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Piratenester und Riviera-Feeling: Englands Küsten locken in vielerlei Hinsicht...

Fowey mit Kirchturm-Aussicht
Fowey mit Kirchturm-Aussicht

2.8. – 24.8.: Cornwall und Devon: tolle Häfen und historische Städtchen

Auch der Sonntag verläuft in Falmouth stürmisch und regnerisch. Wir trauen uns, einen 2-stündigen Spaziergang rund um die Landspitze Pendennis zu unternehmen, kehren aber gern anschließend in eine Cornish Bakery ein und schlagen mal wieder die Kalorien auf dem Teller tot. Abends machen wir weiter:  Fish und Chips mussten endlich sein. Morgen geht es immerhin weiter auf See. Wir wollen in eine Flussmündung zu einem alten Schmuggler- und Piratennest namens Fowey. 

So legen wir am Montagmorgen gemeinsam mit der Flottille der „Ocean Peoble“ ab und rollen bald darauf den Yankee und die Fock aus. Die Flottille will heute noch nach Dartmouth – gut 70 sm weiter nach Osten, wir haben nur 23 sm vor der Nase und lassen es gemütlich mit Wind von hinten angehen. Wobei man unter Gemütlichkeit sicher nicht das kalt-nasse Wetter mit grauem Himmel versteht. Ich bin durchgefroren, als wir gegen 14.30 Uhr eine der blauen Mooring-Tonnen für besuchende Yachten zu fassen bekommen haben. Schnell wird das Dinghi runtergelassen und ich ziehe mir die selbstgestrickten Socken an (Danke, liebe Kirsten!). Dann geht es per Boot über den Fluss zum Dinghi-Dock. Fowey ist ein malerischer Ort mit knuffigen kleinen Gassen, Geschäften und Kneipen. Wir finden (wieder mal) ein pittoreskes kleines Teehaus: Cream-Tea und Kuchen machen die Füße schnell warm. Bummelnderweise kommen wir an der nächsten Kneipe vorbei und bestellen uns denn noch ein Bier (Pint = ca. halber Liter) und einen Rotwein. Wir dürfen an einem Tisch mit 2 anderen netten Herren sitzen. Wie sich herausstellt, sind es Iren, die schon lange hier in der Gegend wohnen, auch bereits in Deutschland waren und sich sehr für unsere Reise interessieren. Während wir zu weiteren 2 Bier/Rotwein genötigt werden, bekommen wir noch gute Tipps für die nächsten Häfen. Nach dieser Druckbetankung (die beiden Herren wurden zum Dinner erwartet  und wurden rechtzeitig vor dem nächsten Drink quasi aus der Kneipe aufgepickt) weigere ich mich, hiernach noch Essen zu kochen. Somit verbleiben wir in der Kneipe und essen uns wieder halbwegs nüchtern. Anschließend fühlen wir uns sogar noch in der Lage, den Fluss ein Stück weit mit Daisy hoch zu motoren. Sogar das Anlegen am Mutterschiff klappt noch und wir fallen müde ins Bett.

Am nächsten Morgen klopft nicht der Kopf, aber der Hafenmeister:  an den Rumpf. Er erleichtert uns um 25 englische Pfund. Wer glaubt, dass England die üblichen Hafen- und Mooringgebühren veranschlagt, wird heftig schlucken müssen. Wir wussten bereits, dass die Hafengebühren recht üppig ausfallen würden: so durften wir bereits in Falmouth rund 200 Pfund bezahlen, die uns das Anbinden für 4 Nächte zugestanden. Hin und wieder überkommt uns denn doch Wehmut: in Portugal inkl. Madeira und Azoren war das Leben um gut 2/3 günstiger – das betrifft übrigens auch alle weiteren Lebenshaltungskosten (Kaffee für 70 Cent!).

Sei’s drum, so schnell werden wir hier nicht wieder herkommen können. Wir motoren mit unserem Dinghi noch mal rüber nach Fowey, gönnen uns ein gutes Frühstück (weil uns das Brot ausgegangen war) und besuchen anschließend noch den gegenüber liegenden Ort Polruan. Ich könnte hier fast jedes Cottage bewohnen – etliche sind liebevoll gepflegt und haben einen fantastischen Ausblick auf den Fluss oder das Meer.

