Davon abgesehen offenbart sich uns beim langsamen Einlaufen in diesen „Fjord“ (ist kein Fluss, sondern eher eine Mini-„Ria“) ein herrliches Sommerparadies. An Land stehen prachtvolle Häuser, auf dem Wasser tummeln sich Jollen, Ruderboote, Fähren und Standup-Paddler. Wir nehmen die nächstbeste Mooring-Tonne und Manfred geht noch mal auf Fehlersuche. Lediglich bei der Kraftstoff-Förderpumpe war etwas ausgelaufener Diesel zu finden. Manfred zieht noch mal alle Verschraubungen nach – die Ursache ist aber unserer Meinung nach noch nicht sicher gefunden.

 

Zum Trost gibt es leckeren Salat mit Schafskäse endlich mal wieder am Cockpit-Tisch. Unsere Augen wissen bei dem bunten Treiben gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollen. Aber auch hier wird es irgendwann dunkel und wir fallen müde in die Koje.

 

Am Dienstag, den 23.8.2016 hat Manfred Geburtstag.  Er hätte sich kaum einen schönen Ort und kein besseres Wetter aussuchen können, um seinen Ehrentag zu feiern. Es wird ein herrlicher, sonniger Sommertag mit Temperaturen weit über 20°. Einige kleine Geschenke haben den Weg auf den Gabentisch gefunden – den Rest gibt es dann irgendwann, wenn wir wieder zu Hause sind. Dafür wird Manfred mit einem üppigen Frühstück und einem Tag ohne Widerrede oder Gegenvorschläge bei Laune gehalten. Wie bereits in Fowey, motoren wir zwischen den vielen Mooring-Liegern zum gut besuchten Dinghi-Dock und bummeln anschließend durch die Einkaufsgasse und die malerische Küstenstraße entlang. Versprochen: sobald wir mal wieder gutes Internet haben, werden wir viele tolle Bilder hochladen!

 

Den Nachmittag verbringt Manfred „Geburtstagskönig-gemäß“ in der Hängematte an Bord. Ein Buch zu lesen fällt bei den vielen Aktivitäten rund um unser Boot herum sehr schwer und wir geben es bald auf. Dafür bekommt Manfred auf dem Vordeck endlich mal die Haare geschnitten (neue Technik: „Mit-dem-Wind-Schneiden“) Es wird eine halbwegs passable Frisur. Zum Abendessen haben wir uns ein dickes Rumpsteak mit grünen Bohnen an Land besorgt. Frisch zubereitet in der Pfanne und verspeist in der Abendsonne im Cockpit werden doch wohl Seglers Träume wahr oder?!

 

Am Mittwoch (nachdem wir gecheckt haben, ob wieder Luft im Dieselfilter war – alles bestens – warum auch immer…) lassen wir die Mooring-Tonne los und motoren wehmütig weiter. Heute ist kein Wind zu erwarten. Somit werden die heutigen 22 sm motort. Wir müssen endlich auch mal wieder unseren Dieselbestand auffüllen – dies machen wir an einer „Fuel Barge“ in Brixham. Wie man uns versichert, hat der Treibstoff keinen Bio-Anteil. Nach dieser Unterbrechung motoren wir an der „englischen Riviera“ entlang nach Torquay. In der riesigen Marina finden wir nach Funkansage des Hafenmeisters schnell den zuvor telefonisch reservierten Platz. Flugs sind wir dann auch auf dem Weg zum Hafenbüro für die obligatorische Anmeldung und zur Laundry. Da es in Falmouth letzte Woche so geweht und geregnet hat, ist der Berg Wäsche schon wieder stark gewachsen. Diese Marina hat tolle Waschmaschinen und was noch viel wichtiger ist: tolle Trockner! Die „W“-Wartezeit überbrücken wir mit einem Kaffee und wie soll es anders sein … bummelnderweise durch die belebte Einkaufsmeile. Hier reihen sich ein Billigladen und Fish & Chips / Burgerimbiss an den nächsten. Trotzdem des Rummels und der vielen (dicken) Touristen bekommt man das Flair eines alten englischen Seebades durchaus mit. Es gibt verschnörkelt gebaute Pavillons und beeindruckende Hotelfassaden zu bewundern, man muss nur den Blick nach oben oder in die Ferne richten.  Wir lassen es momentan bewusst mal etwas relaxter angehen und genießen die Urlaubsatmosphäre. Vor uns liegen ja noch rund 600 sm, die wir in längeren Tagestörns bewältigen müssen.

Eindrücke von Fowey und Polruan

Geheimtipp: Salcombe

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Die englische Riviera, der Solent und berühmt (berüchtigte) Seebäder

Ziel Torquay: Am Mittwoch (nachdem wir gecheckt haben, ob wieder Luft im Dieselfilter war – alles bestens – warum auch immer…) lassen wir die Mooring-Tonne los und motoren wehmütig weiter. Heute ist kein Wind zu erwarten. Somit werden die heutigen 22 sm motort. Wir müssen endlich auch mal wieder unseren Dieselbestand auffüllen – dies machen wir an einer „Fuel Barge“ in Brixham. Wie man uns versichert, hat der Treibstoff keinen Bio-Anteil. Nach dieser Unterbrechung motoren wir an der „englischen Riviera“ entlang nach Torquay. In der riesigen Marina finden wir nach Funkansage des Hafenmeisters schnell den zuvor telefonisch reservierten Platz. Flugs sind wir dann auch auf dem Weg zum Hafenmeister und zur Laundry. Da es in Falmouth letzte Woche so geweht und geregnet hat, ist der Berg Wäsche schon wieder stark gewachsen. Diese Marina hat tolle Waschmaschinen und was noch viel wichtiger ist: tolle Trockner! Die „W“-Wartezeit überbrücken wir mit einem Kaffee und wie soll es anders sein … bummeln durch die belebte Einkaufsmeile. Hier reihen sich ein Billigladen und Fish & Chips / Burgerimbiss an den nächsten. Trotzdem des Rummels und der vielen (dicken) Touristen bekommt man das Flair eines alten englischen Seebades durchaus mit. Es gibt verschnörkelten Pavillons und beeindruckende Hotelfassaden zu bewundern, man muss nur den Blick nach oben oder in die Ferne richten.  Wir lassen es momentan bewusst mal etwas relaxter angehen  und genießen die  Urlaubsatmosphäre. Vor  uns liegen ja noch rund 600 sm, die wir in längeren Tagestörns bewältigen müssen.

 

Torquay Hotel
Torquay Hotel

Landausflug nach Dartmouth mit der guten alten Eisenbahn

Eine Zugfahrt gefällig?!
Eine Zugfahrt gefällig?!

Die Eindrücke stapeln sich momentan in unseren Köpfen. Englands Südostküste hat so viel Unterschiedliches zu bieten, so dass wir momentan wirklich nur „sammeln“. Sortieren im Kopf und im Bilderordner muss später erfolgen. Aber fangen wir doch mit der Fortführung hier im Blog an:

Am Donnerstag, den 25.8. machen wir einen Ausflug per Bus und Dampflokomotive von Torquay nach Dartmouth, wo in diesen Tagen eine Ruderregatta stattfindet. Das war auch der Grund, warum wir diesen malerischen Flusslauf, den Dart, einfach ausgelassen hatten.

 

Wir erwerben morgens 2  Tickets, die die Busfahrt nach Paignton und ab dort die Dampflok nach Kingswear und die Fähre nach Dartmouth beinhalten. Die vorbeziehende, sogenannte englische Riviera ist dicht gepflastert mit Vergnügungsparks. Aus dem Zugfenster bewundern wir die Wetterresistenz der englischen Urlauber. Es ist nieselig und diesig, trotzdem werden am Strand die Badesachen ausgepackt. Die Kinder stecken zumeist im Neoprenanzug. Damit lässt es sich auch bei diesen Konditionen hervorragend im Sand buddeln und baden. Die Eltern holen derweil ihre Sandwiches, Pasties und Süßgetränke raus und lassen sich den Tag nicht von ein paar Wolken vermiesen – bewundernswert.

 

Die Zugfahrt selbst mit allem Gerüttel, Gerüchen und Geräuschen ist ein tolles Erlebnis – Bahnfahren mit allen Sinnen sozusagen. In Kingswear auf dem ebenfalls nostalgisch angehauchten Bahnhof angekommen, setzen wir zügig mit der Fähre nach Dartmouth über. Auch dieser Ort ist eine Hochburg des englischen Segel- und Rudersports. Der Fluss Dart ist voll mit Anker- und Mooringliegern. Mitten zwischendrin finden die Ruderregatten statt. Wir bummeln durch die pittoreske Innenstadt, schnödern in den Geschäften und schönen Galerien, bis es Zeit für einen Tee und Imbiss wird. Dann geht der Bummel weiter.  In einem weiträumigen Park lauschen wir einer Coverband namens „Wiskey Falls“.  Alle sind in Sommerlaune – wir auch! Zurück mit Fähre, Zug und Bus genehmigen wir uns abends in Torquay an der Hafenpromenade wieder eine leckere „Schweinerei“, auch wenn der Blick auf die vielen übergewichtigen Menschen uns durchaus zu denken gibt.

Nächstes Highlight: Weymouth

Am Freitag, den 26.8. klingelt der Wecker um 5 Uhr, weil das Portland Bill mit seinen Races zur rechten Tidenzeit passiert werden will. Nachdem der Morgen noch frisch war, können wir bald schon in kurzer Hose die Segel setzen und mit leichtem Nordwestwind das Portland Bill in der inneren Passage (nur rund 500 m von der Felsenspitze entfernt) passieren. Weiter draußen sind die Wellen erkennbar wilder. Wir biegen um die Ecke und segeln am ehemaligen Militär- und Olympiahafen Portland vorbei. „Hafen“ ist übrigens leicht untertrieben für die ca. 5 sm weite, mit Molen eingefasste Bucht. Wir bevorzugen denn lieber den klassischen Ort und Hafen Weymouth und kommen im kanalförmigen Hafen längsseits an einer Jeanneau fest - auch hier namenhafte Segelclubs, Sommerflair und schicke Pubs.

Da es erst früher Nachmittag ist, machen wir uns mit Badehandtuch und Strandmatte auf zum riesig langen Strand. Dieser ist äußerst gut besucht und mitten im Trubel gibt es ein traditionelles Puppentheater „ Mr. Punch und Judy“, dem wir einige Zeit zuschauen. Herrlich! Mitten im Trubel finden wir ein Stück Sand und Manfred schafft es aufgrund der frühen Uhrzeit heute Morgen, ohne Probleme seinen Mittagsschlaf zu halten. Ich betreibe eine meiner Lieblingsbeschäftigungen: beobachten!

Anschließend geht der Weg zurück mit einem kurzen Zwischenstopp an einem der hafenseitigen Pubs, wo wir uns wie viele anderen einen Sundowner gönnen. Schnell ist man hier im Gespräch und wenn jemand mitbekommt, dass wir aus Deutschland sind, ist man auch schon mittendrin in der Brexit- und Flüchtlingsdiskussion. Es bleibt spannend, nicht nur für die Engländer…

Weymouth ist so schön, dass wir auch am Samstag hier bleiben wollen. Manfred baut die Kraftstoff-Förderpumpe aus, weil wir immer noch Luftblasen in den Vorfiltern haben. Sie wird inspiziert und sorgfältig wieder zusammengebaut in der Hoffnung, dass wir das belastende Luftproblem endlich gelöst bekommen (sollte leider nicht ganz der Fall sein, wie nachfolgende morgendliche Kontrollen erweisen).  Ebenso nutzen wir die neue Position als Innenlieger, um unser Deck mal wieder sauber zu machen. Das hätten wir uns jedoch schenken können, da am Nachmittag 3 Yachten als Päckchenlieger bei uns festmachen und alle natürlich über unser Deck laufen müssen.

Nun denn, mittlerweile ist der kleine Regenschauer mittags durch, wir holen die Klappräder raus und wollen zum Olympiahafen radeln. Es soll eine schöne Strecke auf einer stillgelegten Eisenbahntrasse geben. Nach einigem Suchen und diversen unnötigen Hügeln finden wir sogar den „Einstieg“ und die Strecke ist wirklich schön. Die jetzige Marina Portland erweist sich als absolut modern. Wie haben jedoch den Eindruck, dass hier, wie auch bei anderen ambitionierten Projekten, eine künstliche Welt geschaffen wurde, die nicht recht Anklang findet. Zwar finden in der riesigen „Bucht“ noch diverse Jollenklassen ein hervorragendes Trainings- und Regattarevier vor, landschaftlich ist es aber recht eintönig. So freuen wir uns, abends zurück in Weymouth in einem gehobenen italienischen Restaurant („Did you booked? No? Okay, then you will have to wait for half an hour til you will be seated”) unsere Fahrradkalorienverluste wieder ausgleichen zu können.

Fahrradpause im Ex-Olympiahafen Portland
Fahrradpause im Ex-Olympiahafen Portland

Der Solent ruft

Am Sonntag, den 28.8. herrscht graues windiges Wetter. Wir wollen trotzdem weiter und erfahren so nebenbei, dass immer am letzten Montag im August „Bankers holiday“ zelebriert wird. An diesem Tag nehmen sich nicht nur die Banker sondern einfach mal so alle frei. Party allendhalben und wir?

Wir können nicht nach Cowes, Yarmouth, Poole oder Lymington. Alles voll. Sämtliche Telefonate mit den Hafenmeistern wurden negativ beschieden. Trotzdem legen wir nach einiger Verzögerung (einer der Päckchenlieger war extern Frühstücken und nicht zu vereinbarten Uhrzeit zurück) ab, rollen nur den Yankee aus und lassen uns von 5-6 Windstärken aus Südwest zum nächsten seglerischen Highlight ziehen: St Albans Head. Auch hier gilt es, mit der Tide (und möglichst mit Wind aus derselben Richtung) anzukommen.

 

Da mit uns viele englische Yachten dasselbe Ziel haben, können wir uns zumindest darauf verlassen, dass auch hier die Lösung in der landnahen Passage liegt. Heute empfangen wir etliche PAN PAN und Mayday Rufe von Yachten, deren Motor ausgeht, keinen Diesel mehr haben usw. Alle sind jedoch nicht in Schlagdistanz, um sich von Auriga retten zu lassen. Somit kommen wir ohne Probleme in der Studland Bay (Teil der Poole Bay) an und lassen unseren Anker auf nur 3 m Wasser fallen. Diese Bucht ist heute die einzige Möglichkeit, geschützt außerhalb eines Hafens den immer noch kräftig wehenden Südwestwind zu „ertragen“. Und wir sind angenehm überrascht von dieser (ebenfalls gut besuchten) Ankerbucht. Ein toller Rundumblick zeigt uns erste Kreidefelsen und den Blick auf Poole. Übrigens: auch am heutigen, windig-kühlen Tag vergnügen sich viele Engländer am schmalen Sandstrand dieser Bucht – unglaublich!

Wir können diesen Break ganz gut gebrauchen, in dem wir uns nur auf das Bordleben für den heutigen Abend konzentrieren. Manfred bäckt ein leckeres Brot und abends werden die letzten Folgen von „House of Cards“ angeschaut (ich muss unbedingt die weiteren Folgen sehen!).

Bankers Holiday glatt ausgesessen... Cowes hat wieder Platz für uns!

Na, was mag das wohl sein? (Preisfrage!)
Na, was mag das wohl sein? (Preisfrage!)

Am „Bankers Holiday“, Montag den 29.8. scheint wieder die Sonne und der Spätsommer ist zurück. Wir rudern mit unserer „Daisy“ zum Strand, gehen etwas im Hinterland spazieren und legen uns dann ebenfalls für eine Stunde in die Sonne. Mittags soll es weitergehen: endlich nach Cowes. Da auch der Needles Channel mit einlaufender Flut besegelt werden sollte, heben wir erst mittags gegen 13 Uhr den Anker aus dem Sand. Auch der am Vormittag gänzlich eingeschlafene Wind regt sich wieder und es geht sprichwörtlich mit Rauschewelle über die Poole Bay zum Needles Channel. Wir halsen rechtzeitig rein und mit Vorwindkurs segeln wir an den Shingles und diversen Kardinaltonnen in das schmale Fahrwasser rein. Gut, dass Manni hier schon gesegelt ist und sich auskennt. Ich war doch etwas bange, ob wir alles richtig machen.

Mit der Abendsonne kommen wir im Solent an – zum Glück mussten wir kaum einer der vielen Yachten ausweichen, da diese ebenfalls wie wir ostwärts (nach Hause?) strebten. Um halb sechs binden wir dann unsere Auriga in der Cowes Marina an. Jeap, das ist schon ein tolle Gefühl, die lange bestehenden Segelziele endlich live zu erleben. Der erste Gang (nach dem Hafenmeisterbüro und zur Waschmaschine *haha*) in die nahegelegene Innenstadt bringt meine Augen zum Leuchten: sämtliche Marken, die für den Segelsport relevant sind, haben hier ihre Verkaufsräume. Und das Beste: es ist SOMMERSCHLUSSVERKAUF! Morgen wird die Kreditkarte glühen, so viel steht fest.

 

Zudem gilt es, für Manfred die seit Jahren angestrebte rote Cowes-Hose zu erwerben, auch wenn er jetzt von seiner langjährigen Schwärmerei nichts mehr wissen will. Er wird zwangs-beshopped sozusagen (neue Wortfindung meinerseits).

Ich erspare jetzt allen männlichen Lesern die Details unseres Shopping-Vormittages. Nur so viel: er war erfolgreich, einschließlich der roten Hose:- )

Isle of Wight und der River Medina

Der Nachmittag will bei dem Sonnenschein aber auch noch genutzt werden. Wir bringen unsere Einkäufe an Bord und holen die Fahrräder raus. Es geht am rechtseitigen Ufer des River Medina entlang nach Newport. Da wir gerade bei Niedrigwasser unterwegs sind, meinen wir streckenweise, in der Haseldorfer Nebenelbe unterwegs zu sein. In Newport kommen wir nach einer knappen Stunde an. Viele kleine Stege und Werftbetriebe sind hier angesiedelt.  Ebenso Schiffe, die mindestens verlassen, wenn nicht sogar aufgegeben sind. Der alte Hafen hat einen nostalgisch morbiden Charme. Manfred ist ganz fasziniert und lässt seine Phantasie spielen, was man aus dem einen oder anderen Schiff wieder machen könnte. Ich sag‘ dazu einfach mal nix außer „vergiss‘ es!“ Im sanften Lichte der Spätsommersonne sieht es hier recht romantisch aus.

 

Der linksseitige vorgesehene Uferweg  für Fußgänger und Fahrradfahrer auf unserem Heimweg lässt sich zunächst passabel an, bis wir in der künstlich gebauten Island Harbour Marina ankommen. Hier verlassen uns die guten Fahrradgeister: wir müssen ein Stück lang an der vielbefahrenen Hauptstraße nach East Cowes fahren. Steile Hügel, Null Platz an der linken Fahrbahnseite und ein Auto nach dem nächsten. Wir können von Glück sagen, dass wir das überlebt haben! Apropos Linksverkehr. Oft genug erinnern wir uns gegenseitig daran, dass wir auf der linken Fahrbahn gehen / fahren müssen. Es geht auch linksherum in jeden Kreisel rein. Etwas Übung kommt mit der Zeit, aber es fällt uns enorm schwer. Wie gut, dass wir uns bislang kein Auto gemietet haben, denke ich in den letzten Tagen oft. Mit der Kettenzugfähre geht es letztendlich zurück über den Fluss auf „unsere“ Seite.

Mittwoch den 31.8. nutzen wir das gute Liniennetz der Busse auf der Isle of Wight. Zunächst fahren wir nach Ryde. Ein alter Badeort mit schöner Häuserfassade und der ersten längeren Pier, für die Englands Badeorte berühmt geworden sind. Diese sieht jedoch recht baufällig aus und wir laufen nur wenige Schritte auf ihr hinaus. Spannender ist da schon die Landestelle für die Hovercraft-Fähren, die den Fährdienst nach Portsmouth absolvieren. Diese Technik aus den 60iger Jahren ist nach wie vor beeindruckend…und laut.

 

Weiter geht unsere kurvenreiche Busfahrt im Oberdeck ganz vorne sitzend  durch alleenartige Straßen („klumpergrrrzhh“  Äste, die an mein Dach klopfen) nach Bembridge und Sandown. Hier steigen wir aus und laufen die Uferpromenade ca. 4 km zum nächsten Badeort Shanklin. Die dringend benötigte Erfrischung finden wir oben auf der Steilküste in dem Hotel Cliff Hall mit einem großartigem Ausblick. Hmh, lecker ist das half Pint Ale. Zurück geht es über Ventnor und das Inselinnere. Diese „Rundfahrt“ hat uns begeistert und wieder einmal tolle Eindrücke von Land und Leuten geben können.

Brighton & Beachy Head

Abschied vom Solent: wir wurden nicht unter Beschuss genommen!
Abschied vom Solent: wir wurden nicht unter Beschuss genommen!

Weiter geht unsere Segel!-Reise nach Brighton. Die Donnerstags-Sonne am  1. September  weckt uns um 6.30 Uhr.  Mit Wehmut im Herzen legen wir ab. Vorbei geht es mit Motorkraft an den berühmten Forts „No Mans Land“ und „Horse Sand Fort“, die früher den Solent verteidigt haben. Es bleibt bis 15 Uhr sonnig und bis Mittag auch schwachwindig. Dann kommt die Seaside und die lange Pier von Brighton in Sicht. Der Hafen besticht durch gewaltig hohe und dicke Molen. Die Marina selbst ist umzingelt von hohen Häusern, Appartement-Blöcken und gigantisch großen Restaurants. Wir trullern wieder mit den Fahrrädern los Richtung Pier. Ich stehe staunend davor und wundere mich zum wiederholten Male über den Vergnügungsgeschmack des englischen Volkes. Auf der Pier, die auf vielen rostigen eisernen Streben steht, sind nicht nur ganze Spielhallen, sondern Achterbahnen, Geisterbahnen, Autoscooter und weitere „Karussells“ der modernen Neuzeit aufgebaut. Unser Blick wandert schon das eine oder andere Mal zwischen die Spalten der Holzdielen, um die rostige Trägerkonstruktion abzuschätzen. Aber vielleicht ist das gar keine so gute Idee, wenn man sich einfach nur amüsieren will.

 

Wir radeln weiter in die Innenstadt. Die nächste Attraktion (außer dem Linksverkehr!) ist der Royal Pavillon im Stile eines – man mag es glauben oder nicht – indischen Palastes siehe auch wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Pavilionusg=AFQjCNEwWhoZtdoLKVS8NSGNldZmMCuRKw.

Wir sind jedoch nicht mehr ganz frisch und müssen uns dringend ein wenig stärken. Ein nettes mexikanisches Restaurant bietet zig Variationen Enchiladas, Tortillas, Burritos etc. an – wir testen einige Kleinigkeiten und können uns somit gestärkt wieder in den Linksverkehr zurück zur Marina stürzen.  Mein Fazit: Brighton muss man mal gesehen haben, wer Zeit hat, kann bestimmt viele interessante Bauwerke und Museen aus der royalen Bäderzeit besichtigen, aber uns sieht Brighton wohl nicht so schnell wieder.

 

Immer zum Wochenende wird auch hier in England das Wetter bähbähbäh. Ab Samstag Nachmittag bis einschließlich Sonntag ist Starkwind angesagt. Heute Morgen pfeift es auch schon in den Wanten, Auriga wackelt in den Böen. Aufgrund der hohen Mole fällt es schwer, die wahre Windstärke einzuschätzen. Wir wollen auf jeden Fall weiter nach Eastbourne, der für uns ein potentieller Absprunghafen über den Kanal zurück an das europäische Festland sein kann (oh, der musste sein). Je nach Wetterbericht für Samstag queren wir den Kanal aber von Dover – mal schauen. Um  9.30 Uhr geht heute es raus. Nach den Molenköpfen empfängt uns eine kabbelige See, die erst nach einer halben Stunde erträglich wird. 5 Windstärken treiben uns weiter zum Beachy Head. Das ist doch mal eine Landspitze, die sich toll fotografieren lässt! Wenig später sind wir auch schon in der Schleuse und dann im Binnenhafen von Eastbourne. Ganze 17 sm haben wir heute geschafft. Diese Marina ist ebenfalls von modernen Appartement-Häusern (nur 3-4 stöckig immerhin) umgeben, liegt dafür rund 4 km außerhalb vom Ort selbst. Da es nun zu regnen anfängt, wird auch die Restneugier erstickt. Besser ist es, die hiesige Laundry in Anspruch zu nehmen. Dank des tollen Trockners verläuft dieser Waschnachmittag erfolgreich.

Beachy Head

Absprunghafen Dover

Die Wettervorhersage hat sich seit gestern nicht verändert.  Daher verlassen wir Eastbourne früh am Samstag Morgen durch die halbstündlich öffnende Schleuse. Bis 12 Uhr ist nix los auf dem Parcours. Wir motoren im Sonnenschein bis zur Ecke Dungeness (schon wieder Overfalls in der Seekarte eingetragen), wo wir dann so langsam 2,4 und bis zu 5 Windstärken bekommen. Leider alles direkt von hinten, bis Dover sind es nur noch 18 sm, da lohnt sich das Ausbaumen des Yankees nicht. Ich bin mal wieder Bangbüx und bestehe darauf, weiterhin mit Motorunterstützung zu fahren. So sind wir mit weiter zunehmendem Wind rechtzeitig um 14 Uhr in der Granville Marina in Dover. Die westliche und weiträumige Hafeneinfahrt ist sehr heftig. Gut, dass wir einiges von Cuxhaven gewohnt sind. 3 Knoten Strom machen heftigen Seegang hier – ich sichere unser im Cockpit nach innen liegendes Steuerbordfenster schnell mal mit der Fussmatte ab, falls sich eine Welle an Bord traut (traut sich aber keine!).

 

Dover ist gar nicht so hässlich, wie man meinen möchte. Wir laufen an der recht schönen Seepromenade entlang und dann in die Innenstadt. Zugegeben, das Publikum hier ist ein anderes als in Weymouth oder Cowes, aber das ist nicht verwunderlich. Frisch mit Lebensmitteln versorgt machen wir abends ein leckeres und üppiges Abendessen. Jetzt kann es gerne wehen und pladdern, wir sind satt und zufrieden unter Deck!

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Seglertreffen in Dünkirchen und sehenswertes Brügge

Seepromenade und Kreidefelsen von Dover
Seepromenade und Kreidefelsen von Dover
Da geht's auch für uns raus über den Kanal nach Frankreich
Da geht's auch für uns raus über den Kanal nach Frankreich

 

Sonntag, 4.9. – 11.9.2016 Dover bis Texel/Vlieland

Den Sonntag nutzen wir endlich mal für einen Museumsbesuch. Hier in Dover gibt es ein tolles und kostenfreies Museum, in dem wir uns mit der wechselvollen Historie dieses Fährhafens vertraut machen. Den Kopf voll mit Informationen wandeln wir ans