Aber wir müssen weiter: Salcombe hieß der Tipp der beiden Herren vom Vorabend. Die zu überwindende Distanz beträgt immerhin 40 sm, von denen wir 36 Meilen bei nunmehr Sonnenschein und mit Backstagbrise segeln können. Die englische Küste und das eine oder andere Kap zieht an uns vorbei (fast keine wilden Wellen). Die Ruhe währt, bis wir ca. 2 sm vor der fjordähnlichen Einfahrt die Segel einrollen wollen und derweil schon mal den Motor anmachen. Nach 5 Minuten verblubbert jedoch der Lärm – Schiet, was ist das denn? Manfred verschwindet schnell im Motorraum und findet zumindest den Fehler: Luft im Dieselfilter. Er entlüftet die Leitungen und wir können nach 10 Minuten die Maschine wieder starten. Blöd wäre es gewesen, wäre es uns auf der Barre zur Flussmündung mit 2-3 kn Strom passiert. Wir ärgern uns sehr. Davon abgesehen offenbart sich uns beim langsamen Einlaufen in diesen „Fjord“ (ist kein Fluss, sondern eher eine Mini-„Ria“) ein herrliches Sommerparadies. An Land stehen prachtvolle Häuser, auf dem Wasser tummeln sich Jollen, Ruderboote, Fähren und Standup-Paddler. Wir nehmen die nächstbeste Mooring-Tonne und Manfred geht noch mal auf Fehlersuche. Lediglich bei der Kraftstoff-Förderpumpe war etwas ausgelaufener Diesel zu finden. Manfred zieht noch mal alle Verschraubungen nach – die Ursache ist aber unserer Meinung nach noch nicht sicher gefunden.

 

Zum Trost gibt es leckeren Salat mit Schafskäse endlich mal wieder am Cockpit-Tisch. Unsere Augen wissen bei dem bunten Treiben gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollen. Aber auch hier wird es irgendwann dunkel und wir fallen müde in die Koje.

 

Am Dienstag, den 23.8.2016 hat Manfred Geburtstag.  Er hätte sich kaum einen schönen Ort und kein besseres Wetter aussuchen können, um seinen Ehrentag zu feiern. Es wird ein herrlicher, sonniger Sommertag mit Temperaturen weit über 20°. Einige kleine Geschenke haben den Weg auf den Gabentisch gefunden – den Rest gibt es dann irgendwann, wenn wir wieder zu Hause sind. Dafür wird Manfred mit einem üppigen Frühstück und einem Tag ohne Widerrede oder Gegenvorschläge bei Laune gehalten. Wie bereits in Fowey, motoren wir zwischen den vielen Mooring-Liegern zum gut besuchten Dinghi-Dock und bummeln anschließend durch die Einkaufsgasse und die malerische Küstenstraße entlang. Versprochen: sobald wir mal wieder gutes Internet haben, werden wir viele tolle Bilder hochladen!

 

Den Nachmittag verbringt Manfred „Geburtstagskönig-gemäß“ in der Hängematte an Bord. Ein Buch zu lesen fällt bei den vielen Aktivitäten rund um unser Boot herum sehr schwer und wir geben es bald auf. Dafür bekommt Manfred auf dem Vordeck endlich mal die Haare geschnitten (neue Technik: „Mit-dem-Wind-Schneiden“) Es wird eine halbwegs passable Frisur. Zum Abendessen haben wir uns ein dickes Rumpsteak mit grünen Bohnen an Land besorgt. Frisch zubereitet in der Pfanne und verspeist in der Abendsonne im Cockpit werden doch wohl Seglers Träume wahr oder?!

 

Am Mittwoch (nachdem wir gecheckt haben, ob wieder Luft im Dieselfilter war – alles bestens – warum auch immer…) lassen wir die Mooring-Tonne los und motoren wehmütig weiter. Heute ist kein Wind zu erwarten. Somit werden die heutigen 22 sm motort. Wir müssen endlich auch mal wieder unseren Dieselbestand auffüllen – dies machen wir an einer „Fuel Barge“ in Brixham. Wie man uns versichert, hat der Treibstoff keinen Bio-Anteil. Nach dieser Unterbrechung motoren wir an der „englischen Riviera“ entlang nach Torquay. In der riesigen Marina finden wir nach Funkansage des Hafenmeisters schnell den zuvor telefonisch reservierten Platz. Flugs sind wir dann auch auf dem Weg zum Hafenbüro für die obligatorische Anmeldung und zur Laundry. Da es in Falmouth letzte Woche so geweht und geregnet hat, ist der Berg Wäsche schon wieder stark gewachsen. Diese Marina hat tolle Waschmaschinen und was noch viel wichtiger ist: tolle Trockner! Die „W“-Wartezeit überbrücken wir mit einem Kaffee und wie soll es anders sein … bummelnderweise durch die belebte Einkaufsmeile. Hier reihen sich ein Billigladen und Fish & Chips / Burgerimbiss an den nächsten. Trotzdem des Rummels und der vielen (dicken) Touristen bekommt man das Flair eines alten englischen Seebades durchaus mit. Es gibt verschnörkelt gebaute Pavillons und beeindruckende Hotelfassaden zu bewundern, man muss nur den Blick nach oben oder in die Ferne richten.  Wir lassen es momentan bewusst mal etwas relaxter angehen und genießen die Urlaubsatmosphäre. Vor uns liegen ja noch rund 600 sm, die wir in längeren Tagestörns bewältigen müssen.

Eindrücke von Fowey und Polruan

Geheimtipp: Salcombe

